Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 04.09.2019


Bezirk Reutte

Musauer machen mobil gegen Verkehrsbelastung

Anrainer in Brandstatt-Saba und Roßschläg fordern Maßnahmen. Ein kleiner Verkehrsgipfel tagte dazu in der Bezirkshauptmannschaft.

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© Tschol Simone



Von Helmut Mittermayr

Musau, Pflach – Die Anrainer an der Reuttener Straße, der L 69, in der so genannten Roßschläg und Brandstatt-Saba stöhnen auf. Der Verkehr setzt ihnen in multipler Weise zu. Das Aufkommen habe in letzter Zeit stark zugenommen, der Lärm ebenso und nun geraten sie auch noch in den Rückstau der neuen verkehrslenkenden Maßnahmen. Ein Dutzend Anrainer war Dienstagvormittag zur BH Reutte gekommen, um die Situation zu schildern. Selbstverständlich forderten sie auch Maßnahmen. Neben Bürgermeister Sieghard Wachter nahmen Walter Schimpfössl für die Polizei, Baubezirks­amtschef Wolfgang Haas und BH-Verkehrsreferatsleiterin Elisabeth Singer an der Besprechung teil.

Im Detail wurde von den Anrainern der L 69 unter anderem bemängelt, dass der Radweg in Brandstatt „endet“, also für Radfahrer nur schlecht ersichtlich sei, wo er weiterführt, und daher viele auf der Straße bleiben würden. Dass es zudem keine Zebrastreifen gebe. Dass Motorradfahrer am Ende der 50er-Beschränkung Vollgas geben würden (dann sind 100 erlaubt) und dieser Sound kaum erträglich sei. Sogar der Verkauf ihrer Häuser wurde von Besitzern schon in den Raum gestellt. Weiterer Kritikpunkt: dass die beiden Weiler an der Landesstraße neuerdings durch das Fahrverbot für Transitreisende auf Nebenstrecken der B 179 in mehrfacher Hinsicht zum Handkuss kommen würden. Seit die Durchfahrt von Pinswang gesperrt ist, würden es alle Ausweichler über das noch „offene“ Musau versuchen. Und da am Kreisverkehr Pflach jedem einzelnen Nichteinheimischen erklärt werden müsse, warum er nicht nach Reutte weiterfahren dürfe, würde der dadurch ausgelöste Rückstau bis über Brandstatt zurückreichen – jedes Wochenende. Das Grundanliegen: den explodierenden Verkehr zu reduzieren.

Wolfgang Haas: „Wir haben die Problematik erkannt und verstanden. Was an Sofortmaßnahmen möglich ist, wird getan.“ Er nennt zum Beispiel eine Ausweitung des Überholverbots. Aber man habe nicht alle Wünsche erfüllen können, räumt er unumwunden ein. Schließlich handle es sich hier um eine Landesstraße. Das geltende Lkw-Fahrverbot, wodurch die Brummer eh schon auf der parallelen B 179 gehalten werden, sei ein Segen für die Anrainer. „Und der durchschnittliche Verkehr an Julisamstagen hat dort von 2018 auf 2019, seit die Stauausweichfahrverbote gelten, sogar um über 25 Prozent abgenommen“, erklärt Haas.

Die BH-Juristin Elisabeth Singer hatte zum Treffen geladen: „Und schon alleine das zeigt, dass wir die nachvollziehbaren Anliegen ernst nehmen.“ Leider sei der gesetzliche Spielraum ein geringer. „Die Erstmaßnahmen sind daher nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Aber es sei Bewegung in die Sache gekommen. Zusammen mit der Gemeinde würden nun so genannte Temposys installiert, jene Smileys, die die Geschwindigkeit anzeigen. Im Herbst würden auch die Auswirkungen der bestehenden Fahrverbote evaluiert.