Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 22.01.2019


Tirol/Bayern

Brennerzulauf: Deutschland gibt bei Planung mehr Gas

Kein Planungsstopp für Brennerzulauf im bayerischen Inntal. Bis Juli sollen Vorschläge für fünf Trassen ausgearbeitet werden.

In Rosenheim entlud sich bei einer Demonstration der Ärger über die geplante neue Bahntrasse durch das bayerische Inntal.

© www.muehlanger.atIn Rosenheim entlud sich bei einer Demonstration der Ärger über die geplante neue Bahntrasse durch das bayerische Inntal.



Von Wolfgang Otter

Innsbruck, Rosenheim — Die Stimmung im bayerischen Inntal ist aufgeheizt. Seit die konkrete Planung des Brennernordzulaufs in Form des Bahntrassenfindungsverfahrens Fahrt aufnimmt, haben die Bürgerinitiativen immer regeren Zulauf. An die 3000 Demonstranten ließen dann auch gestern in Rosenheim ihrem Unmut freien Lauf. Empfänger war der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer, der auf Vermittlung von CSU-Bundestagsabgeordneter Daniela Ludwig zu einem Gespräch mit Bürgermeistern und Bürgerinitiativen der betroffenen Gemeinden nach Rosenheim gekommen war. Die Forderung der Bürger ist für Tirol brisant: Sofortiger Planungsstopp, da man ohnedies gegen ein drittes und viertes Gleis sei, lautete das Motto der Demonstranten.

Dazu wird es aber nicht kommen. Scheuer machte nach der knapp vierstündigen Bürgerkonferenz klar, dass er zur Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene steht. „Sie ist gewünscht und unstrittig", meinte der Bundesminister. Dazu wurden von Fachleuten vier Szenarien ausgearbeitet, selbst die ungünstigste für die Wirtschaftsentwicklung geht davon aus, dass bis 2050 bis zu 400 Züge notwendig sein werden, in der günstigsten ist von über 550 die Rede. Bei einer Ertüchtigung der Bestandstrecke werden maximal 320 Züge (derzeit rund 185 Züge) möglich sein. „Ohne einen Anstieg des Personennahverkehrs", zeigte Scheuer das Unvermeidliche auf: Auch im bayerischen Inntal wird es eines Tages einen Neubau brauchen.

Wann damit begonnen wird und wo, bleibt derzeit offen. Aber die Kapazitäten auf der Bestandstrecke dürften 2030 ausgereizt sein. Scheuer hat nun mit den Bahnplanern vereinbart, dass bis Juli aus den derzeit rund 100 Trassen­ideen fünf ausgesucht werden, „gleichzeitig wird auch die Bestandsstrecke genauer untersucht", kündigte Scheuer an. Ludwig verwehrte sich übrigens gegen „Druck aus Tirol". Denn auch hier habe man zehn Jahre gebraucht, um sich auf eine Trasse zu einigen. „Und so weit sind wir noch nicht", sagte Ludwig.

Verkehrsminister Andreas Scheuer.
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Verkehrsminister Andreas Scheuer. .
- Otter