Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.08.2019


Bezirk Kufstein

ÖBB-Monsterbaustelle in Angath: Verkehr und Rodungen regen auf

Der Protest gegen die Monsterbaustelle der ÖBB in Angath zieht immer weitere Kreise. Auch in Angerberg wehrt sich die Bevölkerung gegen die Ablagerung von Baumaterial und großflächige Rodungen.

Bis die Baumaschinen, wie hier im Brennerbasistunnel, in Angath am Werk sind, wird noch Zeit vergehen. Diskutiert wird aber bereits.

© Thomas Boehm / TTBis die Baumaschinen, wie hier im Brennerbasistunnel, in Angath am Werk sind, wird noch Zeit vergehen. Diskutiert wird aber bereits.



Von Wolfgang Otter

Angerberg, Angath – Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Und viele Bewohner in Angath und Angerberg sehen den Schatten im Zusammenhang mit dem Neubau der Trasse für den Bahnzulauf zum Brennerbasistunnel. Nicht, wenn er einmal fertig sein wird, denn dann verschwinden die zusätzlichen Gleise in einem zwölf Kilometer langen Tunnel. Aber die bis zu acht Jahre dauernde Bauzeit dafür (geplant ab 2028) hat gewaltige Auswirkungen. In Angath (die TT berichtete) soll die Baustelle für den Tunnel nicht weniger als acht Hektar betragen, direkt anschließend an den Ort. Dagegen ging die Angather Bevölkerung auf die Barrikaden. In einer Sondersitzung des Gemeinderates wurde nun ein eigener Ausschuss gegründet, der sich mit den Auswirkungen und einer Gegenstrategie dazu beschäftigt.

In einer ersten Sitzung kommen die Mitglieder rund um Obmann GR Martin Steiner zu einem ganz klaren Schluss: Die Baustellenabwicklung und die Baustelleneinrichtung sind nicht zumutbar, wie sie in einer Stellungnahme an das Land Tirol und die ÖBB schreiben. Immerhin seien knapp 1000 Personen von den Arbeiten rund um die Uhr betroffen. Davon leben viele im unmittelbaren Umkreis der Tunnelbaustelle. Was man in Angath nicht versteht, ist, warum man nicht einen Teil über das Tunnelportal in Kundl (bis dahin reicht der Tunnel) abwickelt und damit die Belastung halbiert. Angath liege auch im Luftsanierungsgebiet und sei durch die Autobahn bereits genug belastet, führt man neben vielen anderen Punkten an. Zusätzlich würde durch die rund 250 Bauarbeiter, die angeblich in einem Containerdorf leben müssten, die Bevölkerungszahl im Dorf de facto explodieren. Die Arbeiter würden nämlich fast „ein Viertel der Gesamtbevölkerung ausmachen“, wie es im Schreiben heißt.

Ein nicht unbedeutender Punkt sind für die Ausschussmitglieder Martin Steiner, Thomas Osl und Sandra Mad­reiter-Kreuzer der Verkehr und groß angelegte Rodungen, die auch den Ortsteil Fürth betreffen würden. Die Bundesbahnen planen, rund 900.000 Kubikmeter Material in der Nähe abzulagern. 250.000 Kubikmeter sollen im Ochsental landen und 650.000 im Schöfftal. Dazu müssten an die neun Hektar Wald (fünf im Schöfftal und vier im Ochsental) gerodet werden. Zudem wird ein gewaltiges Verkehrsaufkommen auf der Angerberger Landesstraße zu den Deponiestandorten erwartet.

Davon wären zwei Angerberger Siedlungsgebiete und das ganze Dorf Angath betroffen. „Für den Abtransport des Materials müssen Alternativen überlegt werden“, verlangt der Ausschuss. „Mehrkosten dürfen dabei keine Rolle spielen“, stellt man weiter fest. „Man kann nicht in Zeiten wie diesen so große Waldflächen roden.

Das ist nicht gut“, meint auch der Bürgermeister Josef Haaser, der die Baustelle für sein Dorf ebenso als unzumutbar empfindet. Es werde daher sicher noch Gespräche darüber mit den ÖBB geben.

In Angerberg sind die Bewohner ebenso alarmiert. Rund 400 Personen (circa ein Drittel der Wahlberechtigten) aus den betroffenen Ortsteilen Baumgarten und Unholzen, „aber auch aus anderen Gemeindeteilen“, wie Bürgermeister Walter Osl sagt, haben gegen Verkehr und Rodungen und aus Angst vor Lärm und Staub auf einer Protestliste unterschrieben. „Der zusätzliche Verkehr auf der Landesstraße ist nicht zumutbar, da sind viele Radfahrer unterwegs und Fußgänger“, stellt Osl fest. Dabei kann die Gemeinde dem Aufschütten des Ochsentales noch etwas Positives abgewinnen, weil dort schon lange eine (teure) ­Straßenverbreiterung notwendig ist.

Bei den ÖBB erklärt Pressesprecher Christoph Gasser-Mair, dass „darauf geachtet wird, dass die bauintensiven Arbeiten auf der Logistikfläche schwerpunktmäßig im westlichen Bereich (also abgewandt vom Siedlungsgebiet) erfolgen. Die Lkw-Transporte zu den Aufschüttungsflächen sind überdies im Regelbetrieb auf die Zeit von 6–19 Uhr von Montag bis Freitag beschränkt.“ Außerdem sei man „zuversichtlich, gemeinsam mit Anrainern und allen in den Genehmigungsprozess eingebundenen Parteien eine tragfähige und umweltverträgliche Planungslösung zu finden“.