Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 31.12.2018


Bezirk Kuftsein

Weiter Ärger über Tarife: „Vom Gehalt bleibt nicht viel übrig“

Das Tarif-Problem der ÖBB für den deutschen Korridor trifft auch Lehrlinge. Unternehmer und Eltern fordern Lösung von VVT und Politik.

Mit dem Railjet im Salzburger Bahnhof einzufahren, kann mit Schülerverbundkarten teuer werden.

© iStockMit dem Railjet im Salzburger Bahnhof einzufahren, kann mit Schülerverbundkarten teuer werden.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein, Innsbruck – Wie viele Menschen müssen von einem Problem betroffen sein, damit Entscheidungsträger etwas dagegen unternehmen? Das fragen sich derzeit viele Eltern, deren Sprösslinge für ihre Ausbildung regelmäßig mit dem Zug von Tirol aus über das „Deutsche Eck“ Richtung Salzburg reisen. Wie berichtet, reicht es hier nicht aus, die Jahreskarten der Verkehrsverbunde beider Bundesländer zu besitzen – einer 14-jährigen Alpbacherin wurde diese Information mitsamt einer Aufzahlungsrechnung gereicht. Die mehr als doppelt so lange tarifkonforme Alternativstrecke über Zell am See (drei Stunden pro Fahrt) kommt nicht in Frage. Der Familie bleibt also nichts anderes übrig, als das für den Korridor gültige Jahresticket der ÖBB sowie Bustickets beider Bundesländer zu kaufen – 1350 Euro legt sie somit für den Schulweg der Tochter im Jahr hin.

Immer mehr Betroffene melden sich, seit die TT über den Fall berichtete – viele von ihnen waren sich nicht einmal bewusst, dass ihre Schützlinge trotz Besitzes zweier Verbundtickets eigentlich „schwarzfahren“. Das Problem betrifft auch Hunderte Lehrlinge, die für Kurse in andere Bundesländer reisen, warnt der Innsbrucker Unternehmer Christian Kostrouch. „Für gewisse Berufe gibt es nun mal keine Ausbildung in Tirol“, erklärt der Geschäftsführer eines Innsbrucker Umwelttechnikbüros. Aber auch Fachkräfte wie Technische Zeichner, Geoinformations-, Seilbahn- oder Vermessungstechniker seien hierzulande stark gefragt. Umgekehrt schicken Unternehmer anderer Bundesländer ihre Auszubildenden auch nach Tirol.

Er selbst habe seine „Spezialisten von morgen“ für zehn Wochen nach Salzburg bzw. Oberösterreich geschickt. Diese mussten jedes Wochenende nach Hause fahren – im Internat durften sie nicht bleiben. „Wenn sie über 1000 Euro für den Zug ausgeben, bleibt ihnen von der Lehrlingsentschädigung nicht viel übrig“, prangert Kostrouch an. Auch die Ausbildungsbetriebe könnten nicht noch tiefer in die Tasche greifen. Dass der Verkehrsverbund Tirol mangels „Anzahl der potenziell Betroffenen“ bisher noch nichts unternommen hat, hält Kostrouch für eine Ausrede. „Die Wirtschaftskammer hat die Zahlen in der Lehrlingsstatistik.“ Für Schüler verfüge die Bildungsdirektion über entsprechende Infos, meint eine betroffene Mutter: „Es kann nicht sein, dass man hier keine Lösung findet.“