Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 07.01.2019


Exklusiv

Gemeinsam zur Verkehrslösung: Neuer Autobahnanschluss für Hall?

Nach Öffis und Rad rückt im Raum Hall heuer auch wieder die Kernfrage eines neuen Autobahnanschlusses in den Fokus. Die Bevölkerung soll diesmal zur aktiven Mitarbeit eingeladen werden – Termin ist der 9. April.

Lange Autokolonnen Richtung Autobahnauffahrt Hall-Mitte – wie auch in der Gegenrichtung sowie entlang der Nord-Süd-Achse – sind in Hall ein alltägliches Bild.

© DomanigLange Autokolonnen Richtung Autobahnauffahrt Hall-Mitte – wie auch in der Gegenrichtung sowie entlang der Nord-Süd-Achse – sind in Hall ein alltägliches Bild.



Von Michael Domanig

Hall, Mils – Fast dreieinhalb Jahre liegt das Nein der Milser Bevölkerung zur „Spange Hall-Ost“ – und damit das faktische Aus für das Mega-Verkehrsprojekt in der bis dahin geplanten Form – bereits zurück. Politisch und medial war es um das Thema seither eher ruhig, nicht aber auf den überlasteten Straßen: Denn das Grundproblem, der massive Durchzugsverkehr durch Hall von der bzw. zur Autobahn (Hall-Mitte), harrt weiter einer Lösung. Staus in beide Richtungen sind Alltag. 2019 wollen das Land Tirol und der Planungsverband Hall und Umgebung das brisante Thema nun wieder in den Mittelpunkt rücken – unter Einbindung der Bevölkerung.

Wobei auch in den letzten Jahren schon einiges passiert sei, wie die Haller Bürgermeisterin Eva Posch (VP) betont. Sie erinnert an die Chronologie: Nach den Gemeinderats- wahlen 2016 habe sie klar- gestellt, „dass ich eine Lösung des Verkehrsproblems will und das Milser Nein nicht bewirken kann, dass im Planungsverbandsgebiet nicht mehr darüber nachgedacht wird“. Also hätten Land und Planungsverband beschlossen, das Thema „mit externen Experten neu aufzurollen, diesmal mit einer breiteren Einbindung der Bevölkerung“.

Man habe festgelegt, die Schwerpunkte „Ausbau des öffentlichen Verkehrs“, „Aufwertung des Radverkehrs“ sowie „motorisierter Individualverkehr“ in dieser Reihenfolge anzugehen – „und auf genau dieser Schiene sind wir auch“, sagt Posch. Bei den Öffis habe man die Verkehrsexperten zunächst mit Zählungen in Hall und der Region beauftragt, „jetzt haben wir genaue Daten, welche Linien wie stark frequentiert sind“. Heuer soll es nun Fahrplanänderungen geben, bei denen Anregungen aus der Bevölkerung berücksichtigt werden sollen – von Öffi-Nutzern kam hier, auch bei öffentlichen Veranstaltungen, immer wieder Kritik. Ziel sei etwa eine bessere Abstimmung zwischen Buslinien und S-Bahn-Zügen am Haller Bahnhof, so Posch. Die Fahrplanänderungen sollen bereits im Frühjahr kommen, „laut Verkehrsverbund Tirol sind solche Anpassungen auch unter dem Jahr möglich“.

In Sachen Radverkehr hat sich der Planungsverband, wie berichtet, auf ein regionales Konzept mit Verbindungsstrecken zwischen den Gemeinden geeinigt, die innerorts fortzuführen sind. Herzstück ist in Hall und Absam dabei eine „Fahrradstraße“ in Ost-West-Richtung, mit Mischverkehr und durchgehendem Tempo 30. Die entsprechenden Planungen laufen und sollen 2019 umgesetzt werden. Übrigens: Am 5. Februar gibt es im Kurhaus Hall eine große Informationsveranstaltung zum Radwegkonzept.

Die Entlastung vom Individualverkehr bleibt in und um Hall freilich die heikle Kernfrage – konkret jene nach einer neuen Autobahnauffahrt und wo diese situiert werden könnte. Die entsprechenden Untersuchungen der Fachleute (Büros Rosinak & Partner aus Wien sowie Planoptimo aus Reith bei Seefeld) laufen. „In einem von den Experten vorgeschlagenen Format sollen die verschiedenen Varianten zur Verbesserung der Verkehrsflüsse dann möglichst breit mit der Bevölkerung diskutiert werden“, berichtet Posch. Auch hier steht der Termin schon fest – am 9. April im Kurhaus Hall. Ihr sei dabei wichtig, dass es bei dieser Veranstaltung „tatsächlich ein Mitwirken und Miterarbeiten durch die Bevölkerung gibt“.

„Favoriten“ gebe es bei den Varianten nicht, meint Posch. Klar sei, dass es „irgendwo östlich von Hall eine Entlastung geben muss“. Und dazu brauche es laut den Experten eben eine zusätzliche Anbindung zur Autobahn „von Norden nach Süden über den Inn“. Wie das konkret ausschauen könnte, „müssen die Experten mit den Wünschen der Bevölkerung abstimmen“.

Ziel der Infoveranstaltung am 9. April sei es, „Bürger und Fachleute an einen Tisch zu bringen“, sagt der Milser Bürgermeister Peter Hanser (Gemeinsam für Mils). Das Format solle daher „kein Frontalvortrag“ sein, sondern eher Workshopcharakter haben. Man wolle „keine fertige Lösung präsentieren“, sondern mögliche Varianten mit Vor- und Nachteilen, Kriterien und Hintergründen (Stichwort: Verhandlungen mit der Asfinag) diskutieren. Das sei der Unterschied zur „Spange“, wo zuvor zwei bis drei Jahre „im stillen Kämmerchen gearbeitet“ worden sei.

Ziel der Planungsbüros sei es, „bis Ende 2019 zu einer konsensfähigen Lösung zu kommen“, sagt Hanser, der vorsichtig optimistisch ist: „Wenn wir in der Region Verständnis dafür schaffen können, dass es eine Lösung braucht, werden einzelne Gemeinden und Gruppen bestimmt auch eher kompromissbereit sein.“

Auch Christian Molzer, Vorstand der Abteilung Verkehr und Straße beim Land Tirol, stellt klar, dass im April „sicher keine fertige Lösung“ vorgestellt wird. „Wir gehen zurück auf null“ – wobei man die alten, vom Land erarbeiteten Varianten natürlich als Diskussionsgrundlage mitbringen werde. Ziel sei es, ein „Stimmungsbild der Bevölkerung bezüglich möglicher straßenbaulicher Lösungen“ zu bekommen.

Dazu, wie eine solche Lösung ausschauen könnte – wobei es hier auch wesentlich um die Frage Autobahn-Halbanschluss (wie bei der „Spange Ost“ geplant) oder -Vollanschluss gehen wird –, möchte Molzer „bewusst keine Einschätzung abgeben“. Genau das solle ja am 9. April diskutiert werden.