Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.03.2018


Bezirk Reutte

Ein historisch hoher Salzverbrauch im Außerfern

Die Salzmengen, die im heurigen Winter im Außerfern auf den Straßen ausgebracht werden mussten, sprengen alles Dagewesene. Obwohl erst Anfang März, ist der Vorwinter schon um 30 Prozent überschritten.

© BBA ReutteBesondere Herausforderungen für den Winterdienst im Bezirk Reutte.



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Bei den beiden Außerferner Straßenmeistereien (SM) Lechtal und Reutte wird der Winter 2017/18 in die Annalen eingehen. Aber nicht, weil sich der Schnee meterhoch aufgetürmt hätte oder besondere Ereignisse zu beherrschen gewesen wären. Nein – ein ungewöhnlicher Mix aus Temperaturen um den Gefrierpunkt, Auftauen, Vereisen, Regen, Schneefall und „Dauerwinter“ bescherte dem Baubezirksamt Reutte den höchsten Salzverbrauch seit Beginn der Aufzeichnungen. 5500 Tonnen wurden von den Schneepflügen und Räumfahrzeugen bisher ausgebracht – ein Plus von 25 bis 30 Prozent gegenüber einem Durchschnittswinter mit rund 4500 Tonnen. Und der Winter ist noch nicht vorbei.

Hannes Simon, Straßenmeister bei der SM Reutte, die auch die B179 betreut, weiß, dass am Nationalfeiertag das erste Mal Salz zum Einsatz gekommen ist. Und dann schlug schon der winterliche November voll zu Buche. Die ungewöhnliche Witterung machte immer wieder den Salzeinsatz notwendig. „Erst ab minus zehn Grad wird alles so trocken, dass nicht mehr gesalzen werden muss“, erklärt Robert Barbist, Straßenmeister SM Lechtal, ein Phänomen, das heuer aber kaum zum Tragen kam. Insgesamt 30 Personen – von der Werkstatt bis zum Pflugfahrer – und rund ein Dutzend Fahrzeuge sind beim Baubezirks­amt Reutte im Winterdienst in Einsatz. Hinzu kommen sieben Außerferner Frächter mit schwerem Gerät und weiteren Mitarbeitern.

Der riesige Aufwand, der unter anderem entlang der B179 Fernpassstrecke mit bis zu 26.000 Verkehrsteilnehmern täglich in einer 24/7-Dauerschleife betrieben wird, kann auch in Zahlen gegossen werden. Baubezirksamtschef Wolfgang Haas kommt beim Winterdienst des Jahres 2017 für den Bezirk Reutte auf Gesamtkosten von 2,1 Millionen Euro. Das garantiert, dass jeden Tag alle Straßen, auch in Seitentälern, bereits geräumt sind, wenn der morgendliche Berufsverkehr einsetzt.

Robert Barbist relativiert den Begriff „besonderer“ Winter: „Extrem waren weniger die Schneeverhältnisse oder der Niederschlag als vielmehr der dauernde Wechsel der Witterungsbedingungen, die diesen hohen Salzeinsatz bedingten.“ Der Straßenmeister Lechtal verweist etwa darauf, dass ihm trotz Dauerwinters keine Lawinenabgänge bekannt seien, die Straßen betroffen hätten. An sich etwas durchaus Gewöhnliches im alpinen Raum, wie es das Lechtal mit seinen Seitentälern darstellt.

Insgesamt sind die Mitarbeiter des BBA Reutte für 600 Fahrstreifen-Kilometer im Bezirk Reutte verantwortlich. „Auch im Winter stehen die Straßen den Verkehrsteilnehmern zu 99,9 Prozent ohne Einschränkung zur Verfügung“, freut sich Stefan Hanny als Fachbereichsleiter Straßenbau mit der Kollegenschaft. Dieser Spitzenwert werde trotz unbeeinflussbarer Um stände wie Unfälle oder hängengebliebene Lkw erreicht.

Die Außerferner Winterdienstverantwortlichen Stefan Hanny (Fachbereichsleiter Straßenbau), Wolfgang Haas (Leiter Baubezirksamt Reutte), Robert Barbist (Straßenmeister Lechtal) und Hannes Simon (Straßenmeister Reutte, v. l.).
- Mittermayr Helmut