Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.04.2019


Innsbruck

Gesetzlose auf zwei Rädern: Radfahr-Rowdies auf dem Vormarsch

In den vergangenen Jahren sind die Verkehrsdelikte durch Radfahrer deutlich gestiegen. Das Innsbrucker Stadtpolizeikommando setzt daher auf Schwerpunktkontrollen.

Das Radfahrverbot in der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße wird von vielen nicht eingehalten.

© Thomas Boehm / TTDas Radfahrverbot in der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße wird von vielen nicht eingehalten.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Eine rote Ampel, eine Einbahn oder der Gehsteig – dort, wo die Gesetzeslage eigentlich relativ klar ist, kommt es vor allem im Innsbrucker Stadtverkehr häufig zu Übertretungen durch Radfahrer. Schnell bei Rot in die Kreuzung eingefahren, gegen die Einbahn geradelt oder über einen Gehsteig abgekürzt – „Verstöße dieser Art haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, erklärt Oberst Reinhard Moser, Leiter des Verkehrsreferates im Stadtpolizeikommando Innsbruck. Eine letzgültige Erklärung, weshalb das so ist, hat er jedoch nicht. „Wenn wir das wüssten, dann hätten wir zumindest einen guten Ansatzpunkt, dieser Entwicklung entgegenzuwirken“, meint Moser. Erstaunlich sei jedenfalls die Reaktion der meisten Radfahrer, wenn sie etwa aufgehalten werden, nachdem sie über eine rote Ampel gefahren sind. „Die meisten versichern dann, dass sie das mit dem Auto nie tun würden“, sagt Moser und wundert sich gleichzeitig über den fahrlässigen Umgang mit der eigenen Gesundheit. Immerhin verfügen Radfahrer über keine Karosserie, die sie im Fall eines Unfalls schützen könnte.

Das Radfahren biete natürlich im Gegensatz zum Auto dem Lenker zum einen eine gewisse Anonymität, zum anderen auch eine Flexibilität, wenn es darum geht, sich nach Übertretungen aus dem Staub zu machen. So komme es immer wieder vor, dass sich Fahrrad-Rowdys einer Anhaltung entziehen und das Weite suchen, räumt Moser ein. Aus diesem Grund setzt die Polizei im Innsbrucker Stadtgebiet auch auf Fahrradstreifen, vor denen es kaum ein Entkommen gibt. Der Idee von Nummerntafeln für Fahrräder kann Moser wenig abgewinnen, dafür sei der Verwaltungsaufwand wohl zu groß, glaubt der Polizist.

Nicht weniger problematisch als die Moral bei der Einhaltung der Verkehrsregeln ist das Radfahren unter Alkohol­einfluss, wie Reinhard Moser erklärt. So wurden beispielsweise in Innsbruck im vergangenen Jahr 54 Verkehrsunfälle mit Beteiligten unter Alkoholbeeinträchtigung registriert. Bei 35 dieser Unfälle – also rund zwei Drittel – waren Radfahrer betroffen. „Der Trend des alkoholisierten Fahrens mit dem Rad setzt sich bedauerlicherweise auch 2019 fort“, weiß Moser. Von Jänner bis einschließlich März kam es in Innsbruck zu zehn Verkehrsunfällen unter Alkoholbeeinträchtigung, wobei wiederum fünf Radfahrer betroffen waren. Die Alkoholisierungsgrade bei den verunfallten Radfahrern sind laut Polizei auffällig hoch, sie liegen oft zwischen 1,2 und 1,8 Promille, vereinzelt sogar bei über 2 Promille. „Die Verletzungen sind in den meisten Fällen schwer und reichen von Knochenbrüchen bis zu Schädelverletzungen.“ Wer alkoholisiert ist, soll also nicht nur das Auto stehen lassen, sondern auch das Fahrrad, appelliert Moser. „Denn wer betrunken mit dem Rad fährt, riskiert vor allem seine eigene Gesundheit.“ Für Radfahrer gilt eine erlaubte Alkoholisierung von 0,79 Promille.

Weil die Verkehrsübertretungen und Alkoholdelikte bei Radfahrern derart angestiegen sind, hat das Stadtpolizeikommando für dieses Jahr einen Arbeitsschwerpunkt zum Thema „Radfahren“ definiert und ab Mai Schwerpunktkont­rollen angekündigt. Bei diesen Aktionen werden mehrere Beamte zusammengezogen und an neuralgischen Stellen in der Stadt postiert. Die Schwerpunktkontrollen werden nach etwa zwei bis drei Stunden wieder beendet und wenige Tage später an anderer Stelle wiederholt. „Das werden wir sowohl unter der Woche als auch an Wochenenden zu jeder Tages- und Nachtzeit machen“, kündigt Moser an – und hofft trotzdem in erster Linie auf die Vernunft der Radfahrer.