Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 29.01.2019


Bezirk Kufstein

Mit dem Zug nach Deutschland: Auf Irrwegen zur Fahrkarte

Ein Bahnticket zu erhalten, kann durchaus schwierig sein. Nicht alle Verbindungen nach Deutschland sind am Fahrkartenschalter buchbar, wie ein Kufsteiner zur Kenntnis nehmen musste.

Fahrkartenautomaten, wie hier für die ÖBB, sind praktisch, die DB hat aber ihren Automaten wegen zu geringer Nachfrage abmontiert.

© thomas boehmFahrkartenautomaten, wie hier für die ÖBB, sind praktisch, die DB hat aber ihren Automaten wegen zu geringer Nachfrage abmontiert.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Ein Festungsstädte­r wollte seinen Augen und Ohren nicht trauen. Gerade als er sich, wie schon so oft, eine Fahrkarte nach Hermsdorf-Klosterlausnitz in Thüringen via München in Deutschland kaufen wollte, wurde der Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn am Bahnhof Kufstein stillgelegt. „Mir wurd­e gesagt, der Pachtvertrag dafür sei abgelaufen“, erzählt der Kufsteiner der TT.

Kein Problem, mag man glauben, gleich daneben gibt es ja einen Fahrkartenschalter der Österreichischen Bundesbahnen. Nur war dem Kufsteiner bereits Monate zuvor mitgeteilt worden, dass ein Ticket für diese Verbindung hier nicht mehr erhältlich sei. Daher war er auf den Fahrkartenautomaten ausgewichen – bis eben vor Kurzem, als der Automat abgebaut wurde.

Der Bahnfan aber wollte weder per App noch per Internet die Karte kaufen und löste das Problem mit einer einstündigen Fahrtunterbrechung in München, um die Fahrkarte nach Hermsdorf in der bayerischen Hauptstadt zu kaufen. Eine zweite Variante wäre gewesen, zu einem dem Kufsteiner Bahnhof nahegelegenen Reisebüro zu gehen, wo Tickets für die Deutsche Bahn verkauft werden. Hier bestätigt man auch eine steigende Nachfrage. Das ist allerdings nur für Festungsstädter eine Lösung.

Bei den ÖBB erklärt man, dass Karten für Fahrten nach München oder Berlin weiter am Schalter des Grenzbahnhofs erhältlich sind, „es kann allerdings sein, dass nicht alle Ziele, insbesondere kleinere Ortschaften, buchbar sind. Das hat einen technischen Hintergrund und wir sind dabei von Datenlieferungen der ausländischen Partnerbahnen abhängig“, sagt ÖBB-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair.

Was den Fahrkartenautomaten betreffe, handle es sich dabei um eine reine Entscheidung der DB, diesen Standort aufzulassen.

Bei der Deutschen Bahn erklärt man gegenüber der TT, dass die „Nachfrage nach mobilen Tickets (Online-Ticket über Bahn.de oder Handyticket auf dem DB-Navigator/Smartphone-App) in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen ist und mit einem Anteil von 70 Prozent an den Fernverkehrstickets der DB bei Weitem das Kundeninteresse an Fahrkarten aus dem Automaten übersteigt. Dies gilt insbesondere auch für Kufstein, wo ja unter anderem die ÖBB ein gutes Verkaufsangebot vorhalten. Darum wurde der DB-Automatenverkauf hier eingestellt.“ Fahrkarten im bayerischen Regionalverkehr können am Meridian-Automaten gekauft werden. Was die Abstimmung der Verkaufssysteme am Schalter anbelangt, „sind wir noch nicht so weit“, wie ein Pressevertreter der DB sagt. Aber nicht nur für Deutschland sind nicht mehr alle Verbindungen erhältlich. Der Kufsteiner musste das auch für Colmar in Frankreich zur Kenntnis nehmen, seinen Worten nach auch für einige Verbindungen nach Südtirol. Letzteres relativiert der ÖBB-Pressesprecher: „Die größeren Ziele im Pustertal wie die Bahnhöfe Ehrenburg, Bruneck, Olang, Toblach etc. sind sehr wohl auch von Kufstein aus buchbar, allerdings kann es auch hier aufgrund oben genannter Thematik sein, dass Ziele nicht in unserem System integriert sind.“

Das Fahrkarten-Tohuwabohu ärgert auf alle Fälle den Bahnkunden: „Mit Service hat das für mich nichts mehr zu tun.“ Mit dieser Meinung dürfte er nicht alleine sein.