Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.01.2019


Bezirk Schwaz

Den Stauflüchtigen Weg durchs Ortsgebiet sperren

Nach Verkehrskollaps im Inn- und Achental durch Zillertal-Urlauber wird Ruf nach weiteren Straßensperren und Blockabfertigungen laut.

Blick vom Kreisverkehr bei der A12 in Wiesing Richtung Zillertal am vergangenen Samstag. Auch morgen ist wieder mit Staus zu rechnen.

© ZOOM.TIROLBlick vom Kreisverkehr bei der A12 in Wiesing Richtung Zillertal am vergangenen Samstag. Auch morgen ist wieder mit Staus zu rechnen.



Von Angela Dähling

Wiesing, Jenbach, Eben – Der vergangene Samstag ist den Bewohnern von Wiesing, Maurach und Jenbach noch in albtraumhafter Erinnerung: von morgens bis abends Stau Richtung Zillertal, nirgends ein Weiterkommen. Teilweise brauchten Autofahrer sechs Stunden, um von Maurach am Achensee nach Wiesing zu gelangen.

Auch in den sozialen Netzwerken ging es rund: Wütende Kritik über den Luft-100er, während die Politik beim Touristen-Stau offenbar tatenlos zuschaut, wurde laut und die Einführung der Vignette auf Bundesstraßen bzw. Blockabfertigungen an der Staatsgrenze im Achental gefordert. Und während vor dem Brettfalltunnel nichts weiterging, hatte man ab Fügen ins Zillertal freie Fahrt, und auch in den umliegenden Gemeinden im vorderen Zillertal entstand dank Straßensperren und Securitys zumindest für Anrainer kein Verkehrsproblem.

Der in der Bezirkshauptmannschaft für den Verkehr zuständige BHStv. Wolfgang Löderle spricht von einem „Super-GAU“ am Samstag, mit dem man in diesem Ausmaß nicht gerechnet habe. Auf ein verstärktes Verkehrsaufkommen sei man zwar wegen der anreisenden Silvester-Urlauber eingestellt gewesen. „Aber aufgrund des guten Skiwetters kamen zum massiven Urlauberwechsel unzählige bayrische Tagestouristen hinzu“, bilanziert er. Dadurch sei der Verkehr dann komplett zum Erliegen gekommen. Sogar auf Schleichwegen wie dem Kerschbaumer Sattel zwischen Hart und Reith i. A. kam es zwischenzeitlich zu Staus. Und es stünden noch zwei, drei Samstage in diesem Winter bevor (Fasching, Krokusferien in NL), an denen es bei schönem Wetter wieder von 7 bis 20 Uhr zum Stillstand kommen könnte. „Wir müssen schauen, wie wir das verbessern können“, sagt Löderle, der sich mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden zusammensetzen will. Dabei denkt Löderle auch an zeitweise Sperrungen der Kasbachstraße für den Durchzugsverkehr, um die Erreichbarkeit der Orte für Blaulicht-Einsätze zu gewährleisten. Jenbachs Bürgermeister Dietmar Wallner käme das sehr entgegen. Denn die Kasbachstraße (L7) ist eine Landesstraße. Und die darf er daher seitens der Gemeinde nicht sperren. Da brauche es eine politische Entscheidung auf anderer Ebene. „Der Kasbach ist bei Stau auf der Achenseestraße für die ­Achenseer die einzige Möglichkeit, nach Schwaz zu kommen“, betont er und sieht Securitys als Kontrollposten und als Möglichkeit, den regionalen Verkehr aufrechtzuerhalten.

„Dafür gibt es auch in Wiesing nur eine Möglichkeit: absperren von morgens bis abends“, bilanziert BM ­Alois Aschberger. Bereits um 7 Uhr habe man mit der ersten Straßensperre beim Café Rofan begonnen. „Wenn weitere Seitenstraßen als Ausweichrouten genutzt werden, muss man auch die nach und nach sperren. Den Bescheid dafür haben wir seit letztem Jahr“, sagt er. Die 20 Leute, die seitens der BH am 29. Dezember für Straßensperren vor allem im Zillertal im Einsatz waren, reichen dann nicht mehr aus. Der Obmann des Transitforums Fritz Gurgiser hat übrigens beim Land einen Vorschlag zur Entschärfung des Stauproblems deponiert: ein „vollautomatisiertes Dosiersystem“, das wirksam an allen relevanten Grenzeintritten durchgeführt wird, sobald sich größere Staus bilden. Vorbild ist die Lkw-Blockabfertigung. Zudem schlägt er vor, Fahrzeugen, die nicht wintertauglich sind, die Einreise zu verweigern. Gurgiser sieht keine rechtlichen Bedenken.

Auch über die Kasbachstraße versuchten Urlauber, ins Zillertal zu kommen. Die Landesstraße kann nicht durch die Gemeinde gesperrt werden.
Auch über die Kasbachstraße versuchten Urlauber, ins Zillertal zu kommen. Die Landesstraße kann nicht durch die Gemeinde gesperrt werden.
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