Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 23.05.2019


Exklusiv

Senioren besonders gefährdet: Ein verletzter Fußgänger in Tirol täglich

In Tirol sind vergangenes Jahr 365 Fußgänger im Straßenverkehr verunglückt. Eine Studie hat sich nun mit der Sicherheit dieser Verkehrsteilnehmer auseinandergesetzt.

In Linz gibt es spezielle 3D-Zebrastreifen, die die Verkehrssicherheit von Fußgängern deutlich erhöhen sollen.

© APAIn Linz gibt es spezielle 3D-Zebrastreifen, die die Verkehrssicherheit von Fußgängern deutlich erhöhen sollen.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck, Wien – Sie gelten als die schwächsten Verkehrsteilnehmer – und damit auch als die am stärksten gefährdeten: Fußgänger. In Tirol verunglückt laut Daten der Statistik Austria im Schnitt jeden Tag ein Fußgänger. Vergangenes Jahr waren es genau 365, in den beiden Jahren zuvor 364 bzw. 384 Menschen, die bei Verkehrsunfällen als Fußgänger zu Schaden gekommen sind. In den vergangenen drei Jahren wurden dabei jeweils fünf Personen getötet, 2015 waren elf Todesopfer zu beklagen, 2014 zehn. In Österreich verunglückten 2018 fast 4000 Fußgänger, davon 47 tödlich.

Als Fußgänger im Straßenverkehr besonders gefährdet sind Senioren, wie aus einer gestern präsentierten Verkehrssicherheitsstudie des Allianz Zentrums für Technik hervorgeht. Demnach ist die Hälfte aller Fußgänger, die im Verkehr zu Schaden kommt, laut Studienautoren über 65 Jahre alt. Zwar habe sich die Verkehrssicherheit im Allgemeinen in den vergangenen Jahren verbessert, für den Fußverkehr gelte das jedoch nur bedingt: So ging die Zahl der verunfallten Fußgänger in Österreich im langjährigen Vergleich zurück, der Anteil der getöteten Fußgänger an der Gesamtzahl der Verkehrstoten blieb allerdings annähernd gleich.

Für Fußgänger hängt die Höhe des Unfallrisikos von einer Reihe von Faktoren ab. Bei Dämmerung und in der Nacht etwa steigt es speziell in den Wintermonaten an. Besonders gefährdet sind laut Studie auch Fußgänger innerorts: Zwei Drittel der tödlichen Fußgänger-Unfälle passieren in Österreich im Orts- oder Stadtgebiet, der größte Teil bei Dämmerung oder in der Nacht. „Gerade nächtliches Fahren verleitet zu weniger Aufmerksamkeit am Steuer. Alkohol, Müdigkeit, Regelverstöße sind nachts deutlich häufiger und bedeuten mehr Gefahr für Fußgänger“, erklärt Studienautor Jörg Kubitzki, Verkehrssicherheitsforscher im Allianz Zentrum für Technik. Aber auch neue Mobilitätsformen wie E-Scooter würden die Unfallgefahr für Fußgänger steigen lassen.

Darüber hinaus führen die Studienautoren auch die Ablenkung als wesentliches Unfallrisiko an. Markus Widmann, Leiter der Landesverkehrsabteilung der Tiroler Polizei, kann das bestätigen: „Ablenkung ist im Straßenverkehr die Unfallursache Nummer eins“, betont er. Wer als Lenker einen kurzen Blick aufs Handy wirft, riskiere beispielsweise, einen Fußgänger zu übersehen. Aber auch bei den Fußgängern selbst leide die Aufmerksamkeit für das Geschehen im Umfeld unter der Nutzung des Smartphones. „Fußgänger sind selbst oft ganz abwesend, wenn sie auf ihr Handy schauen und eine Straße queren“, weiß Widmann zu berichten. Dabei sei es vor allem hier wichtig, alle Sinne auf den Verkehr zu richten und etwa bei einem Schutzweg den Blickkontakt zum Lenker des herannahenden Fahrzeuges zu suchen. Denn sich darauf verlassen, dass der Autofahrer auch tatsächlich wie vorgeschrieben anhält, dürfe man sich nicht. „Gerade an Schutzwegen beobachten wir sehr oft, dass Fahrzeuglenker nicht für Fußgänger stehen bleiben“, sagt Widmann. Aber auch Fußgänger bringen sich selbst in Gefahr, wenn sie beispielsweise die Straßen nicht am Schutzweg queren, auf der falschen Straßenseite oder nicht am Gehsteig gehen oder unvermittelt auf die Straße treten. Mit Aufmerksamkeit und gegenseitiger Rücksichtnahme ließen sich viele Unfälle jedenfalls vermeiden, ist sich der Verkehrspolizist sicher.