Letztes Update am So, 16.12.2018 10:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Schülergedränge: Elternverband fordert mehr Busse in Stoßzeiten

Kinder unter sechs Jahren werden nicht in die Beförderungshöchstzahl eingerechnet: volle Busse vor Schulbeginn und nach Schulende.

Der Elternverband wünscht sich, dass jedes Kind einen Sitzplatz in den Linienbussen hat.

© iStockDer Elternverband wünscht sich, dass jedes Kind einen Sitzplatz in den Linienbussen hat.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Wien – Es ist ein alltägliches Bild, das sich in vielen Tiroler Linienbussen zeigt. Schüler drängen sich in den Bus und versuchen zumindest, dicht bei den Türen noch einen Stehplatz zu ergattern.

Dass auf dem Weg zur und von der Schule Kinder teilweise ohne Möglichkeit, sich anzuhalten, im Linienbus mitfahren dürfen, ist für Christoph Drexler unverständlich: „Für Busse, die eingesetzt werden, um Kinder zu Schulveranstaltungen zu bringen, gibt es strenge Richtlinien wie die Anschnallpflicht und den Sitzplatz für jedes Kind. Wenn es aber um Linienbusse geht, fehlen diese strengen rechtlichen Vorgaben und damit wird die Sicherheit vernachlässigt“, sagt der Obmann des Landeselternverbandes Tirol. Der Ausbau der Straßenbahn in Innsbruck habe zwar die Situation teilweise entschärft, aber „es gibt noch viele Busse, die vor Schulbeginn und nach Schulende zu voll sind, und das ist wirklich ein Problem“, so Drexler. Es sei klar, dass Verkehrsunternehmen nicht „alles vorhersehen können, aber es ist ja kein Geheimnis, wann die schulischen Stoßzeiten sind“, sagt Drexler. Zu diesen Stoßzeiten müssten größere beziehungsweise mehr Busse eingesetzt werden „und zwar so viele, dass jeder Schüler einen Sitzplatz hat“, lautet die Forderung des Obmannes des Elternverbandes Tirol. Dass Busse derart vollbesetzt sein dürfen, hat laut Christian Kräutler vom Kuratorium für Verkehrssicherheit mit der „Sonderzählregelung“ zu tun: Für jeden Bus gilt – in der Zulassung zu lesen – eine Beförderungshöchstzahl. „Die Regel besagt aber, dass drei Kinder unter 14 Jahren wie zwei Köpfe zählen, und Kinder unter sechs Jahren zählen überhaupt nicht.“

Dennoch sei der Bus das sicherste Verkehrsmittel, das Kinder auf dem Schulweg benutzen können. „Es gab 2017 österreichweit nur sechs verletzte Kinder, die ins Spital mussten. Das zeigt, dass das Risiko von Eltern und Kindern hier zu hoch bewertet wird“, so Kräutler. Die größte Gefahr gehe von einer Notbremsung aus. „Wenn Kinder sich nirgendwo festhalten, können sie nach vorne geschleudert werden.“

Auch ohne Schulticket Beförderungspflicht

Verärgert zeigte sich jüngst die Mutter eines Schülers, der mit dem Linienbus ins Unterland heimfahren wollte. Der 12-Jährige hatte keine Zeit für ein Mittagessen und daher beim Einsteigen eine Semmel und ein Getränk in der Hand. Der Busfahrer wollte den Jungen nicht mitnehmen, nur durch das Einschreiten eines anderen Fahrgastes durfte der Schüler einsteigen. „Essen und Trinken ist kein Grund für eine Beförderungsverweigerung“, sagt Simon Laimer vom Institut für Zivilrecht an der Universität Innsbruck. Maximal kann Schadenersatz verlangt werden, „wenn das Kind z. B. sorglos die Sitze verunreinigt, dass sie extra geputzt werden müssen“.

Ähnliches gilt für ein vergessenes Jahresschulticket. „Der Beförderungsvertrag wurde hier bereits geschlossen, das Geld für die Beförderung bezahlt“, erklärt Laimer. Der Busfahrer könne hier z. B. die Personalien verlangen und dass das Ticket bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Buszentrale vorgelegt wird. Dass Verkehrsunternehmen auf ihre Beförderungsrichtlinien verweisen – in denen ein Essens- oder sogar ein Trinkverbot festgehalten ist –, ist laut Laimer rechtlich problematisch. „Zunächst einmal müssten solche Geschäftsbedingungen bereits vor dem Ticketkauf für jeden Fahrgast sichtbar und verständlich angebracht sein, was vielfach nicht der Fall ist“, sagt Laimer. Die Hauptleistung – also die Beförderung – könne aber dann verweigert werden, „wenn die Beförderung unzumutbar ist, was z. B. der Fall ist, wenn man die anderen Fahrgäste bedroht“, sagt der Jurist. Laut Geschäftsführer des Verkehrsverbundes VVT, Alexander Jug, werden die Fahrten „von den einzelnen Verkehrsunternehmen abgewickelt“. Wird ein Schulticket vergessen, „lassen 99 Prozent der Verkehrsunternehmen Kulanz walten“.

Essen und Trinken sei laut den Allgemeinen Beförderungsbedingungen nicht prinzipiell verboten. Ist es das in einem Bus dennoch, „wird auch deutlich darauf hingewiesen“, sagt Jug.