Letztes Update am So, 03.02.2019 10:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Südtirol

Schneechaos am Brenner: Sperre der Autobahn aufgehoben

Am Samstag stand der Verkehr am Brenner in Richtung Südtirol still. Tausende Auto- und Lkw-Lenker saßen fest. In der Nacht konnte die Sperre aufgehoben werden.

Am Samstag ging am Brenner nichts mehr. Die Grenze wurde gesperrt, Tausende Autofahrer mussten stundenland im Stau ausharren.

© imagoAm Samstag ging am Brenner nichts mehr. Die Grenze wurde gesperrt, Tausende Autofahrer mussten stundenland im Stau ausharren.



Bozen — Massive Schneefälle und erhöhtes Verkehrsaufkommen haben am Samstag für einen regelrechten Verkehrskollaps am Brenner gesorgt. Die A13 und die A22 in Richtung Süden waren bis in die Nacht auf Sonntag gesperrt. Tausende standen im Stau, Hunderte mussten die Nacht in ihren Fahrzeugen verbringen. Kurz vor Mitternacht konnte die Sperre zwischen Klausen und Sterzing aufgehoben werden. Sonntagfrüh war weiterhin mit Stau zu rechnen. Zudem schneite es erneut stark, vor Schneeglätte wurde gewarnt. Wie die Polizei in der Nacht auf Sonntag mitteilte, wurde auch die Brennerstraße B182 zwischen der Stefansbrücke und der Kreuzung B182/B183 nach einem Erdrutsch bis Sonntagfrüh (mindestens 8 Uhr) gesperrt.

Am Samstag gab es kein Durchkommen in Richtung Süden. Der Stau war mehr als 25 Kilometer lang. Viele stellten sich darauf ein, die Nacht in ihren Fahrzeugen zu verbringen — und mussten das auch.

"Wir stehen seit 10 Uhr hier im Stau, jetzt ist es fast 20 Uhr", schilderte ein Betroffener, der unmittelbar beim Ort Brenner stand, im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung Online. Hin und wieder gehe es ein paar Meter weiter, dann passiere aber wieder lange nichts. Die Lage sei sehr problematisch, Information gebe es weit und breit keine. "Das ist eigentlich das Schlimmste", so der Deutsche. Es sei niemand da, den man fragen könnte, Infotafeln seien auch keine vorhanden. "Wir haben in der ganzen Zeit ein Polizeiauto gesehen und einen Hubschrauber", so der Urlauber, der auf der Autobahn eigentlich "nur" bis zur Abfahrt Bruneck wollte.

Betreuungsstellen in Innsbruck: Mehr als 400 Schüler versorgt

Die Stadt Innsbruck richtete am Abend Betreuungsstellen für all jene ein, die nicht mehr in Richtung Brenner fahren konnten. In der Olympiaworld wurden acht Busse mit rund 400 Schülern an Bord untergebracht. Im Fahrtechnikzentrum Zenzenhof fanden rund 30 Personen Unterkunft. Auch in der Turnhalle in Steinach am Brenner kümmerten sich Helfer um rund 30 Schüler, die in einem Bus in Richtung Italien unterwegs waren. Laut Aussendung der Tiroler Polizei wurden auch an den Autobahnraststätten für die Versorgung von Reisenden gesorgt.

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Die angespannte Situation am Brenner hatte zu einem kurzfristigen Einlenken in der Tiroler Verkehrspolitik geführt. Das Amt der Tiroler Landesregierung hat sich aufgrund der angespannten Lage auf der A22 in Südtirol dazu entschlossen, die Beschränkungen für Schwerfahrzeuge (Wochenendfahrverbot, IGL-Nachtfahrverbot, sektorales Fahrverbot) auf der Inntal- und Brennerautobahn bis auf weiteres aufzuheben.

In der Olympiaworld in Innsbruck versorgte das Rote Kreuz unter anderem rund 400 Schüler, die in Bussen in Richtung Südtirol unterwegs waren.
In der Olympiaworld in Innsbruck versorgte das Rote Kreuz unter anderem rund 400 Schüler, die in Bussen in Richtung Südtirol unterwegs waren.
- zeitungsfoto.at

Sperre ursprünglich wegen Lawinengefahr

Die Südtiroler Brennerautobahn A22 musste ursprünglich wegen Lawinengefahr und hängen gebliebener Lkw gesperrt werden. Mitarbeiter des Straßendienstes, der Verkehrspolizei, Techniker und Hilfskräfte waren stundenlang damit beschäftigt, Schwerfahrzeuge freizubekommen, die wegen mangelhafter Ausrüstung steckengeblieben waren.

Eine Lawine ging zwischen Sterzing und dem Brenner ab, als die Autobahn bereits gesperrt war. Auch im Sarntal hinter Weißenbach ging eine Lawine von größerem Ausmaß ab.

