Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.03.2018


Exklusiv

Bei Rad-WM droht Verkehrsinfarkt in Tirol

Wer Ende September in Innsbruck zu tun hat, sollte aufs Auto verzichten. Und teils auch auf die Öffis, die nur bedingt Abhilfe schaffen können. Der Grund: die Rad-WM.

© gepaWie bei der Tour de France werden viele Fans auch zur Rad-WM mit Wohnmobilen anreisen und neben der Strecke parken.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Von Kufstein nach Innsbruck, dann sieben Runden vom Rennweg quer durch die Stadt über Aldrans nach Lans, zurück in die Landeshauptstadt und dort wieder durchs Zentrum zum Rennweg. Wenn am 30. September mit dem Straßenrennen der Herren der Höhepunkt der Rad-Weltmeisterschaft über die Bühne geht, werden in Innsbruck die meisten Räder stillstehen. Zumindest die, die an den Autos montiert sind.

Nein, das Wort Verkehrschaos nimmt Markus Widmann, Chef der Landesverkehrspolizei, nicht in den Mund: „Aber uns ist bewusst, dass es während der Rad-WM zu massiven Beeinträchtungen kommen wird.“ Allein beim eingangs erwähnten Straßenrennen der Männer wird es auf zahlreichen Straßenzügen in Innsbruck und im Mittelgebirge für mindestens sechs Stunden kein Durchkommen geben. Auch Busse werden nur bedingt zur Verfügung stehen. „Für Linien, die aus dem Westen kommen, wird voraussichtlich am Terminal Innrain Schluss sein“, nennt Widmann ein Beispiel.

Die gute Nachricht: Das Straßenrennen der Männer findet an einem Sonntag statt – Berufs- und Schulverkehr fallen flach. Die aus Sicht der Autofahrer schlechte Nachricht: Auch am Donnerstag, Freitag und Samstag finden Straßenrennen (Frauen, Juniorinnen, Junioren, U23) statt, deren Finale über den Rundkurs führen. Allerdings ist die Anzahl der zu radelnden Runden dann geringer. Dafür sind es am Donnerstag gleich zwei Rennen auf dieser Strecke.

Aber auch die Einzelzeitfahren, die am 24., 25. und 26. September vom Unterland nach Innsbruck führen, könnten für Anrainer und Autofahrer zur Geduldsprobe werden. „Weil die 100 bis 150 Fahrer pro Rennen einzeln in bestimmten Zeitabständen starten“, sagt Widmann. „Das heißt, wir müssen mit Streckensperren von drei bis vier Stunden rechnen.“ Erschwerend kommt hinzu, dass im Gegensatz zu „normalen“ Radrennen die Auflagen bei der Weltmeisterschaft strenger sind. „Sonst reicht es meistens, wenn wir den Verkehr zur Seite drängen. Bei der WM muss alles, was nicht zum Rennen gehört, von der Strecke.“

Die Einschränkungen durch das Sport-Großereignis werden nicht nur die Autofahrer spüren. „Hier sind viele Bereiche des täglichen Lebens betroffen“, denkt Widmann etwa an „Essen auf Rädern“, das auch während der WM ausgeliefert werden muss: „Ebenfalls ein Thema sind die Kinder, die an der Rennstrecke wohnen oder zu einer Schule bzw. einem Kindergarten in diesem Bereich müssen.“ Zumal der öffentliche Verkehr nicht nur in Innsbruck, sondern auch in den Bezirken betroffen ist – so mancher Postbus wird ausfallen oder abseits der üblichen Strecke fahren müssen.

Widmann beruhigt: „In allen betroffenen Bezirken wurden Arbeitsgruppen gebildet, die versuchen, Lösungen für die auftretenden Probleme zu finden. Dabei schaut man sich jede einzelne Gemeinde an. Wir sind ja früh genug dran.“ Und auch die Öffi-Betreiber denken längst darüber nach, wie sie die Busse in Gang halten können. „Aber klar ist“, wiederholt Widmann, „dass es zu Einschränkungen kommen wird. Darauf können sich Bevölkerung und Gemeinden jetzt schon einstellen.“

Einstellen müssen sich die Tiroler auch auf Zuschauer-Massen, die zu den Rennen pilgern und für zusätzliche Verkehrprobleme sorgen werden: Insgesamt ist mit einer halben Million Fans zu rechnen, zum Straßenrennen der Männer werden 250.000 Besucher erwartet. Und die kommen wie im Radsport üblich schon Tage vorher an und kampieren, wo möglich, neben der Strecke.

Tausend Polizisten werden bei der Rad-WM pro Tag im Einsatz stehen.




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