Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.03.2019


Verkehr

Frühling lässt Gefahr von Wildunfällen steigen

Auf der Suche nach Nahrung wagen sich Wildtiere derzeit oft in Straßennähe. Wer einen Wildunfall nicht meldet, macht sich strafbar.

Die Hirschkuh schleppte sich nach dem Unfall in ein Feld und musste schließlich erschossen werden.

© ZOOM.TIROLDie Hirschkuh schleppte sich nach dem Unfall in ein Feld und musste schließlich erschossen werden.



Von Nikolaus Paumgartten

Stans, Innsbruck – Nach einem Wildunfall mit Fahrerflucht am Dienstagvormittag in Stans hat sich gestern der Unfalllenker bei der Polizei gemeldet. Wie berichtet, war eine Hirschkuh nach einer Kollision mit einem zunächst unbekannten Fahrzeug schwer verletzt worden. Mit gebrochenen Hinterläufen schleppte sich das Tier in ein Feld und musste vom zuständigen Aufsichtsjäger erschossen werden. Der Lenker setzte seine Fahrt fort, ohne den Unfall zu melden.

Dabei ist Fahrerflucht nach einem Wildunfall kein Kavaliersdelikt, wie Landesjägermeister Anton Larcher betont: „Wer wissentlich ein verletztes Tier seinen Qualen überlässt, verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Gesetzlich hat man, wie bei anderen Verkehrsunfällen auch, die Pflicht, bei einem Unfall sofort anzuhalten und eventuell entstandene Schäden an Personen oder Sachen zu eruieren und zu melden.“ Es sei also auch im Sinne des Tierschutzes, jeden Wildunfall zu melden, um einerseits verletzte Tiere bergen zu können und andererseits zukünftig bessere Präventivmaßnahmen setzen zu können.

Nach einem Unfall mit einem Wildtier soll man laut Larcher nach Möglichkeit sofort an einer sicheren Stelle halten, die Warnblinkanlage einschalten, die Warnweste anziehen, die Unfallstelle mit dem Pannendreieck absichern, eventuell verletzte Personen versorgen und so schnell wie möglich Polizei – oder wenn bekannt – den Jagdaufseher verständigen. Verletzte Tiere sollen nicht berührt oder mitgenommen werden. „Wer ein verletztes oder getötetes Wild mitnimmt, macht sich wegen Wilderei strafbar“, erklärt der Landesjägermeister. Für den Fall, dass das verletzte Tier flüchtet, rät Larcher dazu, die Unfallstelle zu markieren oder zu notieren. „Dann kann mit Hilfe eines ausgebildeten Jagdhundes die Nachsuche rasch durchgeführt werden und das Tier, wenn notwendig, von seinem Leid erlöst werden.“

Mit Wildunfällen müsse man das ganze Jahr über rechnen, speziell aber im Herbst und im Frühling, weil da die Hauptverkehrszeiten in die Dämmerung fallen, so Larcher. „Jetzt ist das Risiko auch höher, da im Tal das erste Grün zu Tage tritt und hungriges Wild auf der Suche nach dem frischen Grün wieder häufiger in Straßennähe auftritt.“ Vergangenes Jahr wurden in Tirol 1750 Wildtiere gemeldet, die im Straßenverkehr umgekommen sind. Im Schnitt sind es 1600 registrierte Wildunfälle jährlich, die Dunkelziffer dürfte jedoch deutlich höher sein. Österreichweit fallen pro Jahr rund 77.000 Wildtiere dem Verkehr zum Opfer.

Um Wildunfälle zu vermindern, betreiben das Land Tirol und der Tiroler Jägerverband das Projekt „Wildwarner“ seit mehreren Jahren gemeinsam. Seit 2014 wurden über 14.000 Wildwarner montiert. Diese warnen Wildtiere mit optischen und akustischen Signalen vor nahenden Fahrzeugen. Das Land Tirol und der Tiroler Jägerverband investierten mit Unterstützung durch den Tiroler Verkehrssicherheitsfonds jährlich 75.000 Euro in Wildwarngeräte.