Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.02.2018


Zillertal

Wo Nightliner im Zillertal ihre Runden drehen

In den Gemeinden Gerlos sowie Tux-Finkenberg wurden vor allem für Touristen Nightliner eingeführt. Verzichten will niemand mehr auf sie.

© TVB Tux-FinkenbergDer Nightliner zwischen Finkenberg und Tux kostet die beiden Gemeinden und den TVB pro Winter rund 85.000 Euro.



Von Angela Dähling

Tux, Gerlos – 20.000 Euro lassen sich die Gemeinde Gerlos und der TVB Zillertal Arena den Nightliner kosten, der seit über zehn Jahren in der Wintersaison stündlich zwischen 19 und 2 Uhr durch Gerlos fährt – von der „Kühlen Rast“ bis zur Isskogelbahn. Für 2 Euro wird man in dem etwas schwer als Nightliner erkennbaren Neunsitzerbus eines Taxiunternehmens mitgenommen. „Das kommt der Sicherheit zugute. Uns ist lieber, dass nachts das Auto stehen gelassen wird“, sagt Bürgermeister Andreas Haas. TVB-Geschäftsführer Günther Hauser ergänzt: „Es ist ruhiger im Ort und es wird weniger randaliert auf dem nächtlichen Heimweg.“ Der Bus wurde einst für die Touristen ins Leben gerufen, er wird aber auch von Einheimischen und Tourismus-Mitarbeitern genutzt. Wegzudenken ist er aus Gerlos nicht mehr. Dafür zahlt die Gemeinde gern 8000 Euro und der TVB 12.000 Euro pro Winter.

Ähnlich die Situation in Tux und Finkenberg. Was 1998 als Tuxer Nachtbus begann, wurde 2008 auf Finkenberg ausgeweitet. „Der Bus fährt in der Wintersaison in Tux stündlich und dreht zweistündlich die Runde bis nach Finkenberg“, erklärt der Tuxer Bürgermeister Simon Grubauer. Auch hier beträgt der Fahrkostenpreis zwei Euro. Der TVB und die beiden Gemeinden zahlen insgesamt 85.000 Euro für diesen Service, den laut Grubauer rund 120 Fahrgäste täglich in Anspruch nehmen. „Unsere Gemeinde zahlt im Schnitt 14.000 Euro. Ohne den TVB, der zwei Drittel der Kosten trägt, könnten wir das nicht stemmen“, sagt Grubauer. Es sei aber eine Investition, die sich lohne. „Ich glaube, das stellt keiner in Frage. Nicht nur Gäste, auch Einheimische profitieren davon“, sagt er.

Anfangs, so erinnert er sich, gab es Konflikte mit Taxi­unternehmen wegen des Busses. „Heute ginge es ohne Bus gar nicht, weil es bei uns schwierig ist, ein Taxi zu bekommen“, sagt der Ortschef. Einer der Gründe für die Buseinführung sei gewesen, dass man beispielsweise Gästen, die im Weiler Madseit in einer Ferienwohnung nächtigen, die Möglichkeit geben wollte, nach Lanersbach zum Abendessen zu fahren. Daher nimmt der Nightliner auch bereits um 18.30 Uhr seine Fahrt auf.

Einem Nightliner für das ganze Zillertal steht der Gerloser Bürgermeister grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. „Prinzipiell sollte man sich nicht dagegen verschließen und es probieren“, meint er. BM Grubauer ist eher skeptisch: Die Gemeinden hätten schon genug zu zahlen. Und Günther Hauser rechnet vor: „Nur eine zusätzliche Busfahrt von Zell nach Gerlos würde den TVB pro Saison 24.000 Euro kosten.“ An den Tarifen werde es sich daher spießen.