Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 22.07.2019


Sicherheit

Klare Regeln für Zug und Auto an Bahnübergängen

Die ÖBB investieren österreichweit jährlich rund 25 Mio. Euro in die Sicherheit an Eisenbahnkreuzungen. Die Unfallzahlen sind rückläufig.

Knapp zwei Drittel der ÖBB-Bahnübergänge in Tirol – wie dieser hier in Seefeld – sind technisch gesichert.

© ÖBB/KapfererKnapp zwei Drittel der ÖBB-Bahnübergänge in Tirol – wie dieser hier in Seefeld – sind technisch gesichert.



Innsbruck – Unfälle an Bahnübergängen enden in den seltensten Fällen glimpflich – wie einige tragische Beispiele alleine im Monat Juli zeigen: So wurde bei einem schweren Unfall an einem durch Rotlicht gesicherten Bahnübergang Donnerstagabend im niederösterreichischen Wilhelmsburg ein 72-jähriger Autolenker getötet. Der Mann dürfte den herankommenden Zug übersehen haben und wurde mit seinem Pkw erfasst. Am Montag vergangene Woche starben in Frankreich eine Frau und drei Kinder an einem Bahnübergang in Frankreich, einen Tag zuvor verloren zwei Erwachsene und zwei Kinder bei einem ähnlichen Unfall in Tschechien das Leben. Am 9. Juli kamen zwei Insassen eines Klein-Lkw in Raasdorf in Niederösterreich ums Leben, nachdem sie versucht hatten, den durch eine Lichtzeichenanlage geregelten Bahnübergang kurz vor dem Zug zu benutzen. Und in der ersten Juliwoche verunglückten nicht nur im bayerischen Kochel am See ein Großvater und sein zweijähriger Enkel an einem Bahnübergang tödlich, sondern auch ein 71-jähriger Radfahrer im Burgenland und zwei Insassen eines Autos in der Steiermark.

„In Tirol gab es seit 2014 bis Jänner 2019 13 Unfälle auf Eisenbahnkreuzungen, bei denen drei Personen teils schwer verletzt wurden und ein Todesopfer zu beklagen war“, weiß Christoph Gasser-Mair, Pressesprecher der ÖBB. Insgesamt gibt es in Tirol 127 ÖBB-Bahnübergänge, davon sind 76 technisch gesichert und 51 nicht technisch gesichert. „Ungesicherte Bahnübergänge gibt es keine“, erklärt Mair: Alle Eisenbahnkreuzungen seien gesichert, entweder technisch mit Lichtzeichen und/oder Schrankenanlage oder nicht technisch durch Verkehrszeichen, Andreaskreuz oder Geschwindigkeitsbeschränkungen.

Seit einigen Jahren schon arbeite man intensiv daran, die Sicherheit an Bahnübergängen deutlich zu erhöhen. Pro Jahr investieren die ÖBB rund 25 Millionen Euro in entsprechende Maßnahmen. Seit dem Jahr 2000 wurde so die Zahl der niveaugleichen Eisenbahnübergänge österreichweit nahezu halbiert – von rund 6100 auf rund 3200. Im vergangenen Jahr wurden österreichweit 20 Eisenbahnübergänge stillgelegt bzw. aufgelassen, heuer sind 30 geplant.

„In Tirol wurden in den vergangenen Jahren zum Beispiel im Außerfern fünf bislang nicht technisch gesicherte Eisenbahnkreuzungen durch Lichtzeichenanlagen oder Schranken technisch gesichert“, sagt ÖBB-Sprecher Gasser-Mair. Weitere Bahnkreuzungen wurden aufgelassen und über Ersatzwege zu anderen Kreuzungen geführt. Darüber hinaus werden laufend im ganzen Land bestehende mechanische Schrankenanlagen modernisiert. Ausgebaut wird außerdem die Rotlichtüberwachung, bei der Autofahrer „geblitzt“ werden, wenn sie bei Rot in die Eisenbahnkreuzung einfahren. Aber auch die Aufklärung und Bewusstseinsbildung nehme einen zentralen Stellenwert ein, betont Gasser-Mair mit Verweis auf die ÖBB-Sicherheitskampagne „Pass auf dich auf“.

Nicht zuletzt dank dieser Schritte seien die Unfallzahlen österreichweit rückläufig: Waren 2008 noch 108 Unfälle mit 19 Toten und 44 Verletzten zu verzeichnen, waren es zehn Jahre später 62 Unfälle mit fünf Toten und 28 Verletzten. (np)