Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 02.05.2019


Bezirk Schwaz

Achenseebahn startete verspätet in die Saison

Vier Tage lang musste die Achenseebahn im Schienenersatzverkehr betrieben werden. Die Sorgen um den weiteren Fahrbetrieb sind groß.

Gestern nahm die Achenseebahn ihren Fahrbetrieb auf.

© FankhauserGestern nahm die Achenseebahn ihren Fahrbetrieb auf.



Von Eva-Maria Fankhauser

Jenbach – Eigentlich hätte die Achenseebahn vergangenen Samstag, 27. April, in die Vorsaison starten sollen. Doch die Lok stand still. Kein Rauch dampfte. Nichts. Dafür wurde ein Schienenersatzverkehr mit Taxis beworben. Der Start verzögerte sich bis zum 1. Mai.

„Das hat noch keine Eisenbahn der Welt geschafft: Nach einer sechsmonatigen Winter-/Betriebspause direkt in den Schienenersatzverkehr mit Taxi“, heißt es seitens des Vereins „Achenseebahn unerträglich“. Man frage sich, wie lange das noch gut gehen könne. Laut Achenseebahn-Geschäftsführer Georg Fuchshuber hat sich die Anlieferung von Ersatzteilen verzögert. Daher konnte man nicht wie geplant letzten Samstag in die Saison starten, sondern erst gestern. Ein Lokalaugenschein der Tiroler Tageszeitung bestätigt, dass die Achenseebahn gestern ihren Fahrbetrieb aufgenommen hat.

Anwohner an der Strecke bestätigen, dass erst am späten Dienstagnachmittag die Bahn erstmals nach der Winterpause verkehrte. Das heißt, dass die Bremsproben und die Probefahrt noch auf den letzten Drücker geschafft wurden. Laut Fuchshuber bedurfte es auch umfangreicher Instandhaltungsarbeiten an den Gleisanlagen und am Rollmaterial samt technischer Abnahme.

Das konnte die Bahn kostentechnisch noch stemmen. Noch – denn die versprochenen Mittel von rund 1,2 Millionen Euro seitens des Landes zur Aufrechterhaltung des Fahrbetriebes sind noch nicht eingetroffen. Die Bahn dampft bekanntlich aus dem letzten Loch. Die Frage, wie lang die Achenseebahn noch ohne die Finanzspritze des Landes fahren könne, wollte Fuchshuber nicht beantworten. „Das kann ich so auf den Punkt nicht sagen. Wir hoffen auf eine rasche Lösung“, meinte er und fügte nach kurzer Pause an: „Die Saison können wir schon fahren, sonst hätte ich jetzt nicht mit dem Fahrbetrieb begonnen.“

Doch schon die erste Fahrt endete gestern mit einer Verspätung. Ohne Mittel seitens des Landes könnte die Verspätung zur Einstellung werden. „Die finanziellen Beiträge an die Gemeinden Eben, Jenbach und Achenkirch (Anm. d. Red.: Sie besitzen 50 Prozent der Anteile) zur Aufrechterhaltung des Achenseebahn-Betriebes liegen bereit und dienen der Sanierung der Achenseebahn für die Betriebsfortführung in der Saison 2019“, heißt es seitens des Landes. Man sei dabei, die Investitionen für die Projekte im Detail mit der Achenseebahn und Sachverständigen abzustimmen, um diese dann „laufend“ umzusetzen – wie etwa an den Garnituren oder den Bahnhöfen Eben und Jenbach. Laut Land läuft derzeit die Abstimmung zur Aussendung der Hauptversammlung der Bahn – da müssen dann nämlich alle Aktionäre der Finanzspritze und den Bedingungen des Landes, wie diese einzusetzen ist, zustimmen. Das hat bei der letzten Versammlung Anfang Februar nicht geklappt. Da erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Christian Kittl, dass die Vorstellungen noch nicht kompatibel seien. Seither heißt es wieder warten. Warten auf Geld, das die Bahn dringender denn je braucht.

Christian Wirtenberger vom Verein „Achenseebahn unerträglich“ sieht schwarz für die Saison. Er empfindet den Bahnbetrieb als „lebensgefährlich“ und ortet jede Menge Probleme. Angefangen bei den kurzfristig angesetzten Bremsproben bis hin zum Gras an den Böschungen, das nicht frühzeitig abgebrannt wurde. Nun bestehe erhöhte Gefahr für Brände. Laut Fuchshuber ist das Gras dank Regens nass und daher besteht keine Brandgefahr. Sobald es trocken werde, werde man sich darum kümmern. Er sieht keine Probleme für den Fahrbetrieb.