Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.03.2019


Bezirk Reutte

Die letzte Bahnstrecke Tirols wird elektrifiziert

Die ÖBB setzen Reutte – Vils unter Strom. Auf bayerischer Seite der Strecke gibt es aber keine Überlegungen, dem Beispiel zu folgen.

Auch der Bahnhof Vils wird mit Oberleitungsmasten ausgerüstet werden.

© Arnold MarkusAuch der Bahnhof Vils wird mit Oberleitungsmasten ausgerüstet werden.



Reutte, Vils – Bis Ende 2019 elektrifiziert die ÖBB-Infrastruktur AG die verbleibenden 14.390 Meter der Außerfernbahn zwischen dem Bahnhof Reutte in Tirol und der Staatsgrenze bei Schönbichl. Nach Abschluss der Arbeiten wird das gesamte Schienennetz der ÖBB in Tirol zu 100 Prozent mit Strom betrieben. Kleiner Schönheitsfehler: Die deutsche Bundesregierung hat keinerlei Pläne, wie DB-Sprecher Franz Lindemair auf TT-Anfrage erklärt, die Anschlussstrecke von der Grenze Vils bis Kempten im Allgäu ebenfalls zu elektrifizieren. Damit muss die Verbindung Reutte-Kempten auf Jahre hinaus weiter mit Dieselloks, so genannten Triebzügen, die den Antrieb unter dem Waggon integriert haben, bedient werden. Im gesamten Allgäu zwischen Bodensee, Augsburg und Füssen steht derzeit kein einziger Meter Bahnstrecke unter Strom. Einzig die Verbindung Lindau-München soll laut Lindemair bald angegangen werden.

Reutte wird beim Personenverkehr also auch weiterhin der Umsteigebahnhof zwischen Garmisch-Partenkirchen und Kempten, zwischen Strom und Diesel, bleiben. Allerdings kann nach der Modernisierung der Güterverkehr bis Vils und damit zur Zementindustrie Schretter & Cie, elektrisch abgewickelt werden, was laut Lindemair höhere Lasten ermöglichen wird. Sein Tiroler Pressependant, Christoph Gasser-Mair, erklärt dazu, dass die ÖBB mit der Elektrifizierung nun in jedem Fall in Vorleistung treten werden, egal was die Pläne der deutschen Seite seien.

Bis aber der erste Zug bis Vils elektrisch über die Schienen rollt, müssen noch viele Maßnahmen umgesetzt werden. Bei den Arbeiten kommen auch hydraulische Rammgeräte zum Einsatz. Die ÖBB ersuchen Anrainer und Bahnkunden um Verständnis, dass es hier zu einem Anstieg des Lärmpegels kommen kann. Zudem wird im Bahnhof Vils ein Schaltanlagegerüst zur Energieumspannung errichtet. Sämtliche Arbeiten finden so weit wie möglich bei laufendem Betrieb statt. Um die Arbeiten so effizient wie möglich gestalten zu können, sind jedoch zwei längere Streckensperren mit Schienenersatzverkehr unumgänglich: Der erste Shutdown erfolgt von Samstag, 16. März, bis 26. April, der zweite tritt von 14. September bis 3. November in Kraft.

Während der Dauer der Sperren wird ein Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen den Bahnhöfen Reutte und Pfronten-Steinach (D) eingerichtet. Die ÖBB bitten um Verständnis und ersuchen die Kundinnen und Kunden, sich rechtzeitig vor Fahrtantritt auf bahn.de, oebb.at, beim ÖBB-Kundenservice unter Tel. 05-1717, in der ÖBB Fahrplanauskunft Scotty, der ÖBB App, unter fahrplan.vvt.at oder der VVT SmartRide-App zu informieren.

Die DB Regio wickelt den Verkehr auf der Außerfernbahn seit 15 Jahren ab, die ÖBB sind für die Infrastruktur verantwortlich. Das Land Tirol subventioniert diesen arbeitsteiligen Deal. (hm)