Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.08.2019


Bezirk Landeck

Asfinag sieht sich nicht zu Lärmschutz in Stanz/Stampfle verpflichtet

Trotz Überschreitung des Lärmpegel-Grenzwertes von 60 Dezibel haben S16-Anrainer in Stanz/Stampfle keine Aussicht auf Schutzmaßnahmen.

Lkw auf der S16 bei Stanz/Stampfle: Die Anrainer klagen über „unerträgliche Belastungen“.

© WenzelLkw auf der S16 bei Stanz/Stampfle: Die Anrainer klagen über „unerträgliche Belastungen“.



Von Helmut Wenzel

Stanz bei Landeck – Seit Monaten beschweren sich Bewohner im Stanzer Ortsteil Stampfle – am Westportal des Perjentunnels – über Lärmbelastung und -belästigung. Vor allem in den frühen Morgenstunden würden „Klack-Geräusche“, ausgelöst von Lkw, für Schlafstörungen sorgen. „Wenn Lkw-Kolonnen beim Portal unterwegs sind, ist es mit der Nachtruhe vorbei“, schildert Anrainer Alexander Rinner.

Nachdem die Asfinag einen Experten mit lärmtechnischen Untersuchungen beauftragt hatte, schöpften die Anrainer zumindest leise Hoffnung auf bauliche Schutzmaßnahmen. Tatsächlich, bei den Messungen am 2. Mai wurde der Grenzwert von 60 Dezibel überschritten, wenn auch „nur“ geringfügig, wie der externe Experte Marti­n Sölder bestätigte.

Doch das Ergebnis ist vielschichtig und lässt Interpretationsspielraum zu. Die Grenzwertüberschreitung liegt laut Asfinag-Projektleiter Klaus Gspa­n dann vor, wenn man das Ergebnis von drei Lärmquellen im Umfeld des Tunnelportals addiert: Arlbergschnellstraße S16, Tiroler Straße B171 und Bahntrasse der ÖBB. Bei den Fenstern in den Wohnhäusern der Stampfle-Siedlung seien keine Überschreitungen festgestellt worden.

„Wir bedauern, dass für Ihr Wohnobjekt aktuell keine Möglichkeit zur Förderung von Lärmschutzmaßnahmen besteht“, teilte die Asfinag den Anrainern kürzlich schriftlich mit. Womit das Thema für die Asfinag vorerst abgehakt ist. Überprüfen werde man noch die „Klack-Geräusche“ bei den Fahrbahn-Übergängen.

Die Anrainer reagieren, gelinde gesagt, empört. Dass sich der Autobahnbetreiber der Republik Österreich nicht zum Bau von Lärmschutzmaßnahmen verpflichtet sieht, „ist für uns alles andere als nachvollziehbar“, beschwert sich Rinner.

Weitere Anrainer (Namen der Red. bekannt) schildern empört, man könne wegen des Dauerlärms nicht mehr auf der Terrasse sitzen. „Da erklärt man uns, dass der Grenzwert ja ohnehin nur geringfügig überschritten wird. Wenn wir unser Haus verkaufen, müssen wir mit einem saftigen Wertverlust rechnen“, machen Stampfle-Anrainer ihrem Ärger Luft. Mit der Erklärung, dass in diesem Fall keine Lärmschutzmaßnahmen möglich seien, lasse man sich nicht abspeisen.

„Wir werden Rechtsmittel prüfen, um bauliche Maßnahmen einfordern zu können“, hob Rinner hervor. Zudem strebe man eine zweite Lärmmessung an.

Er unterstütze die Anliegen im Stampfle, sagte BM Ferdl Beer gestern auf TT-Anfrage. Voraussetzung für eine Messung sei aber die Zustimmung des Gemeinderates.