Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.03.2019


Verkehr

DB verbessert Lärmschutz im Inntal, ÖBB sagen „Jein“

Die offene Bahnbestandsstrecke muss bis zur neuen Brenner-Zulaufstrecke mehr Züge aufnehmen. Auch Kufstein wäre betroffen.

Besonders Güterzüge sind eine große Lärmquelle auf bestehenden Bahnstrecken.

© iStock EditorialBesonders Güterzüge sind eine große Lärmquelle auf bestehenden Bahnstrecken.



Von Wolfgang Otter

Kufstein, Rosenheim – Es geht weiter. DB und ÖBB nehmen wieder die Planungsdialoge mit Anrainern und Gemeinden auf. Und die Deutsche Bahn bereitet sich in Bayern zwischen Rosenheim und Kiefersfelden auf die Zeit der Öffnung des Brennerbasistunnels (BBT) ab 2028 vor. Bei einem Pressegespräch in Rosenheim wurden gestern umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen auf der Bestandsstrecke in Bayern vorgestellt. „Es geht darum, auf mehr Züge vorbereitet zu sein“, sagt DB-Projektleiter Thorsten Gruber. Immerhin sei die Verlagerung der Güter von der Straße auf die Schiene politisch gewünscht. Damit werden die Bahnanrainer entlang der Bestandsstrecke bis zur etwaigen Fertigstellung eines heftig umstrittenen dritten und vierten Gleises (eventuell bis 2038) mit mehr Zügen rechnen müssen. 2018 seien laut Gruber 199 Züge täglich gefahren, bis zu 50 mehr könnten es auf der Bestandsstrecke noch werden.

Betroffen von allfälligen Steigerungen auf der offenen Strecke wird auch das Tiroler Unterland bis Radfeld sein, besonders Kufstein, wo man bis zur Fertigstellung eines Bahntunnels nach Bayern noch mindestens 20 Jahre warten muss. Für die ÖBB ist aber das seit 1993 laufende Programm „zur lärmtechnischen Sanierung von Eisenbahn-Bestandsstrecken in Tirol weitgehend abgeschlossen bzw. finden sich vereinbarte Projekte in Umsetzung“, wie ÖBB-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair auf Anfrage hin mitteilt. Aber wenn entsprechende Anträge „für Schallschutzmaßnahmen an uns herangetragen werden, werden diese entsprechend der vertraglichen Vorgaben geprüft und beurteilt. Darüber hinaus werden die Verkehrsprognosen regelmäßig dahingehend evaluiert, ob sich weiterer Handlungsbedarf ergibt.“

Die Stadt Kufstein wird auf alle Fälle das Thema Lärmschutz für die neubaulose Zeit bei den nächsten Gesprächen ebenfalls auf den Tisch bringen, wie Bürgermeister Martin Krumschnabel erklärt. „So wie die Deutschen sagen, sie wollen gleich behandelt werden wie die Österreicher, wollen die Österreicher wie die Deutschen behandelt werden. Da darf es keine Diskriminierung geben“, stellt der Stadtchef fest.

Der Planungsdialog für den Weiterbau der neuen Bahnstrecke durch das bayerische und Tiroler Inntal war aufgrund des heftigen Protestes der Anrainer für einige Zeit ausgesetzt worden. Man hat abgewartet, wie der deutsche Verkehrminister Andreas Scheuer die Planung beurteilt. Er bezeichnete die Verlagerung von der Straße auf die Schiene als unstrittig. „Wir haben keinen homogenen Planungsraum. Es gibt Gemeinden, die lehnen die neue Trasse total ab, aber auch welche, die sie unbedingt wollen“, sagt Gruber über die Stimmung in Bayern. Bei den Planungsgesprächen werden jetzt rund 150 Vorschläge und Änderungswünsche überprüft.

Für LHStv. Ingrid Felipe ist der zusätzliche Lärmschutz in Bayern ein positives Signal. „Um die größtmögliche Wirtschaftlichkeit des BBT und damit die Verlagerung der Güter von der Straße auf die Schiene gewährleisten zu können, bedarf es allerdings nicht nur Verbesserungen an der Bestandsstrecke, sondern auch das dritte und vierte Gleis als Zulaufstrecken, um diesen Bahnkorridor effizient nutzen zu können“, sagt Felipe.

Die Bahnen treten auch einer kritischen Stellungnahme eines deutschen Büros, eingeholt vom Bürgerforum Inntal, entgegen. Demnach sei es falsch, dass die Bestandsstrecke ausreiche und kein Neubau notwendig sei.