Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.10.2018


Bezirk Schwaz

Für Katastrophenübung wird Brettfalltunnel gesperrt

Hubschrauber, Feuerwehr, Rettungswägen, Boote – heute rückt alles aus. Beim Großalarm im Bezirk üben die Einsatzkräfte den Ernstfall.

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Von Eva-Maria Fankhauser

Schlitters, Schwaz, Achensee – Der Pager piepst. Ein Notfall. Jetzt muss alles schnell gehen. Es geht um Leben und Tod. Es geht um alles. Doch der Pager piepst heute nicht nur bei ein paar Einsatzkräften, sondern bei rund 400 Frauen und Männern im Bezirk Schwaz. Sie werden nämlich zur Katastrophenübung gerufen.

Die Geheimhaltung war enorm. „Ich kann dazu gar nichts sagen. Ich weiß nämlich nichts. Es ist auch für mich eine totale Überraschung“, sagt Matthias Scheitnagl, Einsatzleiter der Wasserrettung Schwaz/Achensee. Auch die Feuerwehren von Schwaz bis Fügen, das Rote Kreuz, zwei Hubschrauber und die Bezirkshauptmannschaft sind in die Großübung eingebunden. Damit keiner der Einsatzkräfte vorab etwas zu den Szenarien erfährt, galt strengste Verschwiegenheit. „Es soll ja eine reale Übung sein. Nicht einmal die Bezirkseinsatzleitung weiß, was passieren wird“, sagt BH Michael Brandl.

Der Großteil der Übung wird sich heute im und um den Brettfalltunnel in Schlitters bzw. Strass im Zillertal abspielen. Dazu wird der Tunnel ab 6 Uhr gesperrt. „Die Sperre wird bis Mittag aufrecht bleiben. Wie lange genau, können wir vorab noch nicht sagen“, sagt Organisator Andreas Mader vom Roten Kreuz. Laut BH Brandl sei die Sperre kein großes „Dilemma“. Die Tunnelsperre für die Bevölkerung vorab anzukündigen, war laut ihm nicht möglich. Man wollte die Übung nicht gefährden. „Aufgrund der Saison können wir uns das schon trauen, die Übung so laufen zu lassen, ohne jemanden vorwarnen zu müssen“, meint Brandl.

60 bis 80 Sanitäter aus mehreren Bezirken werden dabei ihr Bestes geben. Laut Bezirksfeuerwehrkommandant Jakob Unterladstätter werden auch bis zu 250 Feuerwehrmänner ausrücken. Wie viele Wasserretter in den Achensee eintauchen, ist noch unklar. „Das sehen wir dann, wenn es so weit ist – wie eben bei einem richtigen Einsatz auch. Aber ich gehe von einer starken Mannschaft aus“, sagt Florian Stimpfl von der Wasserrettung. Er ist der Einzige seines Teams, der weiß, was heute ansteht. „Die Annahme ist ein Unwetter. Wir haben da einige Szenarien, z. B. mit vom Unwetter überraschten Wassersportlern“, verrät er.

An der Übung beteiligen sich aber nicht nur zahlreiche Einsatzkräfte, sondern auch „Verletzte“ bzw. Menschen, die sich per Make-up in Verletzte verwandeln. „Wir haben dazu einen Aufruf auf Facebook gestartet. Etwa 80 Freiwillige haben sich daraufhin bei uns gemeldet“, freut sich Mader. Teils sind es Vereinsmitglieder, teils Privatpersonen, die sich bereit erklären, bei der Übung mitzuspielen und das Szenario so noch lebensechter zu machen. Im Tunnel sollen sie beispielsweise aus mehreren Fahrzeugen geborgen und dann ins Freie gebracht werden.

Neben dem Brettfalltunnel und Achensee werden auch Szenarien am Berg hoch über Schwaz und am Kolbitsch-Areal in Schlitters nachgestellt. Die Übung wird etwa bis 13 Uhr dauern.