Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 31.08.2018


Innsbruck-Land

Begegnungszonen: Eine Begegnung der anderen Art

Die Begegnungszone: gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer, Tempo 20 für Fahrzeuge. Wie funktioniert das? Ein Blick in den Bezirk.

© DaumIn Neustift soll die Begebnungszone attraktiviert werden.



Zirl, Neustift, Wattens, Telfs – Eingebremste Autos, Verkehrsberuhigung, gleichberechtigte Nutzung für Fußgänger und Radfahrer – das Konzept der Begegnungszonen ist auch im Bezirk Innsbruck-Land in aller Munde. Die TT hat sich umgesehen, wie die bestehenden 20-km/h-Zonen funktionieren und wo weitere geplant sind.

Im Zirler Ortskern besteht bereits seit 2015 eine Begegnungszone. Doch Bevölkerung, Politik und Experten sind sich einig, dass diese trotz breiter Verkehrsfläche die angestrebte Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer derzeit alles andere als ideal löst – auch was die bauliche und optische Umsetzung angeht. Daher soll die Zone umgestaltet und in ein neues, professionell begleitetes Mobilitätskonzept eingebettet werden, das mit Bevölkerungsbeteiligung bis Sommer 2019 erarbeitet wird. „Ich erwarte mir hier Antworten – auch auf die Frage, ob die Begegnungszone jetzt überhaupt richtig positioniert ist“, sagt BM Thomas Öfner. Für ihn ist aber klar: „Wenn sie an geeigneter Stelle richtig ausgeprägt werden, funktionieren Begegnungszonen sehr wohl – das bestätigen alle Experten.“

Die Zone in Zirl funktioniert derzeit schlecht.
- Domanig

Die im Dorfkern bestehende Begegnungszone noch weiter ausbauen möchte derweil Peter Schönherr, Bürgermeister von Neustift. „Bei uns funktioniert das eigentlich ganz gut, die Autofahrer halten sich großteils an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Vor allem die Touristen nutzen die Verkehrsfläche als Bewegungsfläche“, erklärt Schönherr. Voraussetzung für das Funktionieren der Begegnungszone seien begleitende verkehrsreduzierende Maßnahmen gewesen, wie die Einrichtung einer Einbahnstraße. Der Bürgermeister möchte in einem nächsten Schritt den Dorfplatz, Herzstück der Begegnungszone, attraktivieren, damit sich die Fußgänger dort länger aufhalten.

Die Marktgemeinde Wattens will im Frühjahr 2019 mit der Umsetzung einer ersten Begegnungszone starten – und dem zentralen Kirchplatz durch eine umfassende Neugestaltung zugleich seinen Platzcharakter zurückgeben. „Für uns ist der gesellschaftliche Hintergrund ganz wichtig“, betont BM Thomas Oberbeirsteiner: „Durch Attraktivierung öffentlicher Flächen soll die Begegnung zwischen Menschen gefördert werden, als Gegenpol zur Digitalisierung.“ Bäume, Bänke und Brunnen sowie Veranstaltungen im öffentlichen Raum sollen dazu beitragen. Eine Besonderheit ist in Wattens auch, dass die direkt angrenzenden Abschnitte der Bundesstraße miteinbezogen werden – inklusive Natursteinbelag.

Auch in Telfs soll, als wichtiger Schritt im Rahmen des Gesamtverkehrskonzepts, eine Begegnungszone im Ober- und Untermarkt entstehen. Die Detailplanung soll bis Jahresende vorliegen, der erste Teilabschnitt 2019 umgesetzt werden – in enger Absprache mit allen Beteiligten, wie BM Christian Härting meint. „Eine Begegnungszone ist nicht dafür da, den Verkehr zu verlagern“, stellt er klar, „es geht darum, dass die Autos langsamer fahren und die Aufenthaltsqualität im Ortskern steigt.“ Mit der Pflasterung sei es dabei nicht getan, es brauche auch bauliche Maßnahmen, Grüninseln und mehr.

Gottfried Reremoser von der Verkehrsabteilung des Landes erklärt, dass das Einrichten einer Begegnungszone gut überlegt sein will. „Die Sinnhaftigkeit ist nicht in jedem Fall gegeben und sollte im Vorfeld von Gutachtern überprüft werden“, sagt Reremoser. Dann könne das auch gut funktionieren. Reremoser verweist darauf, dass Gemeinden auch die Möglichkeit haben, eine derartige Verordnung eine Zeit lang auszuprobieren. (md, dd)

Wattens will den Kirchplatz aufwerten.
- Domanig