Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 12.11.2018


Tirol

Online-Handel und das Häuschen im Grünen lassen Verkehr in Tirol steigen

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© Thomas Boehm / TT



Innsbruck – Die Tabellen im Verkehrsbericht des Landes zeigen ein einheitliches Bild. Steil bergauf geht es mit den Kurven, was die Verkehrsbelastung in Tirol betrifft. Das Land muss mit dem Transitverkehr zurechtkommen und mit einem stark steigenden Individualverkehr. Dessen Zuwachs sei zwar geringer als jener beim Öffi-Ausbau, aber der Trend zum eigenen Pkw halte in Tirol weiter an, sagt der oberste Verkehrsplaner im Land, Ekkehard Allinger-Csollich. Der Verkehr wächst, das liege auch am Lebensstil, der sich geändert habe. „Früher ist man einmal auf Urlaub gefahren, heute mehrmals. Früher hat man im Laden gekauft, heute bestellt man online.“ Die Zersiedelung produziere ebenso mehr Verkehr.

Das sieht auch Josef Ölhafen, Verkehrsexperte der Wirtschaftskammer, so. „Die Leute sind aufs Land gezogen und müssen nun zur Arbeit, zur Schule, zur Pflege und nachts zum Ausgehen in die Städte fahren.“ Ölhafen rechnet allein in Innsbruck mit mehr als 100.000 Einpendlern pro Tag. Offizielle Zahlen gibt es im Verkehrsbericht dazu nicht.

Kritik hat Ölhafen auch für die Infrastruktur parat. „Autobahnen sind Hochleistungsstrecken. Nicht so die Inntalautobahn, die ist eine Umfahrungsstrecke für Gemeinden.“ Während in Italien oder Deutschland mit Ausfahrten sparsam umgegangen werde, „hat Innsbruck mehr Autobahnausfahrten als Rom“. Viele Zufahrten und Abfahrten würden den Verkehrsfluss hemmen. „Das sieht man jeden Tag in der Früh in Zirl“, sagt Ölhafen. Pendler vom Seefelder Plateau, von Kematen und vom Oberland würden die Infrastruktur an ihre Grenzen bringen. „Wenn man sich ansieht, wie beispielsweise das Mieminger Plateau besiedelt wurde, dann ist klar, dass das mehr Verkehr verursachen muss.“

Großes Potenzial sieht der Verkehrsclub Österreich für die ländlichen Regionen in Carsharing-Modellen. „Gemeinden können kommunales Carsharing anbieten, bei Wohnhausanlagen kann ein gemeinsam nutzbarer Fahrzeugpool von E-Autos oder Elektro-Fahrrädern den Haushalten zumindest ein Zweitauto ersparen“, sagt VCÖ-Experte Markus Gansterer.

Zu ohnehin überfüllten Straßen kommen für die Wirtschaftskammer weitere „Hindernisse“ wie Grenzkontrollen in Kiefersfelden oder die Blockabfertigung von Lkw dazu. Gegen Letztere wettern Bayern und Südtirol, die Tiroler WK hielt sich wohl aus politischen Gründen zurück. (aheu)