Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.08.2018


Verkehr

„Dort holen sie den Blütenstaub“

Tiroler Imkerverband lobt Asfinag für ihren bienenfreundlichen Umgang mit Pflanzen.

© iStockOft wird vergessen, dass die bedeutendste Rolle der Bienen in der Bestäubung liegt.



Von Anna-Lena Winsauer

Innsbruck – Seit drei Jahren verwendet die Autobahnbetreibergesellschaft Asfinag kein Glyphosat oder andere Chemikalien, um das Unkraut auf Autobahnen zu bekämpfen. „Durch die maschinelle oder manuelle Bearbeitung von Unkraut sind Bienen in ihrem Lebensraum nicht gestört“, erklärt Stefan Siegele, Asfinag-Geschäftsführer. Der Tiroler Imkerverband lobt diese Maßnahme.

„Es geht hier darum, weitere Flächen für Insekten nutzbar zu machen. Wenn an diesen Stellen Blumen blühen, die für Bienen interessant sind, dann können sie auch dort Blütenstaub holen“, freut sich Reinhard Hetzen­auer, Präsident des Tiroler Imkerverbandes.

Auf 225 Kilometern Autobahn- und Schnellstraßenstrecken sorgen in Tirol vier Autobahnmeistereien für eine schonendere Entfernung von Pflanzen. Diese sei laut Asfinag-Chef Siegele zwar zeitintensiver, komme aber den Insekten zugute.

Darüber hinaus sorgen neue Betonleitwände für mehr Sicherheit für Bienen. Sie wurden bei Sanierungen der Autobahn vermehrt eingesetzt, damit die Bienen die Autobahnen nicht mehr überfliegen.

Apropos Bienen. Imkerverbandspräsident Hetzenauer zufolge war 2018 bisher ein durchschnittliches Honigjahr: „Es ist immer stark vom Wetter und den Temperaturen abhängig, wie viel Honig zusammenkommt. Obwohl wir einen guten Start im Frühling hatten und viel Blütenhonig entstand, war der Waldhonig­ertrag in diesem Jahr äußerst gering“, sagt er. Dies hänge damit zusammen, dass der Wald besonders geblüht habe. Waldhonig entsteht nämlich nicht aus Blütennektar, sondern aus Honigtau, einer kohlenhydratartigen Masse, die Insekten wie Blattläuse ausscheiden. Wenn im Wald Wolken aus Blütenstaub aufsteigen, bekommen Insekten zu wenig Eiweiß von den Bäumen. Daher gebe es dann kaum Waldhonig.

Die letztjährige Rekordernte könne in diesem Jahr nicht erzielt werden, glaubt Hetzen­auer. Und denkt trotz Hitze bereits an die kalte Jahreszeit. Denn es gelte bereits jetzt, die Bienensitze winterfest zu machen. In Tirol kümmern sich derzeit rund 3000 Imker um etwa 36.000 Bienenvölker. Ein Bienenvolk besteht aus 10.000 bis 70.000 Bienen.




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