Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 16.08.2019


Innsbruck-Land

Schritttempo missachtet: „Wunder, dass noch nichts passiert ist“

In der Haller Altstadt halte sich niemand an die Wohnstraßenregelung mit Schritttempo, kritisieren besorgte Eltern. Sie fordern u. a. wieder Radarkontrollen.

Schritttempo in der Haller Altstadt wird vielfach missachtet.

© DomanigSchritttempo in der Haller Altstadt wird vielfach missachtet.



Hall – In der gesamten Haller Altstadt – der größten Tirols – gilt eine Wohnstraßenregelung. Das bedeutet u. a., dass Autofahrer dort nur Schritttempo fahren dürfen – zumindest in der Theorie.

In der Praxis werde diese Regelung komplett ignoriert, klagt eine Mutter, die mit ihrer Familie in der Altstadt lebt: „Schritttempo fährt hier niemand, geparkt und gehalten wird überall. Bauliche Maßnahmen, um das Tempo zu reduzieren, fehlen.“ Fazit der Mutter (ihr Sohn besucht den Kindergarten, die Tochter die Volksschule): „Würde man Kinder hier spielen lassen, wie in einer Wohnstraße erlaubt, wäre das grob fahrlässig.“

Besonders problematische Stellen seien der Stiftsplatz mit der dortigen Volksschule, aber etwa auch die Altstadt-Zufahrt über die Krippgasse, die nicht nur wegen des Postamts stark frequentiert ist.

Für die Mutter besonders unverständlich: Vor Jahren seie­n Radarmessungen durch die Stadtpolizei eingeführt, später jedoch wieder eingestellt worden. Diese brauche es wieder. Zudem müsse viel stärker auf die Wohnstraßenregelung hingewiesen werden, diese sei vielen Autofahrern nicht einmal bekannt.

Letzten Herbst starteten besorgte Eltern, deren Kinder die VS am Stiftsplatz besuchen, eine Unterschriftenaktion. „Es gibt hier keinen separaten Gehweg, die Schüler laufen aus der Schule direkt auf die Straße“, erklärt einer der Initiatoren, Harald Eisenberger, Familienvater aus Hall. „Viele Lenker fahren wie die Sau, es ist ein Wunder, dass da noch nichts passiert ist.“

Man fordere daher, die Schulgasse zu Beginn- und Endzeiten der Schule zu sperren. Doch trotz mehr als 300 Unterschriften – darunter die komplette Lehrerschaft – habe BM Eva Posch nicht reagiert. „Ihr liegt die Sache offenbar nicht am Herzen.“ Auch Eisenberger fordert die Wiedereinführung der Radarmessungen („Es muss ja nicht gleich eine Geldstrafe sein“) – oder eine Fußgängerzonen­regelung in der Altstadt.

BM Posch weist die Kritik zurück: Die Kontrollen per Radar seien noch vor ihrer Ägide (unter BM Leo Vonmetz) eingeführt worden, in der Administration aber offenbar unbefriedigend gewesen – heftige Proteste in der Bevölkerung inklusive.

„Ich löse das Problem so, dass ich die Stadtpolizisten regelmäßig ersuche, die Verkehrsteilnehmer auf die Wohnstraßenregelung hinzuweisen, speziell im Nahebereich der Schule“, erklärt Posch. Zu Schulbeginn werde die Stadtpolizei natürlich verstärkt vor Ort sein. Auch in der Stadtzeitung werde man erneut auf die Vorschriften hinweisen. Überdies werde wieder eine Anzeigetafel („Sie fahren ... km/h“) aufgestellt, um das Bewusstsein zu schärfen. Am Beginn der Zone gebe es Verkehrsschilder, die auf die Wohnstraßenregelung hinweisen, eine weitere Tafel in der Schulgasse, ergänzt Posch.

Eine Sperre, wie von manchen Eltern gefordert, gebe es bereits während der großen Pause, so dass die Kinder im Freien spielen können. Der Verkehr zu Schulbeginn und Schulende „rührt aber hauptsächlich von den Eltern selbst her, die ihre Kinder bringen oder abholen“, gibt BM Posch zu bedenken. (md)