Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.03.2019


Bezirk Kufstein

Staus in Kufstein: Ruf nach Straßensperren wird lauter

Viele Kufsteiner möchten angesichts der Staus die Stadtdurchfahrt auf der B171 für den Ausweichverkehr verbieten. Vorbild ist die Fernpassstrecke, für die die BH Reutte Anfang März zu einer Notmaßnahme griff.

Stau an der Stadteinfahrt, ein vertrautes Bild in Kufstein, das aber nicht ein jeder hinnehmen will.

© OtterStau an der Stadteinfahrt, ein vertrautes Bild in Kufstein, das aber nicht ein jeder hinnehmen will.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Die Festungsstadt gehört mittlerweile zum fixen Bestandteil bei den Verkehrsmeldungen. Lange Wartezeiten an den Ortseinfahrten Kufsteins gehören zum Alltag und gerade an den An- und Abreisetagen der Urlauber wird das Autofahren für Einheimische und Gäste zum Geduldsspiel. Die Gründe dafür sind schon lange ausgemacht: Viele Autofahrer umfahren das kurze mautpflichtige Autobahnstück von Kufstein Süd bis zur Staatsgrenze. Verschärfend kommen noch die Grenzkontrollen in Bayern hinzu. Durch die Verzögerungen stauen sich die Pkw auf der Autobahn kilometerweise in Richtung Kufstein zurück, so mancher Pkw-Lenker sucht sein Heil also auf der Ausweichstrecke – die dann durch die Orte führt.

Zwischen 19.000 und 20.000 Pkw an Spitzentagen werden an der Zählstelle Kufstein Innbrücke auf der B171 (Schubertstraße/Salurner Straße) auf beiden Fahrspuren gezählt. Dabei ist die Zahl mit je bis zu 10.000 pro Fahrtrichtung immer fast gleich hoch. Wie der Trend im noch jungen Jahr 2019 verläuft, wird derzeit vom Land Tirol noch ausgewertet.

Die zwei Hauptursachen sind also bekannt. Nur die Gegenmittel lassen auf sich warten bzw. sind Ursache für heftige Debatten. Von Umfahrungsstraßen und Tunneln bis hin zu Straßensperren an den Ortseinfahrten (ausgenommen Berechtigte) reichen die Ideen. Letztere Variante erhält durch das Beispiel Reutte (Fernpassroute) Nahrung. Dort ließ am Samstag, 2. März, aufgrund eines Megastaus auf der B179 die Bezirkshauptmannschaft die Abfahrten in Dörfer im Großraum Reutte für Transit-Pkw durch Feuerwehrleute sperren. Abfahren durften nur Einheimische und Berechtigte wie Hotelgäste, die anderen mussten auf der B179 verharren.

„Warum geht das nicht bei uns?“, so lautet nun die Frage vieler stau- und verkehrsgeplagter Kufsteiner. Für Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer „hat sich der Anlassfall in Reutte nach einer ca. eineinhalbstündigen Totalsperre durch einen schweren Verkehrsunfall ergeben“. Da Exekutive und Blaulichtorganisationen im Einsatz behindert gewesen seien, war Gefahr im Verzug gegeben. Bei ähnlicher Lage „wird selbstverständlich bei uns jede notwendige Maßnahme getroffen werden, um eine Gefährdung insbesondere der Gesundheit und Sicherheit hintanzuhalten“, stellt Bezirkshauptmann Platzgummer klar.

Davon zu unterscheiden seien aber planbare Maßnahmen für Tage mit besonderem Verkehrsaufkommen, wie sie immer wieder auf der Schubertstraße (B171) anfallen. Für diese Tage habe man eine Dosierampel für die Stadteinfahrt aus Richtung Bayern installiert.

Auch Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel sieht eine Straßensperre nur als Notlösung. „Man stelle sich nur vor, alle Gemeinden im Umfeld, die dasselbe Problem haben, sperren auch ihre Straßen. Kirchbichl, Langkampfen, Ebbs, Kiefersfelden ... das kann auf Dauer keine Lösung sein, sondern eben nur eine Notfallmaßnahme“, sagt Krumschnabel. „Es können damit für die Autofahrer, oft auch mit Kindern, extreme Härten verbunden sein“, fügt er an.

Wobei aber auch Kufstein derzeit untersucht, ob man an verkehrsreichen Tagen nicht die Abfahrt vom A12-Zubringerkreisel Kufstein Süd für Nichtberechtigte in Richtung Krankenhaus sperren kann. Durch den Rückstau von der Autobahn gibt es hier immer wieder Behinderungen für Notarzt und Rettung.

„Aber wir brauchen auf alle Fälle eine nachhaltige Lösung. Keine Vignette, Abschaffung der Grenzkontrollen oder langfristig doch einen Tunnel in die Skigebiete“, meint Krumschnabel. Der von ihm im Zuge der Landtagswahl ins Spiel gebrachte Tunnel durchs Kaisergebirge sei zwar teuer, „aber er bringt den Verkehr genau dorthin, wo ihn die Gemeinden auch haben wollen“, macht der Stadtchef Werbung für die Idee. „Im Oberland sind die Tunnels offenbar schon die Lösung. Letztlich kann Tirol nicht daran interessiert sein, die Touristen auszusperren, sondern muss einfach die eigene Bevölkerung schützen, was eben auch anders möglich wäre, als eine Straße zu sperren“, so Krumschnabel.




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