Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.07.2019


Exklusiv

BBT-Bahntrassen: Suche nach kleinstem gemeinsamen Nenner

Die ÖBB und die DB stellten fünf mögliche Bahntrassen für den Brenner-Zulauf vor. Der deutsche Verkehrsminister bekennt sich zum Bau.

Die Planung für eine weitere Bahntrasse durch das Inntal wird in Bayern schneller vorangetrieben.

© pellizari/ÖBBDie Planung für eine weitere Bahntrasse durch das Inntal wird in Bayern schneller vorangetrieben.



Von Wolfgang Otter

Kufstein, Rosenheim – Es sind noch fünf Varianten übrig geblieben. Die Planer des dritten und vierten Gleises in Richtung Brennerbasistunnel für den Abschnitt Rosenheim bis Schaftenau haben aus mehr als hundert Vorschlägen und Trassenmöglichkeiten ausgewählt. Gestern präsentierten sie ihre Grobtrassen-Vorschläge und holten sich dazu hochkarätige politische Unterstützung: Deutschlands Verkehrsminister Andreas Scheuer und sein bayerischer Amtskollege Hans Reichhart (beide CSU) waren gekommen, um damit zu unterstreichen, dass man Interesse am Bau der Trasse habe „und zu seiner Verpflichtung steht“, wie Scheuer meinte. Trotzdem gibt es gerade in der Bevölkerung viele Zweifler.

In Tirol wird die Entscheidung natürlich mit größtem Interesse beobachtet. Ein ursprünglich geplanter Tunnel westlich des Hechtsees musste aufgrund der Bergwassersituation ausgeschieden werden. Daher ging in Kufstein die Angst um, dass man eine offene Trasse weit in das Stadtgebiet hinein baut, was entsprechenden Widerstand hervorrief.

„In Bezug auf den Bereich Morsbach ist nur noch eine Trassenführung in Tieflage möglich. Das heißt, die aktuelle Planung entspricht zum Beispiel hinsichtlich Lärm, Flächenverbrauch oder lokaler Verkehrsbeziehungen weitgehend den Erwartungen der Anrainer“, wie die ÖBB nun mitteilen. Zu sehen sind die Pläne am 4. Juli im Kulturquartier in Kufstein und am 12. Juli im Gemeindesaal Niederndorf, jeweils von 16 Uhr bis 20 Uhr. Wie es in Bayern weitergeht, ist auch noch für Erl bzw. die Untere Schranne interessant. Dabei geht es um die Lage eines offenen Verknüpfungspunktes, der bei zwei Varianten auf bayerischer Seite im Bereich Erl liegt. In Deutschland zeigt man nach wie vor keine übertriebene Eile zur Realisierung. Bis 2020 soll zumindest die Trassenauswahl fertig sein, dann ist der Deutsche Bundestag am Zug, der den Bau genehmigen muss. „Wir haben uns bewusst für eine enge Einbindung der betroffenen Bevölkerung entschieden“, erklärt Scheuer den langen Planungszeitraum.

Aber, so wird vom DB-Mitarbeiter beteuert, man habe bis 2028 zur Eröffnung des Brennerbasistunnels bei entsprechender Mobilisierung der Bestandsstrecke noch für 320 Züge Kapazität, derzeit fahren 190. Scheuer meinte in Richtung der Gegner: „Eine grüne Bahn auf einer modernen Trasse ist echter Klimaschutz und Entlastung der Bevölkerung.“

Als einen entscheidenden Schritt bezeichnet LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) die Grobtrassenpräsentation. „Wichtig wird jetzt sein, die beste herauszufiltern und die Bedenken der Bürger vor allem hinsichtlich des Lärmschutzes zu berücksichtigen. Neben den Investitionen in Lärmschutzwände braucht es auch offensives Engagement für lärmarmes Rollmaterial. Die europäische Verkehrswende werden wir nur mit einem gemeinsamen Kraftakt schaffen“, so Felipe.

Die orange strichlierten Linien stellen die Tunnel dar.
Die orange strichlierten Linien stellen die Tunnel dar.
- ÖBB/DB