Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.10.2018


TT-Ombudsmann

VVT und ÖBB: Tarifdschungel bei Öffis nur schwer verständlich

Unterschiedliche Preise, Senioren bezahlen in manchen Fällen mehr als andere: Der Tarifdschungel bei den öffentlichen Verkehrsbetrieben macht es möglich.

© BöhmUnterschiedliche Preise an Schalter, Automaten und online oder per APP: Wer eine Reise buchen will, sollte sich vorher genau erkundigen.



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Ein Pensionist sieht Senioren von den öffentlichen Verkehrsbetrieben „eklatant“ benachteiligt, bei seiner Suche nach Antworten für die beanstandete Schlechterstellung wendet er sich auch an das Ombudsteam der Tiroler Tageszeitung. Berechnungen für Strecken in ganz Österreich zeigen tatsächlich: Besitzer der Vorteilskarte Senior zahlen für die gleiche Route mehr als mit der Vorteilskarte „Classic“. Für die Fahrt von Innsbruck nach Kufstein etwa – regulärer Preis 14 Euro – sind das 9,80 statt 8,30 Euro. Für Salzburg – Straßwalchen 5,50 statt 3,40 Euro (regulär 4,70) oder Graz – Leoben 9,10 statt 7,10 Euro (regulär 14,90). Nur Oberösterreich scheint anders zu sein, wie er herausfand. Dort zahlen Besitzer von Senioren-Vorteilskarten weniger als mit der Classic-Card.

Für Christoph Gasser-Mair, ÖBB-Sprecher für Westösterreich, gibt es dafür eine für alle, die sich noch nie mit den Themen Tarifhoheit oder der so genannten „Verbundexklusivität“ beschäftigt haben, anfangs etwas schwer zu verstehende Erklärung. Es gibt nämlich zwei Tarife – in Tirol jenen des VVT (Verkehrsverbund Tirol) und jenen der ÖBB, die in dessen Auftrag Nahverkehr anbieten. „Auf seinem Gebiet hat der Verkehrsverbund Tirol aber immer die Tarifhoheit, das heißt, er gibt die Tarife vor“, so Gasser-Mair.

Bei Fahrten mit Standard-Einzeltickets und Zeitkarten für Reisende innerhalb eines Verkehrsverbundes gelangt also immer der jeweilige Verbundtarif zur Anwendung. Der Fahrpreis wird ausschließlich nach dessen Regeln berechnet, heißt es von Seiten der Österreichischen Bundesbahnen. Bei entsprechender Anerkennung der ÖBB-Vorteilscard oder ähnlichen Ermäßigungsnachweisen im jeweiligen Verkehrsverbund wird ausschließlich die entsprechende Verbundermäßigung gewährt. Sie kann von den ÖBB-Ermäßigungen abweichen und entweder geringer oder auch höher ausfallen. Wird die Vorteilscard der Bundesbahnen nicht anerkannt, erhalten Fahrgäste immer ein ÖBB-Standard-Einzelticket mit der jeweiligen ÖBB-Ermäßigung.

Gasser-Mair: „Nur wenn ein bestimmtes Ticket nicht angeboten wird, dürfen wir mit unseren Aktionen einspringen.“ Das können Gruppentickets, das Einfach-Raus-Ticket oder aber auch die Sparschiene sein. Für den aktuellen Fall bedeutet das: Der für die Strecke Innsbruck – Kufstein zuständige VVT akzeptiert die Vorteilscard Senior als Ermäßigungskarte. Daher bekommt der Kunde mit dieser Karte – egal, über welchen Vertriebskanal – immer das ermäßigte Verbund-Ticket. Alle anderen Varianten der ÖBB-Vorteilscard, wie etwa die Classic-Variante, werden nicht anerkannt. Gasser-Mair: „Möchte der Fahrgast innerhalb des Verbundraumes von unseren Angeboten profitieren, benötigt er eine andere Vorteilscard.“

Im VVT ist nur die Seniorenkarte der ÖBB gültig, alle anderen – Classic, Jugend, Vorteilscard 66 und Family – nicht. Michael Gruber, Leiter des VVT-KundInnencenters, verweist darauf, dass die Vorteilscard Senior ein Unternehmens- produkt der ÖBB sei, „darauf hat der VVT keinen Einfluss. Im VVT wird sie bis jetzt aber als Sichtausweis für die Ermäßigung bei Einzel- und Tages-Tickets verwendet, weil es keinen anderen einheitlichen Seniorenausweis gibt.“

Der mit einer Innsbruckerin verheiratete Salzburger Pensionist will sich mit den Antworten nicht einfach zufriedengeben: „Viele Pensionisten müssen jeden Cent umdrehen, sie sollten nicht mehr bezahlen müssen als andere.“ In anderen Ländern gebe es einheitliche Tarife.