Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.07.2019


Bezirk Kufstein

Stadt streicht Zufahrt für Asbest-Lager

Die Lkw-Fahrten zur Kufsteiner Baurestmassen-Anlage waren über den Grund der Stadtwerke geplant. Der Projektleiter verteidigt den Standort.

Auf dem Areal direkt bei der Autobahnauffahrt Kufstein-Süd wird bereits seit Jahren Schotter gelagert.

© HrdinaAuf dem Areal direkt bei der Autobahnauffahrt Kufstein-Süd wird bereits seit Jahren Schotter gelagert.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Von Kopfschütteln bis Kampfansage reichen die Reaktionen auf die Pläne für eine Baurestmassenanlage im Kufsteiner Ortsteil Endach. Wie berichtet, will ein hiesiges Unternehmen keine 500 Meter vom Bezirkskrankenhaus entfernt Baustellen-Abfälle verarbeiten und asbesthaltige Stoffe zwischenlagern.

Während die Stadtpolitik bereits eine geschlossene Front gegen das Projekt formiert, sorgt ein pikantes Detail für Aufregung. So war angedacht, dass die Zufahrt zur Anlage über ein Grundstück der Stadtwerke Kufstein führt. Die Tochtergesellschaft der Stadt hätte mit dem Entsorgungsunternehmen sogar gemeinsam die Einfahrt errichtet. „Hätte“, denn nun wollen die Stadtwerke die Fläche alleine nutzen, wie GF Markus Atzl auf Nachfrage der TT erklärt. „Ja, es hat Gespräche und Pläne für eine gemeinsame Zufahrt gegeben. Doch nun brauchen wir jeden Quadratmeter selbst“, so Atzl. Die Stadt hätte damit quasi zur Umsetzung der Asbestlagerpläne beigetragen. „Das hätten wir auf keinen Fall genehmigt“, lehnte BM Krumschnabel gestern die in der öffentlichen Kundmachung des Landes erwähnte Abmachung ab. „Wir werden nichts tun, das dieses Vorhaben unterstützt.“

Auch die Vertreter des Bezirkskrankenhauses fahren ihre Geschütze in Form eines Rechtsanwaltes auf. „Wir werden auf alle Fälle versuchen, Parteistellung zu erhalten“, kündigt der stv. Gemeindeverbandsobmann Josef Dillersberger (BM Schwoich) an.

Projektleiter und gleichzeitig Vorsitzender der Arbeitsgruppe Baurestmassendeponie der Wirtschaftskammer Tirol Karlheinz Löderle (Firma Projektpartner) verteidigt im Gespräch mit der TT das Vorhaben des Kufsteiner Unternehmers. „Es ist ein emotional besetztes Thema. Aber fachlich muss man sich nicht vor solch einer Anlage fürchten – vorausgesetzt, es wird sauber gearbeitet.“ Und dafür würde die Behörde mit strengen Auflagen und Überprüfungen sorgen. Asbesthaltige Betonfaserplatten – mit denen so gut wie jeder Bauherr beim Abbruch eines Altbestands in Tirol konfrontiert werde – würden nur verpackt angeliefert und in Containern temporär zwischengelagert werden. Der Standort an der Autobahn sei verkehrsgünstig ideal gelegen, die höhere Auffahrt samt Böschung brächten eine Dammwirkung für das Areal. „Da kommt nichts bis zum Krankenhaus“, sagt Löderle. „Eine geordnete Entsorgung ist besser, als wenn jeder Häuslebauer seine bedenklichen Baurestmassen zum örtlichen Recyclinghof bringt“, misst er dem Projekt große Bedeutung zu.