Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.09.2018


Verkehr

Zebrastreifen soll zurückkehren

Wo Monate zuvor noch ein Schutzweg war, kam es zu tragischem Verkehrsunfall. Der verletzte Fußgänger hofft, dass die Behörde die Entfernung nun rückgängig macht. Auch in Fügen ist ein Zebrastreifen wieder da.

© MayerKnapp hinter dieser Kreuzung in der Swarovskistraße (l.) in Schwaz kam es zu dem tragischen Verkehrsunfall. In Fügen wurde ein entfernter Zebrastreifen nun wieder erneuert.Fotos: Fankhauser, Mayer



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz, Fügen – Jeden Tag quert Manfred Stubenvoll auf dem Weg zur Arbeit dieselbe Straße. Jeden Tag nutzte er dafür den Zebrastreifen. Bis dieser plötzlich nicht mehr da war. Der Gehweg entspreche nicht mehr der Straßenordnung. In der Nähe gibt es keinen anderen Schutzweg. Also querte Stubenvoll weiterhin an dieser Stelle die Straße. Bis zu jenem Tag, als ihn ein Auto erfasste und schwer verletzte.

Es war noch dunkel am frühen Morgen. Stubenvoll ging seinen gewohnten Weg zur Arbeit. Am Straßenrand blickte er nach links und rechts. Von links näherte sich ein Fahrzeug. Stubenvoll wartete. Der Pkw blieb stehen und ließ ihn die Straße queren. Noch ein Blick nach rechts. Nichts. Also ging er los. „Im Augenwinkel sah ich im letzten Moment noch das Licht. Doch ich konnte nicht mehr ausweichen“, schildert der 61-Jährige. Es kam zu einem tragischen Zusammenstoß. Stubenvoll wurde schwer verletzt, lag mehrere Wochen im Krankenhaus. Das Auto war aus einer Ausfahrt auf die Straße gefahren, die Scheibe war großteils vereist und der Lenker hatte ihn übersehen.

Sieben Monate später kämpft Stubenvoll noch immer mit den Unfallfolgen. Er ist auf dem Weg der Besserung. „Es hätte schlimmer ausgehen können. Mir geht es jetzt aber um den Zebrastreifen – um die Sicherheit der Menschen“, sagt Stubenvoll. Es soll anderen nicht wie ihm ergehen. „Die Sicherheit muss mehr zählen, als dass die Behörde sagt, da darf kein Schutzweg sein“, ärgert er sich.

Ende 2017 wurden von den 72 Schutzwegen in Schwaz rund 27 entfernt. Die Initiative ging von der Bezirkshauptmannschaft Schwaz aus. Laut BHStv. Wolfgang Löderle (Verkehrsabteilung) entsprachen diese Zebrastreifen nicht den allgemeinen Richtlinien für die Sicherheitsanforderungen eines Schutzweges. Die Gründe seien oftmals banal: fehlende Beleuchtung, eine zu geringe Anfahrtssicht, Aufstellflächen an beiden Seiten des Schutzwegs. Dann heißt es entweder aufrüsten oder entfernen.

Laut Löderle musste der besagte Zebrastreifen in der Swarovskistraße in Schwaz entfernt werden, weil keine ausreichende Beleuchtung vorhanden war. „Wir sind da aber dran. Es sollte noch heuer ein neuer Zebrastreifen dort hinkommen“, sagt Löderle. Das bestätigt auch BM Hans Lintner. Laut ihm soll es noch schneller gehen: „Das ist schon fixiert. Leider dauert der Genehmigungsprozess so lange. Ich hoffe, dass spätestens Ende des Monats der Schutzweg wieder da ist.“

Für Stubenvoll wäre das eine große Erleichterung: „Dort ist so viel Verkehr und es leben in der Umgebung viele Menschen, die täglich die Straße queren. Wie soll das sicher gehen ohne Zebrastreifen?“ Vor allem habe er das Gefühl, dass die 40-km/h-Beschränkung dort nicht eingehalten werde. „Das ist da teils wie auf einer Rennstrecke“, sagt Stubenvoll. Ein Höcker beim Schutzweg sei eine mögliche Lösung, die Raser einzubremsen.

Laut Löderle hat es in den vergangenen Jahren immer wieder Messungen entlang der Straße gegeben. Die letzte wurde 2016 durchgeführt. „Es ist oft nur ein subjektives Element“, sagt er. Immerhin liegen die Werte laut den Messungen im erlaubten Bereich.

Das Angstgefühl, das Stubenvoll seit seinem Unfall beim Queren einer Straße im Nacken sitzt, wird er wohl nicht mehr los. „Diesen Unfall werde ich immer im Hinterkopf haben. Ich bin jetzt umso vorsichtiger und bleibe sogar stehen, wenn ein herankommendes Auto noch sehr weit weg ist“, sagt Stubenvoll. Er hofft, dass ein Umdenken stattfindet und es wieder mehr anstatt weniger Schutzwege geben wird.

Aufatmen können schon jetzt zahlreiche Eltern in Fügen. Auch in der Zillertaler Gemeinde wurden Zebrastreifen entfernt. Einer sorgte für besonders viel Unmut. Er musste im Vorjahr weichen, da eine Beleuchtung und die Aufstellfläche auf einer Seite fehlten. Der Zebrastreifen mündete in eine Privatstraße. Die Eigentümerin Maria Mayer hat ein Stück ihres Grundes unentgeltlich abgetreten. „Mir geht es da um die Sicherheit der Kinder. Die Straße ist viel befahren, gerade morgens“, sagt Mayer. Und pünktlich zum Schulstart waren die weißen Streifen seit Beginn der Woche wieder da. Die Freude darüber ist im Ort groß.