Letztes Update am Do, 30.08.2018 12:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wien

15 Jahre Section Control: Halb so viele Unfälle bei mehr Verkehr

Im Wiener Tunnel Kaisermühlen gab es seit Inbetriebnahme kein Todesopfer. Asfinag-Geschäftsführer Fiala: „Kein Instrument der Abzocke.“

© TT / Thomas BoehmSymbolfoto.



Wien – Etwa 15 bis 20 Unfälle mit Personenschaden sind zuletzt jährlich im Tunnel Kaisermühlen auf der Donauuferautobahn (A22) in Wien passiert. Seit Inbetriebnahme der Section Control vor 15 Jahren ging die Zahl der Unglücke insgesamt um 50 Prozent zurück. Dieser Wert wird seit 2013 „trotz erheblich gestiegenen Verkehrsaufkommens gehalten“, zog Asfinag-Geschäftsführer Josef Fiala am Donnerstag Bilanz.

Die Section Control auf der A22 war Ende des Sommers 2003 die erste derartige Anlage zur Geschwindigkeitsmessung in Österreich. Wurden im ersten Jahr nach der Installation noch knapp 41.000 Anzeigen wegen Tempoüberschreitungen ausgestellt, so waren es im Jahr 2012 nur noch rund 23.000. Auch diese Zahl habe sich „seither eingependelt - trotz Steigerung des Verkehrs um über 20 Prozent“, betonte Fiala bei einer Pressekonferenz in Wien. Pro Tag durchfahren knapp 100.000 Fahrzeuge den 2,3 Kilometer langen Tunnel Kaisermühlen.

„Kein Instrument der Abzocke“

„Das heißt, es ist kein Instrument der Abzocke – was manchmal interpretiert wird, sondern die Section Control schafft es wirklich, dass die Lenkerinnen und Lenker sich auf die verordnete Geschwindigkeit einstellen“, sagte der Asfinag-Geschäftsführer. Das sei im Sinne der Verkehrssicherheit besonders wichtig. Seit Inbetriebnahme der Anlage auf der A22 gab es keinen tödlichen Verkehrsunfall im Tunnel Kaisermühlen.

Für Pkw gilt – wie auch sonst auf den Wiener Stadtautobahnen – ein Limit von 80 km/h. Vor Einführung der Section Control wurde der Tunnel im Schnitt mit 92 km/h durchfahren, nun mit 77 Kilometern pro Stunde, erläuterte Fiala. Lkw dürfen Tempo 60 nicht überschreiten.

Bei einer Section Control werden die Kennzeichen aller Fahrzeuge am Beginn und am Ende der jeweiligen Strecke von Kameras erfasst und mit einem Zeitstempel versehen. Aus der Länge des Abschnitts und der gemessenen Zeitdifferenz ergibt sich die gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit des Kfz. Es gebe in dem Sinn keine Toleranzgrenze, hob der Asfinag-Geschäftsführer hervor. Von der registrierten Geschwindigkeit werde nur eine minimale Messtoleranz abgezogen, um Messungenauigkeiten auszuschließen.

Aktuell sind auf Österreichs Autobahnen fünf stationäre Section-Control-Anlagen in Betrieb. Die weiteren befinden sich auf dem Wechsel-Abschnitt Krumbach-Grimmenstein der Südautobahn (A2), im Ehrentalerbergtunnel der A2, im Plabutschtunnel der Pyhrnautobahn (A9) und auf der Tunnelkette Bindermichl/Niedernhart der Mühlkreisautobahn (A7). Auf diesen Abschnitten wurde seit der Inbetriebnahme laut Asfinag ebenfalls ein Rückgang der Unfallzahlen von bis zu 50 Prozent verzeichnet.

Beim Bindermichl werden auch die Auf- und Abfahrten im Tunnel von Section-Control-Kameras erfasst. Im Tunnel Kaisermühlen ist das aufgrund einer zu kurzen Streckenlänge nicht möglich, erklärte Fiala. Dort helfe die Verkehrsdichte, dass auch jene Lenker, die nicht den ganzen Tunnel durchfahren, das Tempolimit einhalten. Es sei zu einer „Gesamtberuhigung des Verkehrs“ gekommen.

Zur Überprüfung der Geschwindigkeit in Baustellenbereichen verwendet die Asfinag neun mobile Section-Control-Anlagen. Nach einer Untersuchung des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) im Jahr 2016, ist die Unfallrate bei Baustellen mit Section Control nur knapp halb so hoch wie bei jenen ohne Überprüfung der Durchschnittsgeschwindigkeit. Auch die Verletztenrate in Baustellenbereichen wurde dadurch gesenkt. (APA)




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