Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.12.2018


Bezirk Landeck

Wegen Sperre der Landecker Straße: „Vignettenfreier“ Urlaub geplatzt

Die Landecker Straße L76 blieb wegen Hangrutschgefahr bei Urgen mehrere Tage gesperrt. Ein Zammer Tankstellenbetreiber verkaufte zwar zahlreiche Vignetten, musste aber den Frust der Autofahrer schlucken.

Die Landecker Straße L76 bei Fließ-Urgen blieb wegen Hangrutschgefahr über Weihnachten gesperrt, gestern gegen 11.30 Uhr konnte sie geöffnet werden.

© WenzelDie Landecker Straße L76 bei Fließ-Urgen blieb wegen Hangrutschgefahr über Weihnachten gesperrt, gestern gegen 11.30 Uhr konnte sie geöffnet werden.



Von Helmut Wenzel

Landeck, Zams, Fließ — Vom Fernpass kommend bei Imst in die Tiroler Straße B171 einbiegen, weiter nach Zams, den vignettenpflichtigen Landecker Tunnel meiden und dann auf der L76 in Richtung Skiregion, etwa Serfaus-Fiss-Ladis. „Viele Urlauber folgen dieser Routenplanung, um mautfrei durch das Oberland zu kommen", schilderte der Zammer Tankstellenbetreiber Mathias Venier am Donnerstag. Nur: Vom 24. Dezember bis gestern gegen 11.30 Uhr hat diese Routenplanung nicht funktioniert. Weil die L76 zuerst wegen eines Felssturzes bei Landeck und dann wegen Hangrutschgefahr bei Urgen (Fließ) gesperrt blieb.

Venier, zugleich FPÖ-Mandatar im Zammer Gemeinderat, platzte der Kragen, „weil es dieses Szenario mit der gesperrten L76 schon drei- oder viermal gegeben hat. Und die Verantwortlichen haben nichts daraus gelernt."

Die Information am Überkopfbalken der A12 (Kronburg-Parkplatz) wird offenbar übersehen.
Die Information am Überkopfbalken der A12 (Kronburg-Parkplatz) wird offenbar übersehen.
- Wenzel

Urlauber mit Quartier in Zams würden zuerst in die „Sackgasse Landeck" geschickt, wenn sie einen Skitag in Fiss verbringen wollen, kritisiert er. „Erst in Landeck gibt es eine Infotafel zur Straßensperre. Nicht aber in Zams. Das heißt, die Urlauber müssen umdrehen und die Umfahrung durch den Landecker Tunnel in Kauf nehmen."

Womit auch der „vignettenfreie" Urlaub geplatzt sei. Diesen Rückschluss zieht Venier aus empörten Reaktionen in seiner Tankstelle. Zwar habe er bis gestern überdurchschnittlich viele Vignetten verkauft, für die Region entstehe aber „touristischer Schaden". Urlauber würden sich derartige Schikanen nicht bieten lassen. Einige hätten gesagt, sie würden sich die Vignette vom TVB erstatten lassen. Auch die Botschaft, man verzichte nächstes Jahr auf Urlaub im Oberinntal, habe er sich anhören müssen.

„Der vom Land angekündigte Bau der 700 Meter langen L76-Galerie muss unverzüglich realisiert werden", fordert er als politischer Mandatar. „Wir haben es mit akuter Gefahr im Verzug zu tun."

Die Hinweistafel zur Straßensperre befand sich in Landeck, in Zams gab es keine derartige Tafel.
Die Hinweistafel zur Straßensperre befand sich in Landeck, in Zams gab es keine derartige Tafel.
- Wenzel

Im Gegensatz zur mehrtägigen L76-Sperre vom Februar 2018 sei die Vignettenpflicht für den Landecker Tunnel diesmal nicht aufgehoben worden. Das hat Asfinag-Sprecherin Alexandra Vucsina-Valla auf TT-Anfrage am Donnerstag bestätigt: „Das kann nur auf Antrag der Behörde gemacht werden. Grundlage ist das Mautgesetz." Der zuständige Abteilungsleiter an der BH Landeck und dessen Stellvertreter seien auf Urlaub, hieß es dort.

Zur Sperre der Landecker Straße bei Urgen erläuterte gestern Johannes Monz vom Baubezirksamt Imst: „Der Regen vor Weihnachten hat den Hang oberhalb der Straße völlig durchnässt." Daher habe man mit weiterer Abrutschgefahr rechnen müssen. „Die Sperre war aus Sicherheitsgründen nötig."

Befürchtungen, wonach der vielfach geforderte rasche Bau der Schlossgalerie negative Auswirkungen auf das große Projekt „Unterführung Reschenstraße" haben könnte, sind dem Prutzer Bürgermeister Heinz Kofler zu Ohren gekommen. „Mir ist die Dringlichkeit für den Schutzbau an der L76 klar. Aber deswegen darf es für Prutz keine Verzögerungen mehr geben. Ich gehe davon aus, dass die Unterführung ab 2020 gebaut und 2024 fertig gestellt wird", so Kofler. Man habe mehr als zehn Jahre „um dieses dringende Projekt" gekämpft.

Urlaubsbedingt war dazu gestern von der Abteilung Verkehr und Straße ebenfalls keine Stellungnahme zu bekommen.