Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.02.2018


Bezirk Kufstein

Baubrücke entlastet Anrainer vom Tiwag-Baustellenverkehr

Die Bauarbeiten für die Erweiterung des Innkraftwerks Kirchbichl laufen auf Hochtouren. Bis 2020 soll das 110-Mio.-Euro-Projekt fertig sein.

© Michael MaderJohann Neuner, die Bürgermeister Josef Haaser und Herbert Rieder sowie Tiwag-Vorstandsdirektor Johann Herdina (v. l.) vor der Behelfsbrücke.



Von Michael Mader

Kirchbichl – „Wir liegen gut in der Zeit“, freut sich Tiwag-Vorstandsdirektor Johann Herdina über den Baufortschritt beim Kraftwerk Kirchbichl. Wie berichtet, erfolgte nur zwei Monate nach dem positiven Bescheid im März 2017 der Spatenstich für die Erweiterung des Innkraftwerks Kirchbichl. Bis Ende des Jahres 2020 ist die Errichtung eines zweiten Krafthauses inklusive einer weiteren Turbine sowie eines Dotierkraftwerks zur Nutzung der Restwasserabgabe geplant. „Dadurch können wir eine Steigerung der Stromproduktion um 25 Prozent auf 165 Millionen Kilowattstunden pro Jahr erzielen“, erklärt Projektleiter Johann Neuner. Das entspricht einer Versorgung von 8500 Haushalten.

Am gestrigen Dienstag wurde nach einer Bauzeit von vier Monaten die neue Bau­behelfsbrücke über den Inn in Betrieb genommen. „Damit können wir den gesamten Baustellenverkehr abwickeln und entlasten die Gemeindestraßen. Die gesamten Massentransporte werden direkt über eine eigene Zufahrt zur Autobahn gebracht“, sagte Herdina bei einem Lokalaugenschein mit den Bürgermeistern Josef Haaser aus Angath und Herbert Rieder aus Kirchbichl. Zudem gibt es auf der Baustelle eine Reifenwaschanlage für die Lkw. Die Brücke wird nach Baustellen­ende wieder zurückgebaut.

Für die Bauarbeiten wurde unter anderem der Radweg verlegt, aus Sicherheitsgründen sei es laut Herdina wichtig, dass die Leute die Umleitung benützen. Kritik gab es im Vorfeld aber an der Beschilderung.

Projektleiter Johann Neuner erklärt am Übersichtsbild den Verlauf der Arbeiten für die Erweiterung des Innkraftwerks in Kirchbichl.
- Michael Mader

Haaser lobte die Baustellenabwicklung über die Autobahn: „Das ist eine gute Lösung, die Lkw fahren weit weg vom Dorf.“ Zusätzlich sei die Aufweitung des Inns nicht unwesentlich für die Gemeinde, weil es eine Verbesserung der Hochwassersicherheit bringe. Auch Rieder ist froh, „dass die Belastung der Bevölkerung durch den Kraftwerksbau hintangehalten wird“.

Bereits im Jänner wurde mit den zwei großen Baugruben für das zusätzliche Krafthaus und das Entlastungsbauwerk begonnen. Insgesamt müssen dabei ca. 100.000 Kubikmeter Gesteinsmaterial ausgebaggert und abtransportiert werden. Ein Großteil des Materials kann dabei für die Betonherstellung wiederverwertet werden.

Bei den Arbeiten stieß man auch auf eine Mülldeponie. „Das haben wir aber gewusst, einen Teil davon – etwa 2000 Kubikmeter – mussten wir abtragen und entsorgen“, weiß Neuner. „Die Mülldeponie wurde allerdings seinerzeit fachgerecht saniert, es gibt einen Endbescheid der Bezirkshauptmannschaft“, reagiert Bürgermeister Rieder auf Hinweise aus der Bevölkerung. Auch zu Beginn des Kraftwerkserweiterungsbaus sei bereits bekannt gewesen, dass ein Teil der Deponie abgetragen werden müsse.

Aktuell wird der niedrige Wasserstand des Inns genutzt, um die Arbeiten für die neue Fischwanderhilfe und das Dotierkraftwerk voranzutreiben. Im April starten dafür die Betonarbeiten.