Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.07.2019


Verkehr

Nicht immer mit dem Auto pendeln

Das Innos-Projekt „Werksverkehr Osttirol“ bemüht sich mit großen Firmen um bessere Mobilität. Es ist für einen Preis nominiert.

Vom Auto auf die Bahn umsteigen ist eine Möglichkeit für Pendler, das
eigene Kfz zu schonen.

© OblasserVom Auto auf die Bahn umsteigen ist eine Möglichkeit für Pendler, das
eigene Kfz zu schonen.



Von Catharina Oblasser

Lienz – An die 3000 Pendler sind fast täglich unterwegs, um zu ihrem Arbeitsplatz in Lienz oder im Osttiroler Pustertal zu gelangen. Rund 2000 davon kommen aus Oberkärnten, die anderen aus dem Iseltal. Meist fahren die Pendler mit dem eigenen Auto. Doch das muss nicht so bleiben. Ein Projekt der Innos GmbH gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Lienz und zehn großen Osttiroler Firmen nimmt das Thema genau unter die Lupe.

„Zehn Leitbetriebe erarbeiten dabei gemeinsam und abgestimmt aufeinander Maßnahmen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren, den öffentlichen Verkehr, das Rad oder Fahrgemeinschaften zur Arbeit zu nutzen“, lautet die Beschreibung des Projekts, das den Namen „Werksverkehr Osttirol“ trägt.

Am Anfang stand ein Fragebogen, den die teilnehmenden Firmen an ihre Angestellten austeilten. Mit 1400 ausgefüllten Bögen fiel die Rücklaufquote sehr hoch aus und lieferte aussagekräftige Daten, heißt es von Seiten der Innos. Erfragt wurde nicht nur, ob die Betreffenden mit dem Auto oder einem anderen Verkehrsmittel zur Arbeit kommen, sondern auch die Entfernung vom Wohnort zum Betrieb, der Wissensstand zu den Fahrplänen von Bahn und Bus, die Kenntnis von Alternativen zum eigenen Pkw und der Kosten, die das Pendeln mit dem Auto verursacht. Denn dazu zählt nicht nur das Benzin, das verfahren wird, sondern viel mehr. Schichtbeginn und Schicht­ende, eventuelle Gleitzeitregelungen oder der Dienstbeginn im Allgemeinen wurden ebenfalls erfragt.

„Das Ganze ist ein sehr emotionales Thema“, so die Innos. Dabei wollen die Projektanten unbedingt vermeiden, dass sich die Befragten als „Umweltsünder“ gebrandmarkt fühlen, weil sie mit dem Pkw fahren. „Es gibt Grenzen. Wir wissen, dass manche Leute einfach auf das Auto angewiesen sind, da existieren keine Alternativen.“

Ein übergeordnetes Ziel von „Werksverkehr Osttirol“ ist es, zusätzlichen Verkehr zu vermeiden, Hintergrund ist die bereits jetzt sehr hohe Belastung – und nicht zuletzt der Klimawandel. Zurzeit beschäftigen sich Arbeitsgruppen mit den ersten Maßnahmen. Das können mehr Information über Alternativen zum Auto sein, Besprechungen mit den Anbietern des öffentlichen Verkehrs oder Überlegungen gemeinsam mit den Firmen, die Schichtzeiten an die Öffi-Fahrpläne anzupassen.

Das Projekt „Werksverkehr Osttirol“ wurde vom VCÖ (Verkehrsclub Österreich), einem gemeinnützigen Verein, für den Mobilitätspreis nominiert. Die Osttiroler starten gemeinsam mit vier anderen Einreichungen in der Kategorie „Mobilitätsmanagement“, es gibt ein Publikumsvoting über Internet. Bis Sonntag, 28. Juli, kann man unter www.vcoe.at/voting seine Stimme abgeben.