Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.09.2019


Bezirk Reutte

Neue Mitfahrbörse vorgestellt: Gemeinsam in Reutte „ummadum“

Mitfahrbörse, bei der Teilnehmern über Punkte der „Gratis“-Einkauf in heimischen Geschäften winkt, vorgestellt.

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Von Helmut Mittermayr

Reutte – In der vergangenen Gemeinderatssitzung freute sich Reuttes Bürgermeister Alois Oberer, einen innovativen Jungunternehmer vorstellen zu können. René Schader präsentierte das Start-up-Unternehmen Ummadum, das sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt hat – nämlich das alte „Autostoppen“ in zeitgemäßer Form auf eine App-basierte Ebene zu heben und damit den CO2-Ausstoß zu minimieren. Zielgruppe sind in erster Linie Pendler, womit Plansee, EWR oder Multivac in den Fokus geraten. Betriebsräte von Plansee verfolgten im Publikum jedenfalls interessiert die Ausführungen.

Ein Pilotbetrieb bei Swarovski sei bereits erfolgreich abgeschlossen und werde in den Regelbetrieb übergeführt, ließ Schader wissen: „Dort wurden seit Jänner 50.000 Kilometer geteilt, damit also auch 50.000 Kilometer weniger gefahren, was neun Tonnen CO2-Ersparnis entspricht.“ Als Belohnung können die erworbenen Punkte beim Einkauf in heimischen Geschäften in Warenwerte umgesetzt, damit also beim Bäcker, Metzger bis hin zum MPreis eingekauft werden.

Das Firmen-Motto „You’ll never ride alone“ (dt. Du fährst nie allein) soll die Umwelt entlasten, aber auch weiteren Mehrwert stiften. Denn die Pendler- und Parkplatzproblematik bei großen Unternehmen sei enorm. Die rechtlichen wie steuerlichen Aspekte samt Versicherung für die Fahrten seien erledigt bzw. inkludiert.

Wie’s funktioniert: Zum Mitfahren werden Ummadum-Punkte benötigt. Diese können bei Partnern oder direkt in der App gekauft werden. Ein Kilometer sind gleich 10 Punkte sind gleich 10 Cent. Eine Hin- und Rückfahrt von Weißenbach zum Planseewerk würde den Mitfahrer also zwei Euro und 10 Cent kosten. Fahrer bekommen für jeden geteilten Kilometer Punkte von ihren Mitfahrern. Die gesammelten Punkte können bei den Geschäftspartnern von Ummadum eingelöst werden. Das Unternehmen selbst will nur eine kleine Manipulationsgebühr für sich behalten. Derzeit wird das Projekt in ganz Österreich ausgerollt.

Problematisch könnte im Außerfern die notwendige kritische Masse zum Start werden, räumte Schader auf Nachfrage im Gemeinderat ein. Soll heißen: Bei der geringen Einwohnerzahl des Bezirks müssten die großen Unternehmen von Anfang an dabei sein, damit überhaupt genug Fahrten angeboten werden können.

Unternehmen oder Gemeinden können Punkte erwerben und an Mitarbeiter oder Bürger verteilen. Für die Gemeinde Reutte sei dies sicherlich vorstellbar, wenn das Projekt groß genug starten könne, ließ BM Oberer wissen. Er selbst sucht aus Umweltüberlegungen immer wieder Mitfahrer oder ist gerne Beifahrer. „Aber das ist ein schwieriges Unterfangen. Wenn ich zum Beispiel zur Naturparksitzung nach Elmen fahre, kommen alle mit dem eigenen Auto. Jeder hat Gründe, muss früher weg, noch wohin. Bequemlichkeit spielt sicher auch eine Rolle.“




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