Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 22.01.2019


Bezirk Schwaz

Mit dem Bus zum Rodeln: Ein nervenzehrendes Lotteriespiel

Hält er oder hält er nicht? Diese Frage stellen sich Wartende an den Haltestellen der oft überfüllten Bergbuslinie 8 in Schwaz und Pillberg. Viele Rodler nutzen ihn. Ab kommendem Wochenende werden Zusatzbusse fahren.

Gestern Mittag war bei der Haltestelle Wopfnerstraße genug Platz für alle Rodler im Linienbus 8 nach Pillberg. Am Sonntag sah das anders aus.

© DählingGestern Mittag war bei der Haltestelle Wopfnerstraße genug Platz für alle Rodler im Linienbus 8 nach Pillberg. Am Sonntag sah das anders aus.



Von Angela Dähling

Schwaz, Pill – Wer am Kellerjoch rodeln will (und das sind viele), braucht in puncto Anfahrt gute Nerven. Zum einen, weil die Parkplätze am Berg rar sind, zum anderen, weil die Busse auf den Pillberg vor allem am Wochenende oft überfüllt sind.

„Wir wollten Sonntag gegen 10.20 Uhr vom Schwazer Schwimmbad mit der Bergbuslinie 8 nach Grafenast fahren“, schildert Harald Gögl aus Pill. „Der Bus fuhr vorbei, weil er so voll war. Der Fahrer gab ein Zeichen, dass ein weiterer kommen werde“, sagt Gögl. Gekommen sei keiner. Beim nächsten Bus um 11.20 Uhr habe sich das Ganze wiederholt. „Wir warteten dann bis 12 Uhr, aber es kam wieder kein Bus“, ist Gögl verärgert. Von den anderen Wartenden habe er erfahren, dass es dieses Problem regelmäßig an den Wochenenden gebe. Gögl machte seinem Ärger Luft: Mit einem Eintrag auf seiner Facebook-Seite und E-Mails an das Busunternehmen Ledermair, die Gemeinde, den VVT und den TVB Silberregion Karwendel.

„In Pillberg brauchen wir gar nicht daran zu denken, werktags nach 17 Uhr oder am Wochenende mit dem Bus zum Rodeln zu fahren“, erzählt eine Pillbergerin, die namentlich nicht genannt werden will. Aber auch für die Kindergarten- und Schulkinder sei die Busverbindung mit der Linie 8 wie ein Lotteriespiel: Man wisse nie, ob der Bus kommt oder nicht. Eine Mutter habe daher ihre Pläne, wieder arbeiten zu gehen, auf Eis gelegt.

Der Piller Bürgermeister Hannes Fender weiß von den Problemen. „Wir in Pill zählen auf der Strecke nach Grafenast zu den Letzten, die einsteigen wollen. Es verärgert natürlich, wenn die Busse wegen Überfüllung nicht halten“, sagt er. Und er erzählt davon, was sonst noch in puncto Bergbus im Dorf die Runde mache: dass ein Bus einen Reifen verloren haben soll und dass der Fahrplan bis Ende letzter Woche ganz häufig nicht eingehalten worden sei. „Das ist ein Linienbus und die Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass er fährt“, sagt Fender. Der Verkehr auf den Pillberg sei ohnehin „ein Wahnsinn“. „Es besteht höchster Bedarf für einen Lift vom Tal aus. Wir sind alle gefordert“, denkt der Dorfchef wehmütig an Zeiten zurück, als die Kellerjochbahn ihre Talstation noch unten in Schwaz hatte. An sonnigen Wochenendtagen, an denen Schnee bis ins Tal liege, seien die Probleme mit dem Bus wegen der vielen Rodler immer am größten.

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Das bestätigt auch Robert Kaufmann von der Stadtgemeinde Schwaz. „Bis zum Dreikönigstag war das im Vorjahr der Fall. Danach sank der Bedarf an der Busverbindung wetterbedingt rapide, und die Busfahrer können dann Däumchen drehen. Man weiß nie, worauf man sich einstellen soll. Und wir können nicht kurzfristig samstags einen Bus samt Fahrer herbringen“, erklärt Kaufmann. Immerhin gibt es heuer schon vier Verbindungen mehr als im letzten Winter.

Und auch jetzt wurde sofort reagiert: „Ab dem kommenden Wochenende wird das Busangebot weiter verstärkt, das Okay für die Mehrkosten habe ich vom Bürgermeister“, erklärt Kaufmann. Auch das Busunternehmen Ledermair reagierte umgehend – gestern wurden mit Kaufmann bereits Details zur Verbesserung der Situation besprochen. „Wir fahren, was bestellt wird“, erklärt Ahmet Han, Leiter für den Linienbusverkehr bei der Firma Ledermair. Man habe auch umgehend das Gespräch mit allen Beteiligten gesucht, als es am Pillberg nach und während der großen Neuschneemengen zu Problemen mit der Einhaltung des Taktverkehrs gegeben habe. Mal hinderten parkende Autos den Bus an der Weiterfahrt, mal seien es die Schneemengen gewesen, die ein Wenden in der Wendeschleife im Bereich Grafenast nahezu unmöglich machten. „Aber wir sind immer gefahren, keine Linie fiel aus. Und es geht hier auch nicht um Schuldzuweisung. Schließlich ist es verständlich, wenn die Gemeinden mit der Schneeräumung teilweise überfordert waren“, sagt Han. Zum Gerücht über den Bus, der einen Reifen verloren haben soll, sagt er: „Das stimmt so nicht. Es war ein Reifen geplatzt – offenbar bedingt durch die Schneekette“, relativiert er.

Bürgermeister Hannes Fender will auch das Positive nicht unerwähnt lassen. Nämlich, dass die Rodelbahn super angenommen werde und das Kellerjoch auch durch Tourengeher inzwischen wieder sehr stark frequentiert werde. Eben so gut, dass der Ruf nach einem Zubringerlift von Schwaz wieder laut wird.