Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.01.2019


Verkehr

Neues Mobilitätsprojekt: Wattens und Schwaz fahren bald „ummadum“

Am 28. Jänner startet die Pilotphase für ein völlig neues Mobilitätsprojekt: Die Plattform „ummadum“ belohnt jene, die andere zur Arbeit mitnehmen.

Pro gefahrenem Kilometer wandern zehn "Mobilitätspunkte" vom Konto des Passagiers auf jenes des Fahrers. Diese können dann bei lokalen Betrieben gegen Waren und Dienstleistungen eingetauscht werden.

© iStockphotoPro gefahrenem Kilometer wandern zehn "Mobilitätspunkte" vom Konto des Passagiers auf jenes des Fahrers. Diese können dann bei lokalen Betrieben gegen Waren und Dienstleistungen eingetauscht werden.



Von Michael Domanig

Wattens, Schwaz – „Der Befund von René Schader ist schonungslos: „Die Straßen in Tirol sind voll, die Autos fast leer.“ Konkret liege der Besetzungsgrad der Pkw bei nur ca. 1,2 Personen, sagt der Mobilitätsexperte, „dabei finden viele Fahrten von und zur Arbeit zu denselben Zeiten und auf denselben Strecken statt“. Seit Jahren beschäftigt sich Schader daher mit der Frage, wie sich der Verkehr effizienter gestalten lässt, „mit den Ressourcen, die eh schon da sind“. Ende Jänner nimmt seine Idee einer „innovativen digitalen Mobilitätsplattform“ nun Fahrt auf – gemeinsam mit Partnern wie Swarovski, dem Bezirkskrankenhaus (BKH) Schwaz, der Destination Wattens sowie den Gemeinden Wattens und Schwaz.

„Ummadum“ heißen die neue App und das gleichnamige Start-up-Unternehmen, dem Schader mit Thomas Angerer vorsteht. „Ziel ist es, Menschen dazu zu motivieren, gemeinsam zu fahren, vor allem während der Stoßzeiten“, erklärt er. Das – vom Land unterstützte – „Leuchtturmprojekt“ sei aber mehr als eine normale Mitfahrbörse: Denn „ummadum“ ist mit einem Anreizsystem verbunden und in die regionale Wirtschaft eingebettet.

Für geteilte Fahrten wird der Fahrer nämlich mit so genannten „ummadum“-Punkten (UP) belohnt, die dann – mittels QR-Code – im lokalen Handel gegen Waren oder Dienstleistungen eingetauscht werden können. Ein Kilometer entspricht 10 UP, diese sind zehn Cent wert.

Für die „Initialzündung“ des Projekts sollen die Betriebe und Gemeinden sorgen: Sie haben ein Kontingent an Punkten angekauft und werden diese ab 28. Jänner an interessierte Mitarbeiter bzw. Bürger ausgeben (die Gemeinde Wattens macht das über das neue Museum und die Werkstätte Wattens, Schwaz über den „Schatzkammer“-Shop). Die Arbeitgeber richten sich dabei logischerweise an „ihre“ Einpendler, die Gemeinden vor allem an Auspendler. Durch die enge Verflechtung im (Pendler-)Verkehr bieten sich Wattens und Schwaz als Testregion besonders an.

Und so funktioniert es: Die Mitarbeiter bzw. Bürger laden die „ummadum“-App auf ihr Handy und erstellen dort ein Profil. Wenn sie einen gleichgesinnten App-Nutzer auf der Fahrt in die Arbeit mitnehmen, wandern pro Kilometer zehn Punkte vom Passagier- aufs Fahrerkonto.

In beiden Gemeinden ist bereits eine Reihe von Einlösepartnern mit an Bord: In Wattens reicht die Palette vom Supermarkt über Metzger und Friseur bis hin zur WSG Wattens, in Schwaz vom Bauernladen bis zum Bäckerei-Café. Die dort eingelösten Punkte werden von „ummadum“ zurückgekauft, womit sich der Kreis wieder schließt.

Dass der Kreislauf funktioniert, soll ab 28. Jänner eine neunmonatige Pilotphase zeigen. Danach soll die neue Mobilitätsplattform Schritt für Schritt in ganz Österreich etabliert werden, sagt Schader.

Die Reaktionen aus Politik und Wirtschaft sind höchst positiv: BM Thomas Oberbeirsteiner spricht von einem „extrem spannenden Projekt“, das man gemeinsam in Schwung bringen wolle. „Wichtig ist für den Start einer solchen Plattform nämlich eine kritische Masse.“ Er wolle auch die rund 380 Gemeindemitarbeiter für die Plattform begeistern.

In Wattens sei „ummadum“ ins Gesamtkonzept „Mobilität Wattens“ eingebettet, ergänzt GF Matthias Neef von der Des­tination Wattens Regionalentwicklung GmbH. Dieses umfasse auch Car-, Bike- und künftig womöglich Elektroscooter-Sharing, ebenso den bereits voll angelaufenen Aufbau von E-Ladestationen im ganzen Gemeindegebiet. Ziel sei es, aus „Standzeugen“ Fahrzeuge zu machen – „und zumindest Zweitautos sollten künftig verzichtbar werden“.

Vize-BM Martin Wex aus Schwaz lobt „eine Problemlösung, die Hand in Hand mit Handel und Umwelt geht“. Auch GF Margit Holzhammer vom BKH Schwaz sieht in Fahrgemeinschaften viel Potenzial: Immerhin pendeln rund 680 Mitarbeiter sowie 250 Schüler und Studierende regelmäßig ins Schwazer Krankenhaus. Bei Swarovski in Wattens freut man sich, „den Mitarbeitern zusätzlich zum Werksverkehr weitere Alternativen in Sachen Mobilität“ bieten zu können.

Für Fahrer sei übrigens keine Zusatzversicherung nötig, sagt Schader. Mitfahrten seien über die Kfz-Haftpflichtversicherung des Fahrzeughalters abgedeckt. Und: Auch Öffi-Verbindungen werden über die neue App angezeigt.




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