Letztes Update am Mo, 02.09.2019 12:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schulbeginn

60 Unfälle im Vorjahr in Tirol: Tipps für einen sicheren Schulweg

In wenigen Tagen beginnt das neue Schuljahr und viele Kinder gehen das erste Mal den neuen Schulweg. Damit dies sicher ablaufen kann und zumal im vergangenen Jahr um 20 Prozent mehr Unfälle als im Jahr davor passiert sind, geben der ÖAMTC und die Tiroler Polizei Tipps.

Das Schulweg-Training benötigt Zeit, Geduld und die volle Aufmerksamkeit der Eltern für das Kind.

© ÖAMTC/HörmandingerDas Schulweg-Training benötigt Zeit, Geduld und die volle Aufmerksamkeit der Eltern für das Kind.



Innsbruck – 570 Verkehrsunfälle mit Kindern auf ihrem Schulweg ereigneten sich österreichweit im Jahr 2018. 610 Schüler im Alter zwischen sechs und 15 Jahren wurden dabei verletzt, was fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr entspricht. Die meisten Unfälle ereigneten sich dabei in Oberösterreich (107), gefolgt von Niederösterreich (93) und Wien (88). Tirol liegt mit 60 Unfällen am Schulweg im Mittelfeld.

Dass die Unfälle zuzunehmen scheinen, sei dabei primär auf eine höhere Genauigkeit bei der Unfallerfassung seitens der Exekutive zurückzuführen. Dadurch sollen gezieltere Gegenmaßnahmen zur Unfallvermeidung gesetzt und auch Kreuzungen oder Haltestellen optimiert werden können.

Für ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger bleibt trotzdem klar: „Jeder Unfall muss vermieden werden.“ Gerade bei jungen Schülern seien Schulwegtraining und Sensibilisierung unerlässlich. Unbedingt erforderlich sei aber auch die Rücksichtnahme anderer Verkehrsteilnehmer. „Bei fast jedem zweiten Schulwegunfall waren die Kinder zu Fuß unterwegs. Eltern müssen die Herausforderungen für ihre Kinder kennen und darauf eingehen“, mahnt Seidenberger. Die häufigste Ursache für die Schulwegunfälle im Vorjahr war Unachtsamkeit und Ablenkung – auf beiden Seiten.

Kurz vor dem Start ins Schuljahr 2019/20 geben der ÖAMTC und die Tiroler Polizei deshalb Tipps, wie man den Schulweg so sicher wie möglich gestalten kann.

Schulweg kindgerecht und realistisch üben

Schulweg planen: Eltern sollten sich vorab einen optimalen Weg überlegen. Dabei ist der kürzeste Schulweg laut den Verkehrsexperten nicht unbedingt der sicherste. Sofern vorhanden, sollten Sicherheitsumwege für Zebrastreifen oder Ampeln genutzt werden.

Volle Konzentration: Training benötigt Zeit, Geduld und die volle Aufmerksamkeit für das Kind. Eltern, die nebenbei Nachrichten schreiben oder Geschwister mitbetreuen, ziehen die nötige Konzentration vom übenden Kind ab. Die „Trainer“ sollten sich außerdem ihrer Vorbildfunktion bewusst sein.

Richtige „Tagesform“: „Die Stimmung und die Aufnahmebereitschaft des Kindes sind nicht zu unterschätzen. Oft ist der spätere Vormittag bzw. eine konfliktfreie Zeit ein guter Zeitpunkt zum Üben – mit dem Ziel, sich an die Schulbeginnzeit heranzutrainieren“, erklärt die ÖAMTC-Expertin. Eltern sollten außerdem die Aufmerksamkeit des Kindes stets im Blick haben und es regelmäßig mit Lob motivieren.

Realistisch üben:

Wo und womit das Kind den Schulweg absolvieren wird – genau so soll geübt werden (z.B. ein Stück zu Fuß, dann mit dem Bus). Das Üben an einem Werktag ist sinnvoller als an einem verkehrsarmen Sonntag. Die gepackte Schultasche darf mit zum Training – so entwickeln Kinder das Gefühl für die „Last“.

Anderes Sichtfeld: „Kinder haben aufgrund ihrer Körpergröße noch keinen ausreichenden Überblick“, weiß die ÖAMTC-Expertin. Um mögliche Sichthindernisse zu berücksichtigen, sollten Eltern in die Hocke gehen, rät Seidenberger. „Aufgrund ihres noch eingeschränkten Gesichtsfeldes können Kinder seitlich nahende Gefahren nicht gut ‚aus den Augenwinkeln‘ erkennen: Auch bei grüner Ampel sollten sie daher den Pendelblick anwenden.“

Andere Reaktionszeit: Kinder benötigen im Vergleich zum Erwachsenen entwicklungsbedingt etwa die doppelte Zeit zum Reagieren. Zudem sind sie noch leicht ablenkbar und handeln oft ichbezogen, Gefahren werden teils nicht richtig erkannt. Besitzt das Kind ein Handy, gehört es am Schulweg in die Schultasche.

Rechts-Links-Zuordnung: „Für einen Schulanfänger ist es nicht immer leicht, links und rechts zu unterscheiden – das funktioniert erst mit etwa zehn Jahren besser. Daher besser erklären, in beiden Richtungen auf andere Verkehrsteilnehmer zu achten“, empfiehlt die ÖAMTC-Expertin.

Straße überqueren: Zebrastreifen können gefährlicher sein, als man glaubt. Dem Kind sollte deshalb klar gemacht werden, dass es in jedem Fall warten muss, bis alle Autos zur rechten und linken Seite angehalten haben, bevor es die Straße überqueren kann.

Klar und kurz: Pro Training sollte ein klares Thema (z.B. Ampelnutzung) kurz und verständlich erklärt und „vorgeführt“ werden. Dann sollte dieses gemeinsam einige Male wiederholt, beim Kind nachgefragt und abschließend vom Kind mit eigenen Worten wiederholt werden. Kurze Übungseinheiten mit vielen Wiederholungen seien dabei zu empfehlen.

Ausnahmen besprechen: „Klappt der Schulweg schon gut, thematisiert man Herausforderungen – indem man Fragen stellt wie: Was machst du, wenn eine Baustelle den Gehweg versperrt?“, sagt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin. So lerne das Kind mitzudenken und selbst eine sichere Lösung zu finden.

Mit dem Rad zur Schule:

Ist das Kind schon alt genug, um mit dem Rad in die Schule zu fahren, sollte auf keinen Fall auf den Helm vergessen werden, erinnert die Polizei. Bis zum vollendetetn zwölften Lebensjahr besteht Radhelmpflicht. Das gilt auch, wenn das Kind in einem Fahrradanhänger transportiert wird oder auf einem Fahrrad mitfährt.