Letztes Update am Fr, 26.07.2019 10:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Die Zukunft des Autofahrens: Wenn das Roboterauto Empathie zeigt

Was hat ein selbstfahrendes Auto mit einem Pony zu tun? Viel, weiß Zukunftsforscher Alexander Mankowsky. Er forscht bei Daimler am Auto der Zukunft. Ohne Führerschein werde es weiterhin nicht gehen.

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Wenn selbstfahrende Autos und Roboterbusse die Zukunft sind: Werden unsere Kinder noch einen Führerschein brauchen?

Alexander Mankowsky: Sie werden wahrscheinlich einen Führerschein für selbstfahrende Autos machen. Wenn ein Fahrzeug in eine nicht von Verkehrsregeln abgedeckte Situation kommt, wird es an einem sicheren Ort anhalten. Es kann bei einem Passagier nur dann erfragen, was es tun soll, wenn dieser eine Berechtigung hat, dem Fahrzeug Anweisungen zu geben.

Was werden wir in Zukunft übers Autofahren lernen müssen?

Mankowsky: Wenn ein selbstfahrendes Fahrzeug in eine Notsituation kommt – etwa ein Steinschlag oder eine Überschwemmung –, dann muss ein Mensch dem Auto oder einem Call-Center sagen können, was es tun soll. Es geht nicht darum, selbst ins Lenkrad zu fassen, sondern darum, die Verantwortung zu übernehmen, um das Problem zu lösen.

Welches Wissen, das Fahrschüler heute brauchen, wird obsolet werden?

Zur Person

Alexander Mankowsky ist Zukunftsforscher beim Mercedes-Hersteller Daimler. Der gebürtige Berliner ist Soziologe, Philosoph und Psychologe und arbeitet seit 1989 beim deutschen Autoriesen.Die Daimler AG hat diese Woche einen verschärften Sparkurs eingeschlagen, nachdem Milliardenrisiken im Dieselskandal und die schwache Autokonjunktur dem Konzern zuletzt einen Milliardenverlust eingebracht haben. Daimler hat knapp 300.000 Mitarbeiter.

Mankowsky: So schnell geht die Entwicklung nicht. Das Wissen wird erweitert werden, auch weil die Reglementierung im Straßenverkehr weiter zunimmt. Es wird darum gehen, wie ein automatisches Fahrzeug gekennzeichnet sein muss. Hier hat man sich auf die Farbe Türkis geeinigt. Es wird in Zukunft auch Zeichen geben, mit denen ein Auto seine Intentionen kundtut. Wenn ein Fahrzeug versagt, wird es auf eine genau vorhersehbare Weise herunterfahren. Ein paar Sachen wird man lernen müssen.

Immer mehr junge Leute, vor allem in den Städten, verzichten aufs Auto. Als Prestigeobjekt scheint es ausgedient zu haben.

Mankowsky: Ich würde das nicht ideologisch sehen, sondern vor allem ökonomisch. Mobilität verändert sich. „Ride Hailing“ wird alltäglich sein, wenn ich an autonome Fahrzeuge denke. Wenn ich ins Heute gucke, steht die Jugend wirtschaftlich viel schlechter da als vor 20 oder 30 Jahren. Die Kosten für den Führerschein, die Versicherung und auch das Parken sind stark gestiegen.

Die Autokonjunktur ist schwach, Daimler hat erst am Mittwoch einen Sparkurs angekündigt. Wie müssen die Autobauer in Zukunft mit jungen Leuten kommunizieren, um sie zu erreichen?

Mankowsky: Es geht um Nachhaltigkeit und Ethikfragen, also um Fragen, die im echten Leben eine Rolle spielen. Bei der Einführung selbstfahrender Autos geht es um „informiertes Vertrauen“.

Was ist das?

Mankowsky: Die Technik muss so gestaltet sein, dass sie transparent ist und dass wir verstehen, was die Fahrzeuge können und wollen. Das Design von selbstfahrenden Autos muss so gestaltet sein, dass die Menschen ihre Absichten empfinden können. Eines von vielen Themen, die dabei mit einfließen, ist Empathie, wie wir sie im Kontakt mit Tieren erleben. Wenn man ein Pony sieht, merkt man gleich, in welche Richtung es geht, das spürt man und man weiß auch ungefähr, was man dann tun muss. Dieses Verhalten erforschen wir und übertragen es auf die selbstfahrenden Fahrzeuge. Es geht um ein ehrliches und verständiges Design, wobei wir mit Licht, Bewegung und Geräuschen arbeiten.

Das Gespräch führte Nina Werlberger