Letztes Update am Di, 13.11.2018 13:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Motorradsaison in Tirol war die tödlichste seit vielen Jahren

Die heurige Motorrad-Saison verlief blutig wie lange nicht. Insgesamt starben 15 Biker auf Tirols Straßen. So viele Todesopfer gab es zuletzt 2006. Auch die Zahl der Anzeigen wegen Verkehrsübertretungen gegen Motorradfahrer war heuer hoch.

Im Juli starb ein Motorradfahrer auf der Brennerstraße, als er in einer Kurve auf die Gegenfahrbahn geriet und gegen einen Bus prallte.

© www.zeitungsfoto.at/TeamIm Juli starb ein Motorradfahrer auf der Brennerstraße, als er in einer Kurve auf die Gegenfahrbahn geriet und gegen einen Bus prallte.



Innsbruck – Traurige Bilanz der Landesverkehrsabteilung: Im landesweiten Motorradverkehr sind in der heurigen Saison so viele Menschen gestorben wie lange nicht. Die langen Schönwetterperioden mit überdurchschnittlich vielen Zweiradfahrern haben auch ihre Opfer gefordert: 15 Motorradlenker verloren heuer ihr Leben auf Tirols Straßen, das sind um fünf Todesopfer mehr als im Vorjahr. Zuletzt sind im Jahr 2006 so viele Motorradlenker tödlich verunglückt wie heuer. Mopedfahrer kam heuer zum Glück keiner ums Leben.

Die Unfallursachen waren in den meisten Fällen altbekannt: nicht angepasste Geschwindigkeit, vorschriftswidriges Überholen, Selbstüberschätzung, nachlassende Konzentration und zum Teil erheblicher Leichtsinn – oft in Verbindung mit fehlender Streckenkenntnis, aber auch Fahrfehler durch andere Verkehrsteilnehmer.

Überwiegend Deutsche verunglückt

Besonders viele Motorradfahrer starben heuer im Bezirk Landeck, nämlich vier. Jeweils drei kamen im Bezirk Reutte und in Innsbruck-Land ums Leben, zwei starben im Bezirk Kitzbühel. Die restlichen Motorradfahrer verunglückten in Schwaz, Osttirol und Innsbruck-Stadt.

Nur einer der tödlich verunglückten Motorradfahrer stammte heuer aus dem Inland, elf der Opfer waren aus Deutschland, einer aus Ungarn, ein weiterer aus Italien.

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Ein Großteil der Biker, die auf Tirols Straßen ihr Leben verloren, war zwischen 50 und 70 Jahren alt. Der jüngste getötete Zweiradlenker war erst 21 Jahre alt.

20.000 Beanstandungen bei Kontrollen

Auch die Kontroll-Bilanz der Tiroler Polizei fällt heuer ernüchternd aus: Bei den routinemäßigen Verkehrskontrollen der vergangenen Monate und insgesamt 113 Sonderschwerpunkten waren rund 20.000 Motorrad- und Mopedlenker zu beanstanden, hauptsächlich wegen Geschwindigkeitsdelikten, aber auch wegen Missachtung von Überholverboten, Nichtbeachtung des Rechtsfahrgebotes oder technischer Veränderungen am Fahrzeug, die beispielsweise auch zur Überschreitung des zulässigen Lärmpegels führten.

Intensive Überwachungsmaßnahmen gab es vor allem auf allen wesentlichen Hauptmotorradrouten (Ötztal, Timmelsjoch, Hahntennjoch, Holzleitensattel, Tannheimertal- und Lechtal, Gerlos- und Zillertal, Achental, Thiersee, Brennerstrecke, Walchsee, Kaiserwinkel und Seefelder Straße). Der Mopedverkehr wurde hauptsächlich in den Ortsgebieten überprüft.

Ein Rettungshubschrauber im Einsatz nach einem Motorrad-Unfall zwischen Oetz und Tumpen.
Ein Rettungshubschrauber im Einsatz nach einem Motorrad-Unfall zwischen Oetz und Tumpen.
- zeitungsfoto.at

Zusätzlich wurden zwei Sondereinsätze in länderübergreifenden Aktionen mit Polizeikräften in Südtirol und Oberbayern-Süd sowie in den Bundesländern Salzburg, Kärnten und Vorarlberg durchgeführt, die die Zulaufstrecken nach Tirol überwachten.

Massive Übertretungen im ganzen Land

Wie gefährlich die Lenker mancherorts unterwegs waren, zeigt auch der Überblick der Polizei für die vergangene Saison. Auf der Brennerstraße im Gemeindegebiet von Schönberg etwa wurden zwei Motorradlenker ohne Führerschein gestoppt. Einer der beiden hatte noch dazu 2,1 Promille Alkohol intus. In Rettenschöss (Bezirk Kufstein) hielt die Polizei zwei Motorradfahrer auf, die in einer 60er-Zone mit Geschwindigkeiten von 101 und 108 km/h unterwegs waren.

Ein weiterer Biker lieferte sich nach einer Geschwindigkeitsüberschreitung ebenfalls im Bezirk Kufstein eine Verfolgungsfahrt mit der Polizei. Bei der Anhaltung wurde festgestellt, dass er keinen Führerschein besaß und das Motorrad nicht zum Verkehr zugelassen war.

Symbolfoto.
Symbolfoto.

Im Bezirk Reutte konnten teilweise erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitungen, oftmals auch in Ortsgebieten, festgestellt werden. So wurde ein Biker mit 140 km/h bei erlaubten 60 km/h gemessen. Ein weiterer Motorradlenker wurde bei Weißenbach mit 137 km/h bei erlaubten 80 km/h gemessen.

Auf der Brennerstraße bei Schönberg fiel der Polizei ein Fahrer auf, dessen Motorrad bei der Lärmmessung eine Überschreitung des erlaubten Dezibelwertes um 26 Dezibel aufwies. Im Bezirk Schwaz wurde ein Biker in einer 50er-Zone mit 109 km/h gemessen. Fast doppelt so schnell war auch ein Fahrer in Matrei in Osttirol unterwegs, als ihn die Polizei bei erlaubten 60 km/h mit einer Geschwindigkeit von 114 km/h stoppte. Ein weiterer Motorradlenker wurde auf der Felbertauernstraße bei erlaubten 100 km/h mit 173 km/h gemessen. Im Bezirk Kitzbühel wurden Lenker im Ortsgebiet mit Geschwindigkeiten von 123 km/h, 124 km/h und sogar 132 km/h gemessen.

Auch 2019 wird wieder kontrolliert

Auch beim Ötztal-Mopedmarathon lief nicht alles rund: Die Polizei schnappte bei Schwerpunktkontrollen sechs betrunkene Lenker, strafte elf weitere wegen Bauartmanipulation an ihren Maschinen und sieben wegen Lärmpegelübertretung ab. 27 Lenker wurden wegen technischer Mängel und anderer Beanstandungen angezeigt.

Für die Saison 2019 kündigte die Polizei übrigens schon neue Schwerpunktkontrollen an. „Der Motorrad-/Mopedboom ist nach wie vor ungebrochen und es ist davon auszugehen, dass sich die Intensität des Biker-Verkehrs auch in den nächsten Jahren ähnlich fortsetzen wird. Seitens der Polizei sind daher auch für 2019 wieder entsprechende Schwerpunkteinsätze geplant“, verweist der Leiter der Landesverkehrsabteilung, Markus Widmann, in einer Aussendung auf die Bemühungen der Polizei, für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen zu wollen. (TT.com)