Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.01.2019


Innsbruck-Land

Zirl bittet um Mitarbeit beim Verkehrskonzept

Das Bürgerinteresse an Veranstaltungen zum neuen Mobilitätskonzept war bisher überschaubar. BM Öfner appelliert an die Bevölkerung, sich aktiv einzubringen.

Eine Adaptierung der Begegnungszone spielt im Zirler Mobilitätskonzept eine zentrale Rolle: v. l. GR Fred Stecher, Krista Sommer, BM Thomas Öfner, Ursula Faix, GR Georg Kapferer und Stephan Tischler.

© DomanigEine Adaptierung der Begegnungszone spielt im Zirler Mobilitätskonzept eine zentrale Rolle: v. l. GR Fred Stecher, Krista Sommer, BM Thomas Öfner, Ursula Faix, GR Georg Kapferer und Stephan Tischler.



Zirl – Seit dem Vorjahr arbeitet die Marktgemeinde Zirl mit Expertenbegleitung an einem Mobilitätskonzept – und zwar mit Beteiligung der Bevölkerung. Doch obgleich es wohl kaum ein Thema gibt, das den Zirlern mehr unter den Nägeln brennt als der Verkehr, seien die bisherigen Veranstaltungen teils sehr schlecht besucht gewesen, sagt BM Thomas Öfner. Er bittet die Bevölkerung daher nochmals eindringlich um aktive Mitarbeit. Schließlich gehe es um die Mobilitätsbedürfnisse der Bürger – wobei Öffis, Rad und E-Mobilität „Vorrang“ haben sollen. „Bewusstseinsbildung ist der wichtigste Schlüssel für Ziele wie die Förderung klimaverträglichen Verkehrs“, betont auch Verkehrsplaner Stephan Tischler.

Ein wichtiger Baustein des Mobilitätskonzeptes sei die Adaptierung der seit 2015 bestehenden Begegnungszone im Ortszentrum, erklärt Projektleiterin Ursula Faix, Architektin und Expertin für Begegnungszonen. In Zirl besteht in Politik und Bevölkerung Konsens, dass die Zone in ihrer jetzigen Form schlecht funktioniert. In solchen Fällen sei es umso schwieriger, die Leute von den Vorteilen gut gestalteter Begegnungszonen zu überzeugen: „Weniger Unfälle durch Temporeduktion, mehr Fußgängerfrequenz und dadurch mehr Frequenz in den Geschäften, Stärkung der Aufenthaltsqualität und des sozialen Zusammenhalts.“ Für den Erfolg von Begegnungszonen brauche es aber „eine wirkliche Umgestaltung des Straßenraums“, stellt Faix klar – und eben Bewusstseinsbildung: „Auch in St. Johann in Tirol war die Kaufmannschaft anfangs z. B. sehr ablehnend“, das habe sich völlig gedreht. In Zirl sei laut „Begegnungszonencheck“ auf jeden Fall zu empfehlen, auch die ganze Kirchstraße, „Rückgrat des sozialen Lebens im Dorf“, als Begegnungszone zu gestalten.

Krista Sommer und Anders Linder, die das Mobilitätskonzept kommunikativ begleiten, haben schon Gespräche mit Wirtschaftstreibenden im Ortskern gesucht, um sie für das Thema zu sensibilisieren. Im April ist ein „Workshop Kirchstraße“ geplant – für Anrainer, Geschäftsleute und alle Interessierten. Zur Erhebung des Mobilitätsverhaltens in Zirl wurden u. a. Fragebögen an spezielle Zielgruppen wie Pensionisten verteilt. „Dialogkarten“, auf denen Bürger ihre Ideen zum Mobilitätskonzept formulieren können, liegen in vielen Geschäften auf. Auch über die Website zirlmobil.info oder info@zirlmobil.info kann man sich laufend informieren und einbringen.

Bis September sollen die Ergebnisse vorliegen – mit Empfehlungen der Experten für kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen. Zeithorizont und Finanzierung sind dann Sache der Politik. (md)