Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.01.2019


Winter in Tirol

Räumung der Bahngleise: 60 Tonnen gegen die Schneemassen

Hunderte Stunden haben Bahn-Mitarbeiter dieser Tage in die Räumung der Gleise investiert. Ihr wichtigstes Werkzeug: der Klima-Schneepflug. Nach langer Sperre öffnet heute die Karwendelbahnstrecke wieder.

Sechs Klima-Schneepflüge sind bei den ÖBB in Tirol und Vorarlberg im Einsatz.

© Foto TT / Rudy De MoorSechs Klima-Schneepflüge sind bei den ÖBB in Tirol und Vorarlberg im Einsatz.



Seefeld – Hastig bückt sich die Spaziergängerin, als sie das 60-Tonnen-Monstrum auf sich zurauschen sieht, und nimmt ihren Hund auf den Arm. Gerade noch rechtzeitig dreht sie den Gleisen den Rücken zu, ehe sie von einem Schwall Schnee bedeckt wird. Hier, auf dem Seefelder Plateau, zieht ein Klima-Schneepflug dieser Tage seine Runden. Auch dank seiner Hilfe kann die Karwendelbahnstrecke seit heute Morgen wieder mit Zügen befahren werden. Langsam fährt der Schneepflug, der nach seinem Erfinder Rudolf Klima benannt ist, an. Eine 10.000 PS starke Lok beschleunigt ihn auf 30, dann 40, schließlich 50 km/h. Es rumpelt in der Führerkabine, als die Pflugschaufeln auf die etwa einen Meter hohe Schneewand, die sich auf den Schienen gebildet hat, treffen. „Ein heikler Moment“, sagt Stefan Leis, der bei den ÖBB an der Instandhaltung der Gleise arbeitet. „Man muss die Strecke gut kennen. Es wäre nicht das erste Mal, dass so eine Maschine entgleist. Der Schnee heute ist aber nicht schwer, dann geht das schon.“

Täglich sind derzeit rund 300 Bahn-Mitarbeiter im Einsatz. Auch Leis, der solche Schneemengen wie heuer „erst einmal, im Jahr 1999“ gesehen hat. Der Klima-Schneepflug – einer von sechs, die in Tirol und Vorarlberg stationiert sind – ist noch älter. In den 1970er-Jahren wurde er gebaut, „was man ihm auch ansieht. Wir fahren quasi mit einem Museumsstück“, scherzt Leis, ehe er die Scheibenwischer per Hand betätigt. „Ansonsten funktioniert die Maschine mit Luftdruck.“ Je ein Arbeiter kontrolliert den linken, den rechten und den mittleren Flügel des Pfluges. Ein Vierter steht über Funk in ständigem Kontakt mit dem Lokführer.

Die Maschine stammt aus den 1970er-Jahren, das Alter sieht man dem Interieur an.
Die Maschine stammt aus den 1970er-Jahren, das Alter sieht man dem Interieur an.
- Foto TT / Rudy De Moor
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- Foto TT / Rudy De Moor

Aber auch außerhalb des Schneepfluges müssen die Männer und Frauen der ÖBB anpacken. Denn Weichen und Bahnübergänge müssen per Hand freigeschaufelt werden.

Nach den heftigen Schneefällen kehrt nun auch im Bahnverkehr in Tirol wieder Normalität ein. Seit gestern Abend ist die Arlberg-Strecke wieder geöffnet. Die Verbindung zwischen Hochfilzen und Saalfelden soll ab morgen Früh den Betrieb wieder aufnehmen. Außer Betrieb bleibt bis auf Weiteres die Außerfernbahn. (bfk)

Die Weichen müssen per Hand freigeschaufelt werden.
Die Weichen müssen per Hand freigeschaufelt werden.
- Foto TT / Rudy De Moor
Einer der Klima-Schneepflüge schiebt sich gestern durch den Neuschnee auf der Karwendelstrecke.
Einer der Klima-Schneepflüge schiebt sich gestern durch den Neuschnee auf der Karwendelstrecke.
- Foto TT / Rudy De Moor