Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 28.10.2019


Innsbruck-Land

Öffis werden in der Region Hall massiv ausgebaut

Mit 15. Dezember treten in der Region Hall neue Busfahrpläne in Kraft. Mils, Absam/Eichat, die Untere Lend und Gnadenwald profitieren stark, erste Reaktionen fallen begeistert aus.

Am Haller Bahnhof (Bild) soll die Abstimmung von Bussen mit S-Bahnen verbessert werden – dank verlängerter Umsteigezeiten.

© DomanigAm Haller Bahnhof (Bild) soll die Abstimmung von Bussen mit S-Bahnen verbessert werden – dank verlängerter Umsteigezeiten.



Von Michael Domanig

Hall, Absam, Mils, Gnadenwald – Mit Fahrplanwechsel am 15. Dezember tritt in Hall, Absam, Mils und Gnadenwald ein neues „Mobilitätskonzept“ in Kraft. Und nach langen Verhandlungen zwischen den Gemeinden und dem Verkehrsverbund Tirol (VVT), die nicht zuletzt auf der Ebene des Planungsverbandes Hall und Umgebung stattfanden, scheint nun in Sachen Öffi-Verkehr tatsächlich ein großer Wurf gelungen zu sein.

Beschlüsse aus allen vier Gemeinden liegen inzwischen vor – und die Reaktionen in der Region sind nahezu einhellig positiv bis euphorisch. Details will der VVT zwar erst Anfang Dezember nennen, die Eckdaten sind aber schon bekannt: Zu erwarten sind deutliche Verbesserungen bei Takt, Linienführung und Fahrplänen der Regiobusse.

Herzstück ist ein komplett neuer Rundkurs (Linie 6 und 7): Jeder Bus, der vom Haller Bahnhof nach Mils fährt, wird künftig am Rückweg über Absam-Eichat geführt. Analog fährt jeder Bus nach Eichat (mit seinen drei Berufsschulen und mehreren großen Firmen) über Mils zurück zum Haller Bahnhof. Einmal geht der „Zeiger“ also nach rechts, einmal nach links. Die beiden neuen Buslinien Hall – Mils – Eichat – Hall bzw. Hall – Eichat – Mils – Hall werden jeweils halbstündlich und um 15 Minuten versetzt verkehren, de facto also einen 15-Minuten-Takt herstellen. Gleichzeitig werden Absam und Mils damit zum ersten Mal überhaupt (!) mit Öffis querverbunden. Nicht nur deshalb spricht Bürgermeister Arno Guggenbichler aus Absam von einem „Meilenstein“ und „richtigen Schub“ für den Öffi-Verkehr. „Das Frequenzangebot wird so gut, dass man gar nicht mehr schauen muss, wann der nächste Bus fährt“, meint auch sein Milser Amtskollege Peter Hanser.

In Hall wird die bestehende Buslinie 1 (Untere Lend – Bahnhof) aufgespalten: Linie 1a fährt in Zukunft von der Unteren Lend zum Kurhaus Hall – die Bevölkerung aus dem rasch wachsenden Stadtteil gelangt somit (wieder) ohne Umsteigen direkt ins Stadtzentrum. Dieser Bus wird auch am Samstag verkehren – womit zwei drängende Wünsche der Bevölkerung erfüllt würden, wie BM Eva Posch meint. Linie 1b verbindet die Untere Lend mit dem Bahnhof.

Erweiterungen gibt es auch bei der Linie 3 zwischen Gnadenwald und dem Haller Bahnhof: „Erstmals in der Geschichte erhält Gnadenwald einen tagesdurchgängigen Stundentakt“, freut sich BM Heidi Profeta. Eine Reihe von Taktlücken werden geschlossen. Und ein Zusatzbus in der Früh soll den meist heillos überfüllten Bus, der um 7.05 Uhr in Gnadenwald startet, entlasten – Pendler und Schüler dürfen somit aufatmen.

Apropos: Die Abstimmungen mit den S-Bahnen am Haller Bahnhof werden ebenfalls verbessert. Derzeit erreichen Nutzer wegen der zu knapp bemessenen Umstiegszeiten oft die Anschlusszüge bzw. -busse nicht. Nun werden diese Zeiten auf ca. fünf Minunten verlängert.

Der VVT (58,5 %) und die vier Gemeinden (zusammen 41,5 %) greifen für den Ausbau der Busverbindungen ordentlich in die Tasche. Allein die Stadt Hall zahlt knapp 100.000 Euro pro Jahr zusätzlich (derzeit: ca. 200.000 Euro). Aber das Geld sei gut investiert, meint BM Posch: „Wir sind alle sehr froh, die Mobilität in der Region wird deutlich verbessert.“

So sieht das auch Barbara Heiss aus Mils, die ausschließlich mit den Öffis fährt und ihre praktische Expertise regelmäßig beim VVT und in den Gemeinden einbringt. Als kritische Stimme hat sie frühere Anpassungen bei den Buslinien teils vollkommen „auseinandergenommen“. Nun sagt sie: „Ich bin begeistert und kann nur gratulieren, die Verantwortlichen haben sich wirklich etwas dabei gedacht.“ Wichtig sei jetzt aber, dass das neue Angebot mit Fahrplanwechsel intensivst kommuniziert und beworben werde: Neben dem VVT müssten hier auch die Gemeinden selbst einen Beitrag leisten.