Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.10.2019


Innsbruck-Land

Verkehrshölle: Maßnahmenpaket soll Aldrans endlich entlasten

Bei einem Infoabend stellen Land und Gemeinde morgen Vorschläge zur Verkehrsentlastung vor.

Vier stark befahrene Verkehrsachsen treffen im Dorfkern von Aldrans aufeinander, täglich kommt es dort zu rund 15.000 Fahrzeugbewegungen. Nun werden Erstvarianten für eine mögliche Umfahrung präsentiert.

© Andreas Rottensteiner / TTVier stark befahrene Verkehrsachsen treffen im Dorfkern von Aldrans aufeinander, täglich kommt es dort zu rund 15.000 Fahrzeugbewegungen. Nun werden Erstvarianten für eine mögliche Umfahrung präsentiert.



Aldrans – Mit der Innsbrucker, der Lanser, der Haller und der Rinner Straße treffen direkt im Aldranser Ortszentrum gleich vier stark befahrene Verkehrswege aufeinander. Die Folge: Staus, unübersichtliche Situationen – vor allem zu Stoßzeiten – und eine geringe Aufenthaltsqualität am Dorfplatz. Dort kommt es im Schnitt zu ca. 15.000 Fahrzeugbewegungen täglich.

„Die Entlastung des Orts­zentrums vom Verkehr ist seit zwei Jahrzehnten Thema in Aldrans“, sagt BM Johannes Strobl. Nachdem der Gemeinderat 2014 beschlossen hatte, dass eine Beruhigung des Verkehrsaufkommens anzustreben sei, wurde gemeinsam mit dem Land Tirol eine Grundlagenerhebung zur Verkehrssituation in Aldrans in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse liegen inzwischen vor – ebenso Vorschläge für ein Maßnahmenpaket auf deren Basis.

Bei einem Infoabend morgen Donnerstag um 19 Uhr im Gemeindesaal Aldrans wollen die Gemeindeführung, der Vorstand der Abteilung Verkehr und Straße beim Land Christian Molzer und Verkehrsplaner Klaus Schlosser der Bevölkerung die Analyse und die konkreten Lösungsvorschläge vorstellen. Für Grundeigentümer, die von einer möglichen Umfahrung betroffen wären, wie auch für die Nachbarbürgermeister gab es schon am Montagabend eine Präsentation.

Von den 15.000 Fahrzeugen, die täglich über den Aldranser Dorfplatz rollen, entfallen laut Analyse zwei Drittel (10.000 Fahrzeuge) auf den Durchzugsverkehr. Dabei verkehren 3000 Fahrzeuge zwischen Innsbruck und Lans-Sistrans, weitere 3000 zwischen Innsbruck und Rinn-Sistrans. Die Verkehrsanalyse zeige, „dass wir eine spürbare Entlastung für den Dorfkern nur dann zustande bringen, wenn wir den Verkehr entflechten und einen erheblichen Teil des Durchzugsverkehrs aus dem Zentrum hinaus auf andere Trassen bringen“, so Molzer.

Zur Kernfrage, wie die möglichen Trassenvarianten für eine solche Umfahrung ausschauen könnten, gab man sich beim Land gestern noch bedeckt. Nur so viel: Beim Infoabend würden verschiedene „Erstvarianten“ präsentiert – mit „klaren Aussagen zu deren Wirksamkeit“. Vom konkreten Planungsstadium sei man aber „noch weit entfernt“. Zuerst will man eben die Bevölkerung einbinden.

Eine etwaige „Westspange“ – z. B. zwischen Felseneck und ENI-Gutmann-Tankstelle – wird von manchen Anrainern jedenfalls sehr kritisch gesehen. So etwa von Peter Kilga, der am Mühlweg wohnt: Auch er sei für eine Entlastung des Dorfzentrums, diese solle aber nicht nach dem „Florianiprinzip“ durch eine Belastung anderer erkauft werden. Was Kilga generell stört: Es gebe „kein gemeinsames Konzept, das Innsbruck und alle Dörfer des südöstlichen Mittelgebirges mit einbindet“. Genau das brauche es aber, „bevor so weitreichende Maßnahmen wie eine neue Straße mitten durch eine Grünzone laut gültigem Raumordnungskonzept getroffen werden“. Man müsse weitergehende Ideen andenken – bis hin zu einer neuen, direkten Tramverbindung nach Innsbruck.

Im Sinne eines Gesamtkonzepts beinhalte die Analyse auch eine von der Vitalregion erstellte, fundierte Analyse des Öffi-Verkehrs, betont Strobl, inklusive Verbesserungsvorschlägen wie Taktverdichtungen. „Die Maßnahmen werden nun vom Verkehrsverbund Tirol im Detail geplant und finden Eingang in die Ausschreibung des öffentlichen Verkehrs ab 2020/21.“

Auch die Radanbindung nach bzw. ab Innsbruck soll verbessert werden. „Wir planen einen die Schlossstraße begleitenden Radweg, der an den neuen Vitalradweg anbindet“, erklärt Molzer. (TT, md)