Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.11.2019


Verkehr

Kein E-Autoziel mehr, Ladestellen nun online

Eine Verdoppelung der E-Auto-Förderung wie in Deutschland ist in Österreich derzeit nicht geplant. Neues Online-Verzeichnis zeigt alle Stromtankstellen.

Ein neues Verzeichnis soll helfen, Ladestationen leichter zu finden.

© iStock UnreleasedEin neues Verzeichnis soll helfen, Ladestationen leichter zu finden.



Wien – Österreich hat sich verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis 2030 im Vergleich zu 2005 um 36 Prozent zu reduzieren. Gelingen soll das unter anderem mit einem kräftigen Anstieg des E-Auto-Anteils auf den heimischen Straßen. Zusätzliche Mittel sind laut der aktuellen Bundesregierung derzeit dafür nicht vorgesehen. Ein neues Online-Verzeichnis von Stromtankstellen soll aktuell zumindest dabei helfen, öffentlich zugängliche Ladestationen für E-Autos leichter zu finden.

Das Online-Ladestellenverzeichnis (www.ladestellen.at) zeigt Autofahrern erstmals die öffentlichen Standorte der E-Tankstellen aller Anbieter samt Ladeleistung und Stecker-­Art. Das vom Energieregulator E-Control sowie von Umweltministerin Maria Pate­k und Verkehrsminister Andreas Reichhardt präsentierte Tool kann als Beta-Version bereits benutzt werden und zeigt nach der Eingabe des aktuellen Standortes die nächstgelegenen Ladestellen auf einer Karte und als Liste an. Noch nicht angezeigt wird ein Preisvergleich und ob eine Ladestation gerade belegt ist oder frei, sagte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. Mit Ende des dritten Quartals gab es in Österreich laut Reichhardt rund 3700 Normalladepunkte (bis 22 kW) und etwa 530 Schnell­ladepunkte (ab 22 kW).

„E-Mobilität ist ein wesentlicher Baustein zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes und zur Reduzierung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen“, sagte Patek. Einen Zielwert für den E-Autoanteil wollten die Minister aber nicht formulieren. Elektromobilität sei nur ein Baustein von vielen. Zudem müsse der Verkehr reduziert werden und jeder Einzelne sein Verhalten hinterfragen, meinte Patek. Noch 2012 wurde das Ziel ausgegeben, bis 2020 rund 250.000 E-Autos auf die Straße zu bringen. Dieses wurde später auf 50.000 heruntergeschraubt. Kurz vor dem Jahreswechsel 2019/2020 sind knapp 30.000 E-Autos in Österreich unterwegs.

Zusätzliche Milliarden samt einer Verdoppelung der Förderung auf 6000 Euro beim E-Auto-Kauf, wie es Deutschland kürzlich beschlossen hat, benötige es aus Sicht Reichhardts für Österreich nicht. Hierzulande wird der E-Auto-Kauf mit 3000 Euro gefördert. „In Österreich gibt es Steuer­erleichterungen für E-Autos, die es in Deutschland nicht gibt“, antwortete Reichhardt auf die Frage der TT. Im zehnmal größeren Deutschland würden derzeit nur 85.000 bis 90.000 E-Autos fahren. Im Vergleich dazu liege man „nicht so schlecht“.

Die Forderung des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) nach einem Rechtsanspruch auf Strom-Ladestationen in Wohnhausanlagen findet Reichhardt nachvollziehbar; das gehöre in die Strategie aufgenommen. Allerdings sei es nicht so einfach und liege nicht in der Bundeskompetenz. Auch in Tirol müssen Wohnungseigentümer und Mieter die Zustimmung aller Nachbarn einholen, um auf eigene Kosten eine Ladestation in der Garage der Wohnanlage installieren zu dürfen. (ecke)




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