Auch auf der Tiroler Seite der A13 kam es rasch zu erheblichen Staus. Betroffene berichteten, dass es zu den Sperren zunächst keinerlei Informationen auf den so genannten "Verkehrsbeeinflussungsanlagen" über der Autobahn gegeben hätte.

Weil auch die Brennerstaatsstraße (SS12) und die Brennerstraße (B182) wegen Lawinengefahr nicht passierbar waren, ging am Brenner folglich gar nichts mehr.

Lkw-Lenker verstarb an Herzversagen

Gegen 16 Uhr kam es im Bereich Brennersee zu einem tragischen Zwischenfall: Ein 52-Jähriger geriet mit seinem Lkw auf den Pannenstreifen. Das Führerhaus streifte leicht die Steinwand. Durch den etwa ein Meter hohen Schnee am Seitenstreifen wurde der Lastwagen abgebremst. Der Fahrer lag bewusstlos im Führerhaus.

Stau auf der A13 bei Nösslach in Richtung Süden.
Stau auf der A13 bei Nösslach in Richtung Süden.
- zeitungsfoto.at/Liebl

Ersthelfer begannen sofort mit der Wiederbelebung. Wegen des schlechten Wetters wurde ein Hubschrauber aus Südtirol angefordert. Trotz aller Bemühungen der Ersthelfer und der Rettungskräfte verstarb der 52-Jährige noch an der Unglücksstelle. Laut Polizei müsse davon ausgegangen werden, dass der Grieche einem Herzversagen erlegen ist. Gegen 18 Uhr waren die Bergungsarbeiten abgeschlossen.

Verkehrsumleitungen auf österreichischer Seite

Am Samstagnachmittag wurde der Brennerpass komplett für den Verkehr gesperrt, es gab kein Durchkommen mehr in Richtung Italien. Alle Fahrzeuge, die auf der Autobahn in Richtung Brenner unterwegs waren, wurden schon bei Matrei-Steinach abgeleitet. Ab 13 Uhr wurden Pkw und Lkw bis 7,5 Tonnen an den Anschlussstellen Brenner Nord, Nösslach, Matrei sowie an der Mautstelle Schönberg von der Polizei umgeleitet und wieder in Richtung Innsbruck zurückgeschickt . Lkw über 7,5 Tonnen mussten die Dauer der Sperre abwarten.

Der Verkehr wurde am Samstag auf Tiroler Seite großräumig bereits ab dem Inntaldreieck über die Tauernautobahn (A10) und den Reschenpass umgeleitet. Diese Maßnahme wurden ebenso wie die Zurückweisung von Fahrzeugen an der Mautstelle Schönberg gegen Mitternacht aufgehoben.

Auf unbestimmte Zeit ist nach wie vor die Brennerstaatsstraße auf italienischer Seite gesperrt. Alle Orte im Wipptal sind über die Brennerbundesstraße erreichbar.

Kein Weiterkommen mit der Bahn

Auf der Bahnverbindung über den Brenner bot sich das gleiche Bild. Wegen der Witterung waren laut ÖBB zwischen Brenner und Steinach am Brenner am Samstag keine Fahrten möglich. Fernverkehrszüge verkehrten auf dieser Strecke daher nur bis bzw. ab Innsbruck Hauptbahnhof. Im Laufe des Tages konnte der Schienenersatzverkehr eingerichtet werden. Die Sperre der Bahnstrecke wurde in der Nacht auf Sonntag aufgehoben.

Der Stau zog sich am Ende auf eine Länge von 25 km.
Der Stau zog sich am Ende auf eine Länge von 25 km.
- TT/Daum

Weiterhin keine Fahrten waren auf der Strecke zwischen San Candido/Innichen und Sillian in Osttirol möglich. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.

Da für Samstag und Sonntag weitere Schneefälle angekündigt waren, war auch für Sonntag noch mit Einschränkungen im Bahnverkehr sowie insgesamt im öffentlichen Nahverkehr zu rechnen.

Zivilschutz rät zu späterer Abreise

Der Südtiroler Zivilschutz hat am Samstag Touristen im Pustertal und den Seitentälern geraten, ihre Abreise später anzutreten. Keinesfalls sollte auf die Brennerautobahn (A22) gefahren werden, hieß es in einer Aussendung. Dringlichste Aufgabe sei derzeit, die Insassen hängen gebliebener Fahrzeuge zu versorgen. Touristen sollten sich vor der Abfahrt bei der Verkehrsmeldezentrale über die Straßenverhältnisse informieren.

Mehr als 450 Mitarbeiter des Straßendiensts waren in der Nacht auf Samstag mit rund 220 Schneeräumfahrzeugen im Einsatz. Dabei wurden 2500 Tonnen Salz gestreut, um Eisbildung auf den Straßen zu verhindern. Hängen gebliebene Schwerfahrzeuge ohne Winterausrüstung behinderten die Arbeit der Einsatzkräfte vielerorts, hieß es. (TT.com, APA)