Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 03.01.2018


Exklusiv

Tiroler Technik gegen Eis am Lkw-Dach

Einfacher Weg zur Verkehrssicherheit: In Vomp wurde ein System installiert, das es Lkw-Fahrern leichter macht, ihr Dach zu prüfen. Das Konzept stammt aus dem Schulunterricht.

© Rudy de Moor.Jung-Erfinder Simon Zigala (l.) präsentiert stolz die App, die das Lkw-Fahrer-Leben erleichtern soll.



Von Marco Witting

Innsbruck – Kälte, Schnee und Eis – eine unberechenbare Kombination im Straßenverkehr. Und immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen oder Unfällen, wenn dicke Eisplatten oder Schnee vom Dach eines Lkw auf die Autobahn rutschen. Die Brummifahrer stehen hier selbst vor einer schwierigen Ausgangssituation. Aus gesetzlicher Sicht sind sie einerseits verpflichtet, dafür zu sorgen, dass das Dach schnee- und eisfrei ist. Andererseits wäre aus Gründen des Arbeitsschutzes den Lenkern gar nicht erlaubt, auf den Lkw zu steigen, um nachzusehen.

Und da kommt Benedikt Frischmann ins Spiel. Der Lehrer der HTL Anich­straße hatte einst als Autofahrer einen Lkw vor sich, der eine Schneehaube verlor. Einige Augenblicke auf der Autobahn ohne Sicht und ein paar Recherchen im Internet später war für Frischmann klar, dass es diesbezüglich wirklich ein Problem gibt. Auf der Suche nach einer Diplomarbeit kam man dann mit Schülern vor einigen Jahren auf die Thematik zurück.

In Vomp wurde das CYT-Projekt, einst im Unterricht entstanden, installiert.
- Foto Rudy De Moor

So wurde erst eine Schnee- und Eisbefreiungsanlage für Lkw-Dächer in der Theorie entwickelt, wofür man auch Preise einheimste. Ein erster Teil davon wurde jetzt am Lkw-Parkplatz in Vomp gemeinsam mit der Asfinag umgesetzt. Dafür gründete Frischmann mit seinem ehemaligen Schüler Simon Zigala ein Start-up-Unternehmen. Das CYT-System (steht für „Check Your Top“) wurde im Vorjahr erfolgreich getestet und wird jetzt auf drei Standorte ausgebaut.

„Über eine Kamera auf einem Lichtmast und eine speziell entwickelte App kann jeder Lkw-Fahrer am Parkplatz auf das Dach der Plane schauen. Und das direkt vom Führerhaus aus“, erklärt Zigala das einfache, aber effektive Konzept. Und sollte tatsächlich Schnee oder Eis dort zu sehen sein, kann der Lenker ein paar Meter weiter auf die aufgestellte Abkehrbühne steigen und das Fahrzeug problemlos davon befreien. Die Bilder können auch zur Dokumentation abgespeichert werden und dienen notfalls den Lkw-Fahrern zur Beweisführung. Der Datenschutz sei aber jedenfalls gewährleistet, versichern die Erfinder.

„Die größte Herausforderung war bis jetzt die Entwicklung der Applikation und in Zukunft wird es sicher wichtig sein, das System bei den Fahrern bekannt zu machen“, erklärt Frischmann. Info-­Schreiben in 15 Sprachen wurden bereits gedruckt. Die Zusammenarbeit mit der Asfinag sei jedenfalls sehr gut gelaufen. Aber: „Das System wäre auch für große Speditionen wichtig“, sagt Frischmann. Für die Stufe 2 des Projekts, eine technische Abblasestation, sucht man noch nach Partnern oder Sponsoren. In jedem Fall sei man sehr „stolz“, dass ein Projekt unkompliziert und erfolgreich umgesetzt wurde.

In Vomp wurde das CYT-Projekt, einst im Unterricht entstanden, installiert. Jung-Erfinder Simon Zigala (l.) präsentiert stolz die App, die das Lkw-Fahrer-Leben erleichtern soll.Fotos: Rudy de Moor
- Foto Rudy De Moor / Tiroler Tage

Asfinag-Chef Stefan Siegele freut sich über die gelungene Umsetzung einer solchen Idee: „Wir sind immer offen für derartige Projekte. Speziell wenn sie wie hier der Verkehrssicherheit dienen.“ Man werde in den kommenden Wochen eine Informations­offensive für die Stationen starten – auch in speziellen Foren für Lkw-Fahrer.