Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.10.2018


Bezirk Kitzbühel

Ampeln und Riesenkreisel gegen den Verkehrskollaps in St. Johann

In St. Johann präsentierte Verkehrsexperte Klaus Schlosser mögliche Lösungen gegen den täglichen Stau rund um die Marktgemeinde.

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© Michael Mader



Von Michael Mader

St. Johann i. T. – Nachdem der Verkehr in der Marktgemeinde immer mehr zunimmt, wird seit Jahren an einem Verkehrskonzept zur Lösung des Problems gefeilt. Eine der tragenden Säulen in diesem Konzept ist die Verlängerung der Unterflurtrasse auf der B178, um den innerörtlichen Verkehr zu reduzieren.

Der Verkehrsexperte Klaus Schlosser hat dazu eine Studie erstellt, die er kürzlich zusammen mit Christian Molzer, Leiter der Abteilung Verkehr und Straße beim Amt der Tiroler Landesregierung, und Baubezirksamtsleiter Erwin Obermaier den St. Johanner Gemeinderäten präsentierte. Grundlage für seine Studie sind Verkehrszählungen und Verkehrsstromanalysen. Ein Hauptproblem orten die Experten bei den 24.500 Kraftfahrzeugen pro Tag, die mit zwei Fahrstreifen kein Auslangen finden würden. „Wir haben festgestellt, dass eine Verlängerung der Unterflurtrasse auf 1,5 Kilometer mit vierspurigen Ein- und Ausfahrten nicht nur sehr schwierig umzusetzen ist, sondern die Belastung in der Unterflurtrasse sogar sinken würde“, erklärt Schlosser, weil viele nämlich nach St. Johann „hinein“-fahren wollen. Eine Variante mit einer kurzen Unterflurtrasse im Norden sei nicht umsetzbar und eine kurze im Süden würde keine große Entlastung bringen. Schlosser: „Aus verkehrsplanerischer Sicht schlage ich einen Ausbau des Bestandes im nördlichen Abschnitt mit einer ähnlichen Ampellösung wie im Süden vor.“ Laut Obermaier sei die Ampellösung sehr gut gelungen: „Es funktioniert viel besser, als viele gemeint haben.“ Dem pflichteten auch einige Gemeinderäte bei. Der fraktionslose Gemeindevorstand Heribert Mariacher ortet noch Nachholbedarf, etwa in den Bereichen Billa und Forstinger. Gemeinderat Peter Wallern (SOLI) meinte, dass St. Johann im Vergleich zu Wörgl, Kufstein und Innsbruck gar kein Verkehrsproblem habe.

Ebenfalls unter die Lupe genommen hat Schlosser die Egger-Kreuzung, bei der Molzer den Schwerverkehr als größtes Problem bezeichnet. „Wir haben hier 4000 Fahrzeuge pro Tag, alleine 2000 werden sozusagen von Egger verursacht.“ Eine mögliche Lösung wäre ein Kreisverkehr – und zwar nicht mehr direkt beim Egger-Werk, sondern weiter Richtung St. Johann, wo die B178 und die B161 zusammenkommen. Schlosser hat dazu unzählige Varianten ausgearbeitet: von ein- und zweispurigen Kreisen, mit und ohne Bypässe und einem Durchmesser von bis zu 80 Metern und einer Brücke Richtung Egger-Werk über Bahn und Ache.

Nachteil aller Varianten: Die neue Verbindung zum Egger-Werk würden dann auch viele nutzen, um nach Fieberbrunn zu kommen. Da brauche es laut Schlosser Maßnahmen, damit nicht mehr Verkehr ins Zentrum von St. Johann gelange.

„Das Land weiß ganz genau, dass St. Johann ein schwieriges Verkehrspflaster ist“, resümierte Bürgermeister Stefan Seiwald (ÖVP). Er schlug vor, bei der Nord-Lösung in die Tiefe zu gehen und sich die Auswirkungen der verschiedenen Varianten anzuschauen.