Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 04.03.2018


Tirol

Autohändler-Sprecher Unterberger: Zeit für Verschrottungsprämie

Zwischen Dieselprivileg, Fahrverboten und Wertverlusten: Die Verunsicherungen sind groß. Ein Gespräch mit Dieter Unterberger, Sprecher der Tiroler Autohändler.

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Hierzulande werden Dieselverbote zwar noch ausgeschlossen, trotzdem sind viele Dieselfahrer stinksauer und verunsichert. Können Sie das verstehen?

Dieter Unterberger: Grundsätzlich muss man festhalten, dass mit dem Urteil des Leipziger Verwaltungsgerichtshofes nur die gesetzliche Möglichkeit von Fahrverboten geprüft und bejaht wurde. Gleichzeitig wurde aber auch festgehalten, dass es quasi als letzte Möglichkeit gesehen werden muss. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich gehe nicht davon aus, dass es in den nächsten Jahren zu einem Fahrverbot für EURO-5-Diesel kommen wird — EURO-6-Diesel sind ja ohnehin kein Thema. Ich bin der Meinung, dass es wenig Sinn macht, sich über etwas zu ärgern, was mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht eintreten wird. Was häufig vergessen wird: Es gibt ja auch schon heute in deutschen Innenstädten Zufahrtsbeschränkungen für gewisse alte Fahrzeuge, sprich jene mit roten oder gelben Plaketten.

Sie fordern eine Ökoprämie für ältere Autos, die politisch unterstützt werden soll. Wie hoch sollte diese sein?

Unterberger: Der Fahrzeughandel bietet der Politik mit dem Arbeitskreis der Automobilimporteure eine Verdoppelung einer staatlichen Verschrottungsprämie für EURO-3-Fahrzeuge oder niedriger an. Die Gesamthöhe sollte mindestens 1000 Euro betragen.

Die Ängste sind hoch, dass ursprünglich kalkulierte Leasing-Raten am Ende platzen. Berechtigte Ängste?

Unterberger: Ich denke nicht, dass mit allzu großer Auswirkung auf den Marktwert von Dieselfahrzeugen zu rechnen ist. Dies hat sich bereits bei der ersten großen Diskussionswelle zur Dieseldebatte bewahrheitet.

Müsste nicht endlich der Druck von der Politik in Richtung Autoindustrie steigen, damit mehr in Zukunftstechnologien gesetzt wird, um verlorenes Vertrauen wiederherzustellen?

Unterberger: Die aktuelle Diskussion ist sehr wertvoll, um weiter und schneller Entwicklungen zu erzwingen. Ich bin der absoluten Überzeugung, dass die Autoindustrie diese Botschaft verstanden hat und künftig mehr Ressourcen in die Entwicklung transferieren wird. Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, wie viel in der Emissionstechnologie bereits passiert ist. Die real gemessenen NOX-Werte in der Luft sind kontinuierlich rückläufig.

Wird der Dieselanteil künftig noch stärker sinken in Österreich?

Unterberger: Die Anzahl der zugelassenen Dieselfahrzeuge im Jahr 2017 ist gegenüber 2016 um 7,1 Prozent zurückgegangen. Dies ist ein spürbarer Rückgang, aber kein bedenklicher. Ich glaube, dass der Anteil an Neuzulassungen sich zwischen 40 und 50 Prozent einpendeln wird.

Das Interview führte Liane Pircher