Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.03.2019


Bezirk Landeck

Tunnel-Anrainer wollen Lärmpegel jetzt genau wissen

Bewohner am Westportal des Perjentunnels (Gemeinde Stanz) fürchten um ihre Gesundheit. Die Asfinag plant unabhängige Messungen im April.

Der Lärm an der Tunneleinfahrt ist nach subjektiven Wahrnehmungen der Anrainer in Stanz/Stampfle groß. Die betroffenen Bewohner (Häuser im Hintergrund) wollen es jetzt „objektiv“ wissen und fordern unverzüglich Lärmmessungen.

© WenzelDer Lärm an der Tunneleinfahrt ist nach subjektiven Wahrnehmungen der Anrainer in Stanz/Stampfle groß. Die betroffenen Bewohner (Häuser im Hintergrund) wollen es jetzt „objektiv“ wissen und fordern unverzüglich Lärmmessungen.



Von Helmut Wenzel

Stanz bei Landeck – „Wir bestehen auf eine unverzügliche Schallmessung und Einleitung sofortiger Maßnahmen“, teilen Anrainer der Siedlung Stampfle (Gemeinde Stanz) in einer „letzten höflichen Forderung“ an die Asfinag mit. Drei Monate nach Freigabe der Perjentunnelröhre II stehen in Stampfle die Zeichen auf Sturm.

Schon während der Bauphase habe man „eine hohe Dosis an Lärm und Staub“ schlucken müssen. Mit der Verlegung der S16 (Arlbergschnellstraße) im Einzugsbereich des Tunnelportals sei die Belastung deutlich heftiger geworden. Besonders intensiv höre und spüre man den Lkw-Verkehr in den frühen Morgenstunden.

„Wir können keine Nacht mehr durchschlafen. Die Gesundheit unserer Familien ist akut gefährdet, ebenso die Ausübung unserer Berufe“, zeigen die Anrainer Alexande­r Rinner und Walter Weinseise­n auf. Nach drei Monaten „Dauerlärmbelastung“ sehen sich die Betroffenen veranlass­t, den Amtsarzt und die Sanitätsdirektion zu informiere­n. Mit Umweltmedizinern stehe man ebenfalls in Kontakt. Dass der für 24. bis 26. April angekündigte Austausch einer Bodenplatte unweit des Tunnelportals „einen deutlich positiven Effekt“ bringt, glaube er nicht, sagte Rinner. Er fordert zusätzlich „eine Indoor- und Outdoor-Erschütterungsmessung“.

Unterstützung für die betroffenen S16-Anrainer hat Bürgermeister Martin Auer zugesagt, auch bei rechtlichen Schritten. „Wichtig ist, dass wir rasch eine unabhängige Lärmmessung bekommen.“ Die Gemeinde werde Messungen unabhängig von der Asfinag in Auftrag geben.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Asfinag-Projektleiter Richard Loidl hob hervor: „Wir haben sehr wohl Verständnis für die Anliegen der Anrainer und stellen uns der Kritik.“ Den Vorwurf, die Asfinag reagiere nicht, weise er zurück. Vom geplanten Austausch der Bodenplatte sei eine Verbesserung zu erwarten. Er glaube nicht, dass das „Klack-Geräusch“ dann noch zu hören sein werde, so Loidl.

Zu den geforderten Verkehrslärmmessungen erklärte er: „Die Asfinag ist dabei, den nötigen Auftrag zu vergeben. Die Messungen finden im April statt.“ Damit verbunden sei ein aufwändiges Projekt. „Es genügt sicher nicht, irgendwo zwei Mikrofone rund um die Uhr aufzustellen.“

Vielmehr brauche man eine „wissenschaftlich fundierte Datengrundlage und Modellberechnungen“ für mögliche weitere Maßnahmen. Auch die aktuelle und zu erwartende Fahrzeugfrequenz auf der S16 (derzeit 14.000 in 24 Stunde­n) spiele eine Rolle.

Die Grenzwerte für den Lärmpegel sind laut Bundesumweltamt in der „Dienstanweisung Lärmschutz“ festgelegt: 60 dB (Dezibel) von 6 bis 22 Uhr und 50 dB von 22 bis 6 Uhr. Wenn die Grenzwerte überschritten werden, muss die Asfinag dann Baumaßnahmen setzen? – Derartige Investitionsentscheidungen würden, so Loidl, in Form einer Dienstanweisung fallen: beim BMVIT (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie) und bei der Asfinag in Wien.