Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 30.12.2017


Verkehr

Arbeit in extremer Umgebung

Schwere Schäden an den Gleisen richtete jener Güterzug an, der vergangene Woche auf der Brennerstrecke aus den Gleisen gesprungen ist. Die Reparaturarbeiten laufen auf Hochtouren.

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© ÖBB/Gasser-Mair



Von Nikolaus Paumgartten

Gries a. Brenner – Es sind extreme Bedingungen, unter denen die Arbeiter derzeit rund um die Uhr im Einsatz sind. Eis, Schnee, Kälte und kaum Platz. Die Rede ist von den Instandsetzungsmaßnahmen auf jenem Streckenabschnitt der Brennerbahn zwischen Steinach und Brenner, auf dem am Freitag vergangene Woche ein Güterzug aus den Schienen gesprungen ist.

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- ÖBB/Kapferer

Wie berichtet, ist dort die Garnitur eines privaten Eisenbahnunternehmens am 23. Dezember gegen 21 Uhr aus bisher unbekannter Ursache entgleist, verletzt wurde glücklicherweise niemand. Auch hatte der Zug keine gefährlichen Stoffe geladen. Allerdings wurden die Gleise in beide Fahrtrichtungen schwer beschädigt. Die vier hintersten Waggons wurden vom Hauptzug abgetrennt und aus den Schienen katapultiert, die geladenen Sattelaufleger bis zu 50 Meter durch die Luft geschleudert. Die beiden Lokomotiven sowie neun Waggons bleiben in den Schienen, zwei Waggons am Ende sprangen jedoch ebenfalls aus den Schienen und wurden vom Hauptzug auf einer Länge von über einem Kilometer auf beiden Gleisen nachgeschliffen.

Bei einer ersten Begutachtung der Schäden war zunächst die Rede davon, dass die Brennerbahn-Strecke für rund eine Woche gesperrt bleiben müsse. „Diese erste Einschätzung wurde allerdings in der Nacht gemacht“, erklärt Christian Wieser. Er ist bei den ÖBB in Tirol für die Infrastruktur verantwortlich. „Erst am Tag darauf wurde dann das Ausmaß des Unfalls und der Schäden richtig sichtbar“: Auf etwa 1,2 Kilometern Länge wurde der Oberbau der Gleise in beide Richtungen komplett beschädigt, auf Gleis zwei die Oberleitung heruntergerissen. Drei Masten landeten in der Böschung. Zudem wurden in dem Bereich die so genannten Balisen – sie sind ein Teil der technischen Sicherheitseinrichtungen – zerstört. Vier Waggons waren so verkeilt, dass sie zuerst voneinander losgeschweißt werden mussten, bevor sie abtransportiert werden konnten.

Weil es keine Zufahrtsstraße zu dem Streckenabschnitt gibt, wird die Baustelle über die Schiene versorgt. Auch die Bergung der Sattelaufleger erfolgt mit einem Kran auf den Gleisen. Zum Einsatz kommt außerdem der Schnellumbauzug, der mehrere Schritte des Gleisbaus abwickeln kann. Da aber der Boden gefroren ist, ist dessen Funktion eingeschränkt und die alten Schwellen müssen einzeln Stück für Stück entfernt werden – eine mühsame und zeitintensive Arbeit, wie ÖBB-Infrastruktur-Regionalleiter Christian Wieser erklärt. Im Schnitt sind es rund 30 Mitarbeiter von ÖBB und Firmen, die im Baustellenbereich tätig sind. Mehr wären aufgrund der engen Platzverhältnisse im Baustellenbereich gar nicht möglich.

„Unser Ziel ist es, die Strecke so schnell wie möglich wieder freigeben zu können“, sagt Wieser. Angesichts der schwierigen Verhältnisse und des Ausmaßes der Zerstörungen kann der erste Wunschzeitplan jedoch nicht eingehalten werden. Jetzt soll am 5. Jänner um 5 Uhr Gleis eins freigegeben werden, Gleis zwei folgt am 7. Jänner um 20 Uhr. Bis dahin ist ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.




